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Harlem Renaissance

 

Midsummer Night in Harlem

Der Begriff der Harlem Renaissance bezeichnet den Zeitraum, hauptsächlich in den 1920er Jahren, in dem sich die Kunst und Kultur der schwarzen Bevölkerung der USA zu einer selbstbewussten, zu einer Strömung vereinten Richtung entwickelte, die verstärkt auch von den Weißen wahrgenommen wurde. Obwohl die damals noch als „Negro Movement“ bezeichnete Bewegung ihren Ursprung und ihren Kern im New Yorker Stadtteil Harlem hatte, hatte sie auch Einfluss auf die Kunst in anderen Landesteilen und bis nach Europa. Vor allem in der Kunstszene in Paris manifestierten sich die Ideen der Harlem Renaissance. Ihre Blütezeit erlebte die Strömung in der Zeit zwischen 1924 und 1929, als die Weltwirtschaftskrise ausbrach, die starke Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft hatte. Die Einflüsse der Bewegung waren jedoch auch in den darauf folgenden Jahren noch deutlich zu erkennen. 

Erst kurz zuvor war Harlem, das einst als Stadtteil der gehobenen weißen Mittelklasse galt, schwarz geworden. Wegen des ersten Weltkriegs und dem Bedarf an vielen, auch ungelernten Arbeitern in den industriellen Zentren des Nordostens, waren unzählige Schwarze aus anderen Teilen der USA nach New York City gekommen, von denen viele in Harlem, wo schwarze Investoren ganze Straßenzüge erworben hatten, eine neue Heimat fanden. Hier, wie auch in anderen Städten, entstand eine neue Massenkultur und schon allein auf Grund der Zahl der Menschen gleichen kulturellen Hintergrunds konnte sich ein neues Selbstverständnis der Schwarzen entwickeln. In dieser Umgebung entstanden zunächst einzelne, vielbeachtete Werke, etwa von dem in Jamaika geborenen Claude McKay oder von James Weldon Johnson, einem der Vorreiter der Bürgerrechtsbewegung. In ihren Werken beschrieben diese und andere Autoren vor allem das Leben der Schwarzen in Amerika.

Hubert Harrison gründete 1917 die Zeitung „The Voice“, die hauptsächlich politische Themen aus dem schwarzen sozialistischen Umfeld aufgriff, aber auch der Kunst Platz einräumte, die so weitere Verbreitung fand. Die Gründung von “The Voice” gilt, ebenso wie die Premiere der Theaterstücke “Three Plays for a Negro Theatre”, als Startpunkt für die kulturelle und künstlerische Emanzipation der schwarzen Bevölkerung. Die Stücke waren von dem weißen Autor Ridgely Torrence geschrieben worden und erlaubten es den schwarzen Schauspielern erstmals, menschliche Emotionen darzustellen, statt wie zuvor nur den leicht schwachsinnigen Narr zu geben. Die Kunst in allen ihren Formen wurde so zum Ausdruck des Verlangens der schwarzen Bevölkerung nach gesellschaftlicher Beteiligung und Gleichberechtigung. Kurz zuvor hatten noch viele der Menschen, die nun Harlem und andere Stadtviertel im amerikanischen Nordosten bevölkerten, noch im Süden des Landes ihre Heimat und hatten miterleben müssen, wie dort rassistische und konservative Überzeugungen die Oberhand gewannen und die wenigen zuvor errungenen Freiheiten der Schwarzen zunichte machten. Dennoch war die Diskriminierung auch im Norden der USA spürbar - insbesondere für die jungen Männer, die zusammen mit Weißen im Ersten Weltkrieg für ihr Land gekämpft hatten, war diese Erkenntnis eine bittere Enttäuschung.

Die Kunst und ihre Anerkennung auch in der weißen Bevölkerung und sogar auch im Ausland sorgten dafür, dass die schwarze Gemeinschaft die eigene Identität gestärkt sah und einen Weg fand, die stereotypen Vorstellungen in anderen Bevölkerungsteilen positiv zu beeinflussen. So hat die eigentlich auf die Kunst bezogene Strömung durchaus auch eine politische Komponente. Als Beispiel ist die so genannte Back to Africa- Bewegung zu nennen, die sich für eine Rückkehr der Schwarzen auf den Kontinent ihrer Vorfahren aussprach. Zu den Persönlichkeiten, die das aus der Harlem Renaissance entstandene Gemeinschaftsgefühl der schwarzen Bevölkerung politisch interpretierten, gehörten beispielsweise der in Jamaika geborene Marcus Garvey oder der Autor und Mitgründer der Bürgerrechtsorganisation NAACP, W.E.B. Du Bois.

Als Motiv für die bildlichen, plastischen, literarischen und musischen Darstellungen in den der Harlem Renaissance zuzuordnenden Kunstwerken finden sich immer wieder Einblicke in das Alltagsleben der Schwarzen, aber auch Anklänge an afrikanische Traditionen oder Beschreibungen der rassistisch geprägten Unterdrückung. Mit solchen Themen gelang es schwarzen Künstlern nun zunehmend, in Mainstream-Publikationen Erwähnung zu finden und auch bei den Weißen auf Interesse zu stoßen. Mit der Zeit erreichten die schwarze Kunst und die Themen, mit denen sie sich beschäftigte, so die Mitte der Gesellschaft und ermöglichten eine neue Definition der schwarzen Kultur, die nun weniger als Kultur von Wilden, sondern als Teil des Bildes der amerikanischen Gesamtbevölkerung akzeptiert wurde. In den USA, aber auch im Ausland, wandelte sich das Bild von den Schwarzen, die zuvor vor allem als Plantagenarbeiter aus dem Süden angesehen wurden und die nun ein neues Image erreichten. Auf dem Boden dieses neuen, auch nach innen wirkenden Selbstverständnis der schwarzen Bevölkerung, entwickelte sich später die Civil Rights-Bewegung der 1950er und 60er Jahre.


 

 

 

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