ARGAZ
SWMAZ

Kreuzfahrten

Arizona

 

Bisbee

Als im Jahr 1975 die letzte Tagebaustätte von Bisbee schloss, in der in langer Tradition Kupfer gefördert worden war, sah sich Bisbee, der Verwaltungssitz des Cochise County ganz im Süden Arizonas, vor einer ungewissen Zukunft. Ausser den Minen gab es nicht viel, wovon eine Stadt und ihre Menschen hier leben konnten, die Stadt drohte zu sterben. Dann aber erkannten einige Menschen von ausserhalb das Potential Bisbees. Bald kamen Künstler, dann Makler, die das weite, freie Land und das angenehme Klima nutzten und schliesslich hielten Touristen Einzug in der alten Minenstadt, die auf der Suche nach authentischer Wildwest-Atmosphäre waren. Bisbee heute hat den Verlust seiner Haupteinnahmequelle nicht komplett überwunden, doch vielleicht liegt gerade darin ein Teil des Reizes, den die Stadt auf Touristen ausübt.

AZ Bisbee

Bisbee liegt 130 Kilometer südlich von Tucson und rund 20 Kilometer entfernt von der Grenze zu Mexiko in einer Gegend mit milden Wintern und durchschnittlichen Temperaturen über 30° C von Mai bis September auf einer Höhe von mehr als 1600 Metern. Die Stadt zählt rund 6000 Einwohner, wobei die Zahl seit einiger Zeit leicht rückläufig ist. Mehr als 30% der Einwohner bezeichnen sich als Hispanics, immerhin rund 2% zählen zu den amerikanischen Ureinwohnern. Die Kriminalitätsrate liegt leicht über dem US-Durchschnitt, was vor allem in einer recht hohen Zahl an Diebstählen begründet liegt.

Der Abbau von Bodenschätzen war die treibende Kraft hinter der Entstehung des Ortes Bisbee im Jahr 1880. Drei Jahre zuvor hatte ein Prospektor in der Nähe Spuren von Silber gefunden. Finanziell unterstützt von einem Richter namens Dewitt Bisbee, dem Namensgeber der Stadt, begann dann die Produktion, bei der man schnell feststellte, dass der eigentliche Bodenschatz Kupfer in aussergewöhnlich hoher Konzentration war; Gold und Silber kamen nur in geringen Mengen vor. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Copper Queen Mine eine der produktivsten Kupferminen des Landes, zusätzlich wurden in den tieferen Lagen noch reichere Bestände an Gold und Silber gefunden. 1902 gab sich Bisbee das Stadtrecht, 1910 lebten mehr als 9000 Menschen hier. Im Umland öffneten einige weitere Minenbetriebe, allerdings mit weniger Erfolg. Mit Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg und dem damit stark gestiegenen Bedarf an Kupfer erlebte die Region einen weiteren Aufschwung. Zu jener Zeit stand beinahe die gesamte Stadt unter der Regie der Bergbaufirma Phelps Dodge, der nicht nur die Mine, sondern auch zahlreiche Betriebe in Bisbee sowie die lokale Tageszeitung gehörte. Als Tausende Arbeiter im Streit um eine Verbesserung der oftmals katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Bergwerken im Juni 1917 in einen friedlichen Streik traten, versuchte die Firma, den Streik als im Zusammenhang mit dem Krieg stehend und die hauptsächlich mexikanischen Arbeiter als Unterstützer der Deutschen darzustellen, allerdings vergeblich. Am 11. Juli 1917 trommelte das Unternehmen mehr als 2000 Männer aus Bisbee und dem Umland zusammen, die schliesslich über 1200 streikende Minenarbeiter in Güterwaggons sperrten und nach New Mexico deportieren liessen. Der Sheriff und Verantwortliche von Phelps Dodge wurden im Mai 1918 wegen dieser Tat verhaftet.
1929 wurde Bisbee zur Hauptstadt des Cochise County; mit dem Zweiten Weltkrieg kam ein neuerlicher, kurzer Aufschwung in die Region, doch die Konzentration des Kupfers war längst nicht mehr so hoch wie noch 50 Jahre zuvor. Das Bergwerk verlor mehr und mehr an Bedeutung und wurde 1975 schliesslich geschlossen. Zuvor jedoch entdeckten einige Minenarbeiter den Wert eines weiteren Nebenprodukts des Kupferabbaus: Das Mineral Türkis, das hier gefunden wurde, wurde von der Minengesellschaft achtlos weggeworfen, doch ein Arbeiter namens Bob Matthews verkaufte die Steine an Juweliere, die den besonders tiefblauen Farbton des Bisbee-Türkis zu schätzen wussten und in den typischen Schmuck des Südwestens einarbeiteten. Heute werden für Besucher Touren durch die stillgelegte Mine angeboten. Die Queen Mine Underground Tours starten fünfmal am Tag. Touristen können hier, stilecht mit Helm und Grubenlampe ausgerüstet, unter Tage fahren.

Nachdem die Arbeiter die Stadt verlassen hatten, lockte günstiges Bauland Künstler und Freigeister, auch eine gewisse Zahl Hippies, in die Stadt. Sie schafften es, aus der alten Bergbaustadt einen Urlaubsort mit typischem Südwest-Charme zu machen, der auch den einen oder anderen Prominenten anzog. Einer von diesen war John Wayne, der sich finanziell hier engagierte und so die Revitalisierung der alten Stadtanlage mit vorantrieb. Ihm und anderen Investoren ist es zu verdanken, dass die Altstadt, Old Bisbee genannt, heute eine architektonische Sehenswürdigkeit ist. Geprägt durch eine Stadtanlage, die an alte europäische Kleinstädte erinnert und gespickt mit gut restaurierten Beispielen viktorianischer Architektur ist Old Bisbee heute oft Schauplatz von Veranstaltungen. Zu diesen zählen so unterschiedliche Events wie das Bisbee Pride Weekend, ein fröhliches, im Juni stattfindendes Fest der Gay-Gemeinde der Region, zu dem auch eine Parade gehört; oder die seit inzwischen über 20 Jahren immer im Oktober hier stattfindenden Bisbee 1000. Bei diesem Event, vom Veranstalter als “einzigartige Fitness-Herausforderung” beworben, sind an verschiedenen Stellen in der hoch gelegenen Stadt insgesamt 1000 Treppenstufen zu bewältigen. Die Bisbee 1000 sind dabei eher ein Volksfest als ein Rennen und werden an mehreren Abschnitten des Parcours von Musikkapellen und Bands begleitet.

Zu den Sehenswürdigkeiten Bisbees gehört das Phelps Dodge General Office Building. Dieses ehemalige Verwaltungsgebäude der Minengesellschaft dient heute als Bisbee Mining & Historical Museum. In der Ausstellung des Museum finden sich viele Gegenstände aus der Geschichte des Bergbaus in der Region, die untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden ist. Es liegt an der Copper Queen Plaza und ist täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.

Die Region im Südosten Arizonas ist ein beliebtes Reiseziel für Naturliebhaber. Besonders wer an Vogelkunde interessiert sind, findet hier ein interessantes Feld mit vielfältigen Möglichkeiten. Zehntausende Tiere kommen auf ihren jährlichen Zügen durch die Gegend und eine beträchtliche Zahl von Touristen kommt aus genau diesem Grund in die Region. Das Southeastern Arizona Bird Observatory, das seit 1996 besteht, beschäftigt sich mit der Beobachtung und Erforschung der Zugvögel und hat einige Programme, an denen Interessierte teilnehmen können, etwa Workshops und geführte Spaziergänge.

Die Umgebung von Bisbee wird geprägt durch die Mule Mountains, deren höchste Gipfel, Mount Ballard und Fissure Peak sind mit einer Höhe von jeweils etwa 810 Metern. Die Bergkette besteht zum grössten Teil aus steilem, schwierigem Terrain, so dass es nicht viele Kletterer hierher verschlägt. Das wiederum sorgt dafür, dass die den Bergen den Namen gebenden Maultierhirsche, die hier leben, einen relativ ungestörten Lebensraum haben, den sie ausserdem unter anderem mit Nabelschweinen teilen. Über den Mule Pass, der kurz nach dem Verlassen der Stadt beginnt, kann man die Bergkette durchfahren. In dem Gelände befindet sich mit der Lavender Pit eine 274 Meter tiefe Grube, Überbleibsel eines Kupferbergwerks, aus dem zwischen 1950 und 1974 etwa 600.000 Tonnen Kupfer gewonnen werden konnten.


 

 

Find us on Facebook

 

Follow us on Twitter

 

 

 

 

Americanet.de

 

Visit us on Pinterest

 

bl

 

 

 

 

Übersicht Bundesstaaten

 

Impressum

 

 

 

 

This page in English: Arizona