Florida

 

Everglades
 

Die einzigartige Sumpflandschaft des Everglades bedeckt den Süden Floridas von unterhalb des Lake Okeechobee bis zur südlichen Küste des Festlands. Von den ursprünglichen Everglades sind heute nur noch etwa 50% erhalten geblieben. Der 1947 zum Nationalpark erklärte Teil, der seit 1977 auch UNESCO-Weltnaturerbe ist, umfasst davon wiederum etwa die Hälfte. Mehr als 350 Vogelarten, 300 Fischarten, 40 Säugetier- und 50 Reptilienarten leben hier, darunter der vom Aussterben bedrohte Florida-Panther und das Spitzkrokodil. Im Gegensatz zur weitläufigen Auffassung sind die Everglades kein stillstehendes Sumpfsystem, sondern ein extrem langsam fließender Fluss. Dieser speist sich aus dem Wasser des Lake Okeechobee in der Nähe von Orlando und bewegt sich etwa mit einer Geschwindigkeit von einer Viertelmeile pro Tag über 100 Meilen Richtung Süden bis zur Florida Bay im Golf von Mexiko. Insgesamt bedeckt der Fluss aus Gras mehr als 600.000 Hektar. Über Jahrzehnte wurde Raubbau an dem Ökosystem betrieben, seit einigen Jahren nun wird mit großem Aufwand versucht, bereits verloren gegangene Abschnitte der Sumpflandschaft zu renaturieren. Dennoch bleibt das sensible System nach wie vor gefährdet.

FL Everglades

Die ursprüngliche Fläche der Everglades wurde über die Jahre durch verschiedenen Einflüsse immer weiter verringert. Ein wichtiger Faktor war die Notwendigkeit der Versorgung der rasant wachsenden Bevölkerung South Floridas mit Trinkwasser, ein anderer der Anbau von Zuckerrohr im Süden Floridas, dessen Düngung das Wasser mit Nitraten und Quecksilber verseuchte.  1947 schuf der amerikanische Congress eine Behörde, die für den Bau von mehr als 2000 Kilometer Kanälen und regulierten Wasserläufen verantwortlich zeichnete. Zusammen mit der beinahe zeitgleichen Umwandlung weiter Teile der Everglades zu Farm- und Bauland wurden so geschätzte 50% des Originalbestands der Everglades zerstört. Eigentlich sollte auch noch ein Großflughafen gebaut werden, doch an diesem Punkt begannen sich Menschen zu organisieren, um gegen die weitere Vernichtung der Sumpflandschaft zu protestieren  - allen voran die Autorin Marjory Stoneman Douglas - und zumindest diesem Projekt konnte Einhalt geboten werden. Dennoch wächst Florida und insbesondere South Florida weiter in rasantem Tempo und die bewohnten Gebiete rücken immer näher an die geschützten Zonen und begrenzen den Lebensraum der hier ansässigen Arten immer weiter. Seit den 1980er Jahren nachdem die UNESCO  wird mit kleinen Erfolgen versucht, die entstandene Zerstörung zu reparieren. 2008 kaufte der Bundesstaat Florida die US Sugar Corporation mit dem Ziel, das Unternehmen stillzulegen. Diese Firma sorgte mit ihrem großflächigen Anbau von Zuckerrohr, dem Abzweigen von Wasser und intensiver Düngung für nachhaltige Schädigung des Lebensraums. Ebenfalls seit 2008 wird der als Tamiami Trail bekannte Highway US Route 41 streckenweise auf Brücken verlagert, weil die ebenerdige Strasse den Weiterfluss des Wassers behindert. Die Everglades sind heute US-Nationalpark, Internationales Biosphären-Reservat, Weltnaturerbe und “Feuchtgebiet internationaler Bedeutung” nach der Definition der Ramsar-Konvention.

Die Everglades sind der Oberbegriff für mehrere ineinander übergehende Lebensräume. Die Meeresbucht Florida Bay, Zypressenwälder auf sumpfigem Grund und Haine niedrig wachsender Laubbäume gehören ebenso zu den Biotopen wie Mangrovenwälder. Die wichtigste Landschaftsform ist aber Marschland, das mit einer Grasart, dem so genannten sawgrass bestanden ist. Das Ökosystem besteht seit etwa 5000 Jahren. Das Wasser fließt auf einer Breite von knapp 100 Kilometern und mit einer Geschwindigkeit von etwa 0,8 Kilometern am Tag Richtung Süden und bestimmt damit den Lebenszyklus von Tieren und Pflanzen. 

Wohl seit bereits rund 15.000 Jahren leben Menschen in Florida. Die klimatischen Veränderungen wirkten sich auch auf die Landschaften aus und die hier lebenden Indianervölker brauchten einige Zeit, um sich darauf einzustellen. Die Kultur der Glades entstand, zu denen die Völker der Calusa und Tequesta gerechnet wurden. Beide Völker durchstreiften die Everglades und jagten in ihnen, lebten in der Regel aber außerhalb. Die Seminolen dagegen, die sich nach dem Niedergang der Glades-Kultur aus den nachgefolgten Creeks entwickelt hatten, errichteten zahlreiche kleine Dörfer innerhalb der Sumpflandschaft, insbesondere während der Indianerkriege zwischen 1817 und 1859. Dennoch verloren die Indianer diese Kriege; tausende wurden getötet, tausende andere nach Oklahoma deportiert. Nur etwa 300 der Indianer blieben in Florida. Deren Nachfahren und solche, die später hierher zurück kehrten, leben heute zumeist in einem der sechs Reservate im Bundesstaat und betreiben in den Everglades zahlreiche touristisch orientierte Geschäfte. Nach der Vertreibung der Indianer und dem Civil War setzte ein Run auf Land in Florida ein. Schon in den 1880er Jahren gab es die ersten Vorstöße zur Trockenlegung der Everglades und die Abschnitte, die man mittels Kanälen trockenlegte und bebaubar machte, verkauften sich schnell und zu guten Preisen. Eine zweite Welle folgte in den 1920ern.

Der Everglades National Park umfasst gut 6000 km², das entspricht etwa einem Viertel des originalen Gesamtumfangs der Landschaft. Zu den hier lebenden Tieren zählen unter anderem der Florida-Panther, das amerikanische Krokodil, das Karibik-Manati, 350 Arten von Vögeln und 300 Fischarten, Füchse, Gürteltiere und Luchse. Bei den Pflanzen bereiten die Arten Sorgen, die eigentlich nicht in der Region heimisch sind und so das biologische Gleichgewicht durcheinander bringen. Innerhalb der Grenzen des Nationalparks befindet sich mit der Marjory Stoneman Douglas Wilderness ein gesondertes Naturschutzgebiet, das etwa 86% des gesamten Nationalparkgeländes einnimmt. Für Besucher gelten in diesem Abschnitt besondere Bedingungen zur Nutzung, genaueres erfährt man in den Besucherzentren des Parks.

Von diesen Visitor Centers gibt es insgesamt vier. Eines befindet sich an der Golfküste im Nordwesten des Parks (815 Oyster Bar Lane, Everglades City), eines westlich von Miami (36000 SW 8th Street, Shark Valley), eines im Süden an der Florida Bay (in der Nähe des kleinen Orts Flamingo) und eines im Osten des Parks (40001 State Road 9336, Homestead). Von diesen aus starten mehrmals tägliche geführte Touren, zum Beispiel mit Kanus, mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Ebenso gibt es verschiedene Anbieter, bei denen man Boote leihen kann oder die Ausflugsfahrten mit kleinen Schiffen im Programm haben. Die berühmten Touren mit dem Airboat (Propellerboot) dürfen aber nur außerhalb des Nationalparks angeboten und durchgeführt werden. Bei den angebotenen Schiffstouren bekommt man recht gute Möglichkeiten zur Naturbeobachtung, noch viel intensiver wird das Erlebnis aber, wenn man sich mit Kajak oder Kanu auf einen der Wasserwege begibt, die den Park durchziehen und auf denen man oft auf langen Abschnitten ganz allein mit der Natur ist. Einige dieser Wasserwanderwege eignen sich für mehrtägige Trips; übernachten kann man dabei im Zelt, wofür außerhalb der Campingplätze allerdings ein Erlaubnisschein (permit) nötig ist, den man ebenfalls im Visitors Center erhält. Die längste angebotene Strecke ist dabei der Wilderness Waterway, eine 160 Kilometer lange Kanustrecke vom Besucherzentrum Flamingo bis zu dem in Everglades City. Der Schein wird auch benötigt, wenn man plant, sein Zelt auf einem der so genannten chickees aufzuschlagen - das sind erhöhte Plattformen über dem Wasser, die man mit dem Boot erreichen kann und die sich an vielen Stellen im Park befinden.

Generell ist der Park auf Grund seiner Beschaffenheit in erster Linie zur Erkundung per Boot geeignet, es gibt aber auch Möglichkeiten, wenn man an Land bleiben will. Einige Wander- und Radwege sind ausgewiesen, vor allem im östlichen Teil des Nationalparks. Ein Drittel des Parks aber ist mit Wasser bedeckt und das lockt auch viele Angler an. Das Fischen ist in Süß- und Salzwasser mit gültiger Florida-Lizenz in weiten Teilen erlaubt.

Welcher Aktivität man auch immer nachgehen möchte, es sollte nicht vergessen werden, dass es sich bei den Everglades um ein Wildnisgebiet handelt. In der sumpfigen Landschaft fühlen sich vor allem Insekten, darunter Moskitos und Stechfliegen sehr zu hause. Die hier lebenden Geier haben schon viele geparkte Autos beschädigt und natürlich ist vor allem mit den zahlreichen Alligatoren und Krokodilen nicht zu spaßen. Wegen diesen und wegen den Schildkröten und Wasserschlangen ist vom Baden dringend abzuraten.

 

 

 

 

Weitere Informationen auf den Webseiten des National Park Service


 

 

 

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