Florida

 

Florida Keys
 

FL Keys Palms

Die Florida Keys sind sozusagen die Schnittstelle von den USA zur Karibik. Über 180 Kilometer vor der Südspitze Floridas erstreckt sich eine Kette von mehr als 200 Koralleninseln, die eine Trennlinie zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Golf von Mexiko bilden. Die meisten Besucher entdecken diesen tropischen Teil Floridas mit einer Autofahrt über den so genannten Overseas Highway, der über die meisten der bewohnten Inseln der Keys bis hinunter nach Key West führt - von hier aus sind es nur noch 140 Kilometer bis Kuba. Doch unter der Traumstrasse liegt der eigentliche Schatz, denn das Fundament der Inselkette bildet das drittgrößte Korallenriff der Welt. Das Klima hier ist tropisch, die Florida Keys sind ganzjährig frostfrei, werden jedoch oft von schweren Stürmen (Zyklonen, Hurrikanen und tropischen Stürmen) bedroht, die schon wiederholt zu Evakuierungen aller Inseln und auch zu schweren Schäden durch Wind und Überschwemmungen geführt haben. Kein Punkt auf den Inseln liegt höher als sechs Meter über dem Meeresspiegel. Insgesamt leben rund 80.000 Menschen auf den Keys, die meisten davon in einigen wenigen Ortschaften. Mehr als 30% der Bewohner leben in der Hauptstadt des die gesamte Inselkette umfassenden Regierungsbezirks, Key West. Die unbewohnten Inseln der Dry Tortugas, die per Auto nicht erreichbar sind, liegen etwa 110 Kilometer westlich von Key West und bilden das eigentliche Ende der Florida Keys.

Wie ganz Florida waren auch die Keys vor der Ankunft der ersten weißen Siedler von Indianern bewohnt; hier waren es vor allem die Völker der Calusa und der Tequesta. Der spanische Entdecker Juan Ponce de Leon, unterwegs im Auftrag des spanischen Königs, kam 1513 erstmals nach Florida und verzeichnete auch die langgezogene Inselkette auf den von ihm erstellten Karten. Für lange Zeit blieben die Keys vom Rest Floridas abgeschnitten und waren nur per Boot erreichbar. Die Bewohner lebten vom Handel mit den Bahamas und Kuba sowie vom Ausplündern untergegangener Schiffe, von denen es früher reichlich vor den Inseln gab. Besonders Key West wurde in dieser Zeit reich und war zeitweise die größte Stadt Floridas. Dies war eines der Argumente für den Unternehmer Henry Flagler, der 1912 nach enormem finanziellen und technischen Aufwand seine Eisenbahnlinie vom Festland bis nach Key West eröffnete. 1935 zerstörte der Labor Day Hurricane, einer der stärksten Hurrikane, von denen die USA je getroffen wurden, weite Teile der Bahntrasse. Schon zuvor war der Bau einer parallel laufenden Straßenverbindung begonnen worden und nach dem Unglück wurde entschieden, die Bahnlinie nicht wieder herzustellen. Der Overseas Highway, der viele der ursprünglichen Bahnbrücken verwendete, wurde 1938 eröffnet.

1982 stand diese Straßenverbindung im Mittelpunkt des wohl bekanntesten und interessantesten Ereignisses in der Geschichte der Florida Keys. Die Inselkette war über die Jahre zur bevorzugten Route von Drogenschmugglern geworden, die hier nur höchst selten Kontrollen fürchten mussten. Die Grenzschutzbehörde erkannte diesen Umstand und errichtete eine feste Straßensperre am Highway 1. Die Inselbewohner protestierten, weil sie durch die langen Wartezeiten mit Nachteilen für den Tourismus rechneten, schon damals der wichtigste Wirtschaftszweig der Keys. Als die Regierung auf die Proteste nicht reagierte, erklärte sich Key West am 23. April 1982 für unabhängig, rief die Conch Republic aus, erklärte den USA den Krieg und erklärte eine Minute später die Kapitulation und bewarb sich für eine Milliarde Dollar Entwicklungshilfe. Die schelmische Protestaktion zeigte Wirkung; die Kontrollposten wurden abgebaut und fortan erwies sich die Conch Republic als äußerst wertvolles Marketinginstrument im Tourismusgeschäft.

Eine Erkundung der Florida Keys erfolgt in den meisten Fällen über den Highway 1. Wer die Straße befährt, lernt schnell, dass die Adressangaben auf den Keys sich an den Mile Markern (MM) orientieren, also den Meilensteinen entlang der Strecke, wobei von Key West an aufwärts gezählt wird. Die Straße führt über schmale Inseln und etwas breitere Inseln, vorbei an Buchten, Palmen, kleinen Orten und Yachthäfen und dazwischen immer wieder direkt über das Meer, teilweise über beeindruckende Brückenkonstruktionen. Doch auch dieses Paradies ist nicht ungefährdet: Korallenriffe schützen die Keys (von spanisch cayos = Inseln) vor der Brandung des Meeres, aber Taucher, Schiffsanker und die Verschmutzung des Wassers bedrohen das komplizierte Ökosystem der Korallen. Als die Verantwortlichen das Problem erkannten, war es schon fast zu spät, zu oft hatten sich zum Beispiel rücksichtslose Souvenirjäger Erinnerungsstücke aus den Korallenriffen heraus gebrochen. Inzwischen jedoch ist die gesamte Unterwasserwelt der Keys unter Naturschutz gestellt und das natürliche Gleichgewicht wird langsam wieder hergestellt.

Die nördlichste und damit, aus Richtung Miami kommend die erste Insel der Kette ist Elliott Key, die aber nur per Boot erreichbar ist und innerhalb der Grenzen des Biscayne Nationalparks liegt. Das noch weiter nördlich liegende Key Biscayne zählt nicht zu den Florida Keys, da diese Insel nicht auf Korallen-, sondern auf Sandbasis entstand. Südlich von Elliott Key folgende einige weitere, kleinere und unbewohnte Inseln, bevor mit der 53 Kilometer langen Insel Key Largo die größte aller Inseln der Kette folgt.

 

Upper Keys
Key Largo bezeichnet sich selbst als “Welthauptstadt der Taucher”, weil hierher Tausende von Touristen kommen, um die gut erreichbaren Korallenriffe zu erkunden. Man erreicht Key Largo man entweder auf geradem Weg über die US1 erreicht oder über den - empfehlenswerten - kleinen Schlenker über die Card Sound Bridge (Gebühr 1 $ für PKW), deren Zufahrtswege mitten durch die südlichen Ausläufer der Everglades führen.Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist wohl der John Pennekamp Coral Reef State Park. Dieser 1963 gegründete und von jährlich etwa einer Million Gästen besuchte State Park war der erste Unterwasserpark in den USA, denn er wurde zum Schutz der Korallenriffe und der hier lebenden Wassertiere angelegt. Um die Unterwasserwelt zu erkunden, kann man schnorcheln, tauchen oder an einer der angebotenen Fahrten mit Glasbodenbooten teilnehmen. Im Visitor Center des State Parks (geöffnet täglich 8-17 Uhr) gibt es zu diesen Angeboten weitere Informationen, ebenso zum Campingplatz innerhalb des Parks. In einem großen Meerwasseraquarium im Besucherzentrum erhält man einen ersten Einblick in die Artenvielfalt unter Wasser.

Danach folgt Plantation Key und damit die Stadt Islamorada, die etwa 6400 Einwohner zählt und deren Stadtgebiet die auf Key Largo in südlicher Richtung folgenden fünf Inseln umfasst. Ein Denkmal direkt am Highway 1 erinnert an die mehr als 400 Toten, die der Labor Day Hurricane von 1935 hier gefordert hat. Der Overseas Highway führt auf dem Plantation Key über eine Zugbrücke, die bei Durchfahrt eines großen Schiffs hochgezogen wird und den Autoverkehr somit für viele Minuten komplett zum Erliegen bringen kann. Auf der nächsten Insel, Windley Key, befindet sich das Theater of the Sea (84721 Overseas Highway, geöffnet täglich 9:30-17 Uhr), ein Tierpark für Meeressäuger, in dem man unter anderem mit Delfinen und Seelöwen schwimmen kann. Die seit 1946 bestehende Einrichtung verfügt über eine eigene Meerwasserlagune. Lower Matecumbe Key ein paar Meilen weiter südlich war ehemals ein Ort, an dem es Frischwasserquellen gab, diese wurden jedoch beim Bau der Eisenbahn ebenso zerstört wie die indianischen Hügelgräber. Abseits des Overseas Highway liegt außerdem Indian Key, die seit den 1880er Jahren unbewohnt ist. Die Insel ist heute als “State Historic Site” organisiert.

 

Middle Keys
Je weiter man auf dem Highway 1 nach Süden vordringt, desto kleiner werden die Inseln der Keys. Craig Key ist der erste des Mittelabschnitts der Inselkette, der folgende Fiesta Key ist Standort eines Campingplatzes. Auf Long Key, das ursprünglich einmal “Rattlesnake Key” hieß, befindet sich ein weiterer State Park (MM 67,5; geöffnet täglich ab 8 Uhr), in dem es Lagunen, einen Aussichtsturm, Picknickplätze und Wanderwege gibt, ebenso wie Möglichkeiten zum Schwimmen, Schnorcheln, Fischen und Kanufahren. Drei Inseln weiter überquert man auf dem Overseas Highway dann die Zufahrt zu Duck Key, auf dem es früher Salinen zur Gewinnung von Salz aus dem Meerwasser gab. Zwischen den Häusern der gut 400 Einwohner verlaufen künstliche Wasserwege.

Mit der nächsten Insel, Grassy Key, beginnt das Stadtgebiet der Stadt Marathon. Diese 10.600 Einwohner zählende Stadt erstreckt sich über insgesamt 13 Inseln und ist ebenfalls eine beliebte Destination für Sportfischer und Taucher sowie Standort eines kleinen Flughafens. Auf Grassy Key befindet sich das Dolphin Research Center (MM 59, geöffnet täglich 9-16:30 Uhr), ein Delfinarium, das verschiedene Programme zur Interaktion mit Seelöwen und Delfinen anbietet und sich für den Schutz der Meerestiere einsetzt. Ein paar Meilen weiter, wenn der Highway über Fat Deer Key führt, passiert man die Abzweigung zu Key Colony Beach, einem in den 1950er Jahre entwickelten Ort mit 850 Einwohnern. Vom folgenden Key Vaca aus führt eine Brücke zum nicht direkt am Highway liegenden Boot Key, von wo aus seit 1985 ein von der US-Regierung finanziertes Radioprogramm nach Kuba gesendet wird. Knight’s Key, wo früher der Endpunkt des Overseas Highways lag, ist heute die Insel, von der aus die Fahrt über die Seven Mile Bridge beginnt, ein Highlight der gesamten Strecke. Die knapp elf Kilometer lange Brücke wurde in ihrer heute benutzten Version im Jahr 1982 eröffnet und diente bereits in einigen Kinofilmen als Kulisse.

 

Lower Keys
Die langgezogene Brücke zwischen den Middle und Lower Keys gibt einen Hinweis darauf, dass man es in der Folge mit größer werdenden Abständen zwischen den Inseln zu tun hat. Mile Marker 45 steht auf Pigeon Key, das während des Baus der Eisenbahn 1908 bis 1912 Standort mehrerer Wohnbaracken für die Arbeiter war und zeitweise bis zu 400 Arbeiter beherbergte. Mehrere dieser Gebäude stehen unter Denkmalschutz und wurden zum Pigeon Key Historic District zusammengefasst, zu dem auch ein kleines Museum gehört. Fünf Meilen weiter, auf Ohio Key, befindet sich ein kleines Naturschutzgebiet, die Ohio Key National Wildlife Refuge, sowie ein Campingplatz. Das dann folgende Bahia Honda Key ist beinahe komplett als Bahia Honda State Park organisiert. Der 1961 eingerichtete State Park verfügt über einen 4 Kilometer langen, weißen Sandstrand und einen knapp sechs Kilometer langen Rundweg, auf dem zu Fuß, auf Inlineskates oder mit dem Fahrrad die Umgebung erkundet werden kann. In der hier heimischen Pflanzenwelt finden sich einige seltene und geschützte Spezies und wer schnorcheln geht, hat gute Chancen, Barrakudas und Rochen zu begegnen. Es gibt einige wenige Unterkunftsmöglichkeiten und die Möglichkeit, Kanus und Fahrräder auszuleihen. 

Der nach einigen weiteren Meilen folgende Scout Key dürfte vielen amerikanischen Pfadfindern ein Begriff sein (wenn auch oft unter dem alten Namen West Summerland Key), denn hier befinden sich Pfadfinderlager sowohl für die Girl Scouts wie auch für die Boy Scouts. Bevor anschließend Big Pine Key erreicht wird, passiert man den No Name Key, der über eine Brücke erreichbar ist und wo es etwa 45 Häuser, aber keinen Anschluss ans Stromnetz gibt, so dass die wenigen Bewohner sich über Solarenergie selbst versorgen. No Name Key ist eine der wenigen Inseln, auf denen die Key Deer leben, eine vom Aussterben bedrohte, nur auf den Florida Keys vorkommende Hirschgattung. Die recht kleingewachsenen Tiere sind leider häufig in Autounfälle verwickelt, weil sie nur eine geringe Scheu vor Menschen haben und gerne auch die Gärten der Inselbewohner zur Nahrungssuche aufsuchen. Die Key Deer sind übrigens gute Schwimmer und bewegen sich im Wasser zwischen den Inseln. Man schätzt den Bestand auf derzeit etwa 800 Tiere.

Viele der Hirsche haben ihr Zuhause auch auf Big Pine Key, wo außerdem auch rund 5000 Menschen leben. In der National Key Deer Refuge (Visitor Center: 28950 Watson Boulevard) kann man viel über die Tiere erfahren, es werden unter anderem geführte Wanderungen angeboten. Eine weitere gute Möglichkeit, Tiere zu beobachten, bietet der Frischwassertümpel Blue Hole in einer stillgelegten Tagebaumine. Hierher kommen unter anderem Schlangen, Alligatoren und Leguane zum Trinken. Nach Big Pine folgen die Torch Keys (Little, Middle und Big Torch Key) und wenig später Summerland Key, das ziemlich genau in der Mitte zwischen Marathon und Key West liegt. Danach folgt schon bald Sugarloaf Key, auf dem sich die Great White Heron National Wildlife Refuge befindet (Visitor Center: 179 Key Deer Boulevard), in der nicht nur die namensgebenden Reiher vorkommen, sondern auch zahlreiche andere Vogelarten und Meeresschildkröten. Außerdem gibt es eine weitere, eher ungewöhnliche Sehenswürdigkeit auf der Insel: Ein 1929 errichteter Turm aus Holz, in dem Fledermäuse angesiedelt werden sollten, die wiederum die zahlreichen Moskitos fressen sollten. Als die Fledermäuse in den Turm gebracht wurden, flogen sie allerdings davon und kamen nie wieder. Der Bat Tower steht unter Denkmalschutz. Die nächste nennenswerte Ansiedlung findet sich dann wieder auf Big Coppitt Key, wo 2600 Menschen leben. Die Gebäude des gleichnamigen Orts wurden beim Hurrikan Wilma 2005 fast alle schwer beschädigt. Der Overseas Highway nähert sich nun langsam seinem Ende. Ein Zeichen dafür, dass man Lateinamerika und Kuba immer näher kommt, ist die Marinefliegerbasis auf Boca Chica Key; weitere Teile derselben Einrichtung befinden sich in Key West. Die Insel Key West, auf der die gleichnamige Stadt liegt, bildet gemeinsam mit einigen umliegenden Inseln dann das Ende der Straßenverbindung und den südlichsten Punkt der Landmasse der USA.


 

 

 

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