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Dust Bowl

Dust Bowl

Sweet smell of a great sorrow lies over the land...

Der süße Geruch einer großen Sorge liegt über dem Land, so lautet eine Zeile in John Steinbecks Meisterwerk Die Früchte des Zorns von 1939, der sich mit der Flucht der Menschen aus den Great Plains beschäftigt. Im Roman fliehen sie vor der Trockenheit und den über das Land ziehenden Staubstürmen, in der Realität sah das ähnlich aus. Die größte Migrationsbewegung der amerikanischen Geschichte ließ 2,5 Millionen Menschen ihre Heimat in den Great Plains verlassen und ihr Glück anderswo suchen, wo sie allerdings nur höchst selten mit offenen Armen empfangen wurden.

Zur Vorgeschichte des Dust Bowl gehört die in den USA als Great Depression bezeichnete Weltwirtschaftskrise nach dem Schwarzen Dienstag von 1929. Der ökonomische Niedergang war bald auch in den Great Plains angekommen, wo plötzlich viele Farmer Schwierigkeiten hatten, ihre Familien mit dem, was der Boden hergab zu ernähren. Viele Familien waren noch nicht lange in dem Gebiet mit den endlosen Feldern und dem trockenen Klima; noch Ende des 19. Jahrhunderts war die Region als Great American Desert bezeichnet worden. Viele der ersten Siedler jedoch vertrauten dem Spruch the rain follows the plow - der Regen folgt dem Pflug und tatsächlich setzte um die Jahrhundertwende eine Phase überdurchschnittlich feuchten Klimas ein, das alle Sorgen vertrieb und die Great Plains zu einem fruchtbaren Gebiet, zur Kornkammer der USA machten. 

Zugleich entwickelten sich die technischen Möglichkeiten der Landwirtschaft in der Form, dass Farmer wesentlich mehr Land als zuvor bewirtschaften konnten. Die Anbauflächen in den Great Plains wurden größer und größer, doch die fortwährende, monokulturelle Bebauung setzte dem Boden zu, der bald ausgelaugt war und erodierte. 1930 dann fand das feuchte Wetter ein Ende und eine Periode extremer Dürre setzte ein. Die Bepflanzung auf den Feldern scheiterte und ohne den Schutz der Pflanzen konnten die starken Winde über den Great Plains den erodierten Boden aufgreifen und mit sich tragen. Riesige Staubwolken entstanden, die sich zu Stürmen zusammenfügten und teilweise bis an die Ostküste der USA mit sich trugen.

Am schlimmsten jedoch waren die Auswirkungen in den Great Plains selbst, wo teilweise über Tage massive Staubwolken den Himmel verdunkelten. Über Jahre konnten die Winde den schutzlosen Boden mit sich tragen und häufig wurden die Versuche der Farmer, nach einem Staubsturm wieder neu zu beginnen, vom nächsten Sturm zunichte gemacht. Im November 1934 zog eine Serie kräftiger Winde über die Felder South Dakotas, im Mai 1934 trug ein zwei Tage anhaltender Sturm bis nach New England, wo der Schnee im nächsten Winter eine rote Farbe annehmen sollte. Im April 1935, am Black Sunday, verdunkelten die Wolken den Himmel so sehr, dass man am Tag nicht weiter als wenige Meter sehen konnte.

Die Folgen für die Menschen in den Great Plains waren verheerend. Die einst fruchtbaren Böden waren nutzlos, selbst für die eigene Familie konnte vielerorts nicht mehr genug angebaut werden. Tatsächlich verhungerten einige Menschen, anderen waren so geschwächt, dass die Stürme ihnen Lungenentzündungen verursachten, die sie nicht überlebten. Geschäftemacher aus dem Westen, die billige Arbeitskräfte zum Pflücken des kalifornischen Obsts brauchten, nutzten diese Chance und lockten die verzweifelten Bewohner der Prärie mit Versprechungen vom Leben am Pazifik, denen unzählige folgten. Tausende Menschen packten ihre geringen Habseligkeiten und ließen die Great Plains zurück, mussten jedoch schnell einsehen, dass sich ihre Lebensbedingungen in vielen Fällen nicht verbesserten. In California, das die meisten der Migranten aufnahm, wurden sie Okies  genannt, eine verächtliche Bezeichnung für die oftmals in ärmlichsten Verhältnissen lebenden und mit einer Portion Naivität ausgestatteten Verlierer der wirtschaftlichen Entwicklung. 

Der seit 1933 amtierende US-Präsident Franklin D. Roosevelt widmete einen großen Teil seiner Arbeit der Hilfe für die vom Dust Bowl betroffenen Menschen, unter anderem wurde in dieser Zeit auch der berühmte New Deal geboren, der eine Reform der Kräfte der Wirtschaft vorsah. Der Dust Bowl wurde Thema vieler künstlerischer Werke, neben John Steinbecks Erzählungen sind hier vor allem die Songs von Woody Guthrie zu nennen. Die Great Plains erholten sich von der Naturkatastrophe nie komplett, der Exodus in den 30er Jahren war die Basis für eine bis heute andauernde Entvölkerung der Region.

 

 

Links:
Dust Bowl Photogalerie
Woody Guthries Dust Bowl Ballads


 

 

 

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