LosAngeles

 

Ein Reise- und Erlebnisbericht

Irgendwo zwischen Wahnsinn und Staunen - eine Orientierung in Los Angeles

Los Angeles gehört zu den Städten, von denen man zumindest eine ungefähre Vorstellung hat auch wenn man noch nie da war. Verantwortlich dafür sind Fernsehen und Kino. Fast alles, was aus amerikanischer Produktion über Mattscheiben und Bildschirme flimmert, ist zumindest zum Teil in Los Angeles gefilmt, bearbeitet oder nachbearbeitet worden. Die Definition der Stadt ist damit aber noch nicht abgeschlossen, denn Los Angeles ist mehr, sogar weit mehr als Hollywood.

Beverly Hills, Bel Air, Santa Monica und Venice sind weitere Stadtteile und damit hat man gerade einmal, grob geschätzt, ein Achtel der Fläche dieser Riesenstadt erwähnt. L.A. erstreckt sich über eine schier unglaubliche Fläche. Wir fuhren auf unserem Weg nach Las Vegas von Marina del Rey im äußersten Westen des Stadtgebietes ausgehend auf dem Interstate 10 in Richtung Osten durch die Stadt und hatten sie, bei einem Tempo von etwa 100 km/h, auch nach einer Stunde noch nicht verlassen.

Los Angeles ist ein Moloch, ein Chaos, eine riesige Krake, die sich in alle Richtungen ausstreckt und immer weiter reicht, hinein in die Hügel von und hinter Hollywood und darüber hinaus, über die ehemals ruhigen Landzüge im Landesinneren und immer weiter an der Pazifikküste entlang. Dabei liegt ein Großteil der Stadt in einem natürlichen Kessel, der dafür sorgt, dass kaum ein Tag vergeht, an dem die Stadt nicht von oben durch eine Dunstglocke beschränkt zu sein scheint. Wenigstens nach oben hin scheint der Auswucherung dieser Stadt also Einhalt geboten zu werden; unten auf dem Boden geht es immer weiter, ganz egal, an welchem Fleck im Stadtgebiet man sich aufhält. Ruhig ist es eigentlich nirgends, am wenigsten auf der Straße. Auf sechs, manchmal sieben Spuren in eine Richtung donnert der Verkehr durch die Stadt, zu jeder Tageszeit und in jeder Nachtstunde. Ein bekannter Spruch fragt danach, was der Hauptgrund für die Menschen von Los Angeles sei, Kinder zu bekommen. Die Antwort lautet: Carpooling. Mit diesem Begriff taufte die Stadt eine zusätzliche, die siebte oder achte Spur, auf ihren Stadtautobahnen, die man nur benutzen darf, wenn mindestens zwei Personen im Wagen sitzen.

Obwohl dieses Durcheinander anmutet wie der Inbegriff einer städtischen Ballungszone, tut man dem Gebilde mit dem Begriff „Stadt“ eigentlich Unrecht. Das, was der Besucher vorfindet, wenn auf dem Flughafen LAX ankommt, ist tatsächlich die „Greater Los Angeles Area“, sozusagen ein Konglomerat aus einzelnen Orten und Städten, die sich nach innen hin eine gewisse Eigenständigkeit bewahrt haben, nach außen hin aber zu einer Einheit verschmelzen, schon weil ihre Grenzen zum größten Teil nur mit dem Finger auf der Landkarte zu erspüren sind. Wichtiger sind da schon die verschiedenen, zum größten Teil ethnisch geprägten Viertel wie Koreantown oder Little Armenia, deren Farbigkeit den amerikanischen Schmelztiegel heraufzubeschwören scheint. Dieses Bild vom Miteinander der Kulturen und Nebeneinander von Arm und Reich verschwimmt aber spätestens, wenn man das Auto die engen, gewundenen Straßen von Bel Air hochtreibt.

Hierhin, in die Hollywood Hills, haben sich all jene zurückgezogen, in deren Terminkalendern Emmy-, Grammy- und Oscarverleihungen stehen; und ihre Anwälte, Manager und plastischen Chirurgen gleich dazu. Schon wer einfach nur so, ohne Hinweise und Karten, durch das prächtige Tor am Eingang zu diesem Nobeldomizil vordringt und der Nase nach durch die engen Straßen fährt, der ist beeindruckt von den riesigen Wohnhäusern, den teuren Autos in den Einfahrten und denn perfekt gestalteten Gärten, alles geschützt durch patrouillierende Wachmänner und die wahrscheinlich höchste Dichte an Videokameras weltweit. Wer sich aber auf eine der „Home of the Stars“- Touren einlässt, die am Sunset Boulevard angeboten werden, der bekommt nicht nur gezeigt, wo Britney Spears und wo George Clooney wohnen, sondern der erfährt zum Beispiel auch, dass es da oben eine Schule für die Kinder der Superreichen gibt, in der Fünf-Sterne-Köche für die Kleinen werkeln oder dass Produzent Aaron Spelling auf seinem Grundstück neben einem eigenen 18-Loch- Golfplatz auch ein Parkhaus mit 3000 Stellplätzen errichten ließ.

Wer wie Steven Spielberg das nötige Kleingeld hat, um sich ein Haus ganz oben auf einem der Hügel bauen zu lassen, der kann sogar trotz des täglichen Smogs bis nach Hollywood sehen. Kommt man allerdings etwas genauer hin, so erkennt man schnell, dass der Glamour und die große Filmgeschichte dem Geschäft mit den Touristen gewichen sind. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um den Geist des Zelluloids spüren zu können und selbst dann sieht man am besten nach unten. Dort, auf dem Boden, findet man ganz bekannte Sehenswürdigkeiten. Entlang des Sunset Boulevard sind die Sterne der Stars in den Bürgersteig eingelassen und ergeben den „Walk of Fame“. Die Stars müssen persönlich erscheinen, wenn ein neuer Stern eingeweiht wird und Freiwillige kümmern sich anschließend um die Pflege dieses Andenkens. Noch persönlicher ist die Bodengalerie vor dem Mann’s Chinese Theater, wo eine Auswahl von Persönlichkeiten wie etwa Tom Hanks oder Robert Redford ihre Hand- und Fußabdrücke im Beton hinterlassen haben. Wer den Blick hebt, findet hier auch die Promoter, die immer Publikum für die Aufzeichnungen von Fernsehshows, Sitcoms oder für die Testvorführungen von Kinofilmen suchen.

Wer sich auf diese Angebote einlässt, erlebt einen Teil dessen, was Hollywood so bekannt gemacht hat, allerdings in wenig pompösem Rahmen. Wir hatten uns schon von Deutschland aus für die Aufzeichnung einer Folge der Sitcom „King of Queens“ angemeldet. Die Teilnahme ist kostenlos und zusammen mit dem Ausdruck der Anmeldebestätigung erhält man eine Anfahrtsskizze und den Hinweis, nicht zu spät zu kommen, da immer mehr Plätze vergeben werden als tatsächlich vorhanden sind. Die Aufzeichnung fand im Stadtteil Culver City statt, einem eher unauffälligen, aber aufgeräumten und freundlichen Abschnitt der Millionenstadt, in dem mit den Sony Studios einige der vielen, lagerhallenähnlichen Gebäude stehen, aus denen Amerika und der Rest der Welt mit Serien, Shows und Filmen versorgt werden. Während man den Schauspielern bei den Dreharbeiten und den Vorbereitungen zusieht, sorgt ein Animateur dafür, dass im etwa hundertköpfigen Publikum eine gelöste, heitere Stimmung entsteht, die auch bei der dritten oder vierten Wiederholung einer Szene noch Lacher ergibt, die dann aufgezeichnet und als Hintergrund unter die fertigen Szenen gelegt werden. Einer solchen Aufzeichnung beizuwohnen, ist ein besonderes Erlebnis, das man mitnehmen sollte, wenn man in Los Angeles ist. Zwar hat diese Produktionsarbeit wenig mit roten Teppichen und Weltstars gemein, wirkt eher wie eine Aufgabe, die im Routinemodus erledigt werden muss, doch man gewinnt so einen tiefen Blick hinter die Kulissen, hat vielleicht, wie in unserem Fall, sogar die Gelegenheit mit den Hauptdarstellern kurz zu plaudern und ein Autogramm zu ergattern und kommt allgemein dem Fernseh- und Filmbusiness von Los Angeles näher als das jede Studiotour und jedes Filmmuseum zu leisten in der Lage ist.

Solche gibt es natürlich vielfach und sie bemühen sich redlich, dem Ruf der Stadt zu entsprechen und ihre Besucher in das Hollywood zu bringen, das diese gesucht haben. Doch trotz aller interessanter Erklärungen, vertrauter Exponate und faszinierender Einblicke bleibt der Eindruck des passiven Bestaunens zurück, nicht der des Dabeigewesen- Seins. Museen, ob sie sich nun „Entertainment“- oder „TV and Movie“- Museum nennen und wie sie gerade am und um den Sunset Boulevard herum zuhauf zu finden sind, geben sich durchaus bemüht, sind aber klar für Touristen konzipiert und bleiben vom tatsächlichen Filmgeschehen entfernt. Näher kommen kann man diesem, wenn man das Glück hat, zum Zeitpunkt der Oscar-Verleihung in der Stadt zu sein oder dann, wenn einer der zahllosen Empfänge, Bälle oder Premierenfeiern stattfinden. Als Zaungast am roten Teppich darf man dann aus nächster Nähe bestaunen, welche Kreationen die Leinwandstars am Leib tragen und welche Begleiter sie sich mitgebracht haben. Der Schauplatz der Oscar-Verleihung, das Kodak Theatre, liegt ebenso am Sunset Boulevard wie zahlreiche Premierenkinos, in denen die Kassenschlager uraufgeführt werden, Informationen über anstehende Veranstaltungen finden sich auf vielen Websites im Internet.

Die Dichte bekannter Persönlichkeiten ist in Los Angeles so hoch wie nirgends sonst auf der Welt und wer Glück hat, sitzt vielleicht bei einer Tasse Kaffee neben Jennifer Lopez oder beim Frühstück neben Denzel Washington. Wer anfangs noch jedem teuren Sportwagen und jeder Stretchlimousine hinterher schaut, gewöhnt sich schnell an den alltäglichen Anblick von zur Schau gestelltem Reichtum, doch richtig intensiv wird diese Darstellung erst auf den Shoppingmeilen von Beverly Hills. Der Rodeo Drive und die umliegenden Straßenzüge sind so zwar kaum zum Einkaufsbummel für den mit einem normalen Geldbeutel ausgestatteten Touristen zu empfehlen, zum Verweilen und zu neugierigen Blicken laden sie aber sehr ein. War es hier und in den Bergen von Bel Air schon ein hübsches, elegantes Bild, das Los Angeles bot, so wurde es richtig schön, als wir mit dem Auto auf der Pacific Avenue und des Pacific Coast Highways immer entlang des Meeres fuhren.

Die Szenerie könnte kaum einladender sein. An den Stränden von Venice und Santa Monica ist im Sommer richtige Entspannung möglich und auch im Herbst und Winter sind die Temperaturen so angenehm, dass man schöne Spaziergänge am Meer unternehmen kann. Im Rücken hat man dann den Inbegriff des urbanen Lebens, die Riesenstadt mit allen Möglichkeiten, Ecken und Nischen für jeden gewünschten Lebensstil. Die Lage am Meer macht L.A. einzigartig, diese verleiht dem Gigantischen der Stadt die nette Seite, macht aus der Metropole einen Ort, an dem man echten Urlaub machen kann; zumindest, wenn man was erleben will. Wer Zeit hat, folgt der Straße in Richtung San Francisco nach Norden und entdeckt einige Meilen hinter Malibu wirklich beeindruckende Fels- und Wasserkompositionen, die man vom Auto aus direkt entdecken und genießen kann. In die andere Richtung fahrend, gelangt man nach San Diego und damit, kurz vor Mexiko, in eine ganz andere Atmosphäre mit mittel- bis südamerikanischem Einschlag.

Diese findet man stellenweise allerdings auch in Los Angeles, wie so vieles andere. Es gibt wohl wenig oder nichts, was L.A. nicht zu bieten hätte, abgesehen von einer echten Innenstadt vielleicht. Downtown ist, wie allerdings in den meisten anderen amerikanischen Städten auch, eine gesichtslose Burg aus Glas und Beton, die zwar imposant anzuschauen ist, aber wenig zu bieten hat. Sehenswert sind aber so viele andere Flecken in dieser Stadt, deren Vielseitigkeit teilweise begeistern kann. Griffith Park, wo das gleichnamige und empfehlenswerte Observatorium und ein großes Amphitheater für Freiluftveranstaltungen zu finden sind, bietet ein tolles Naherholungsgebiet mit genügend Platz für Jogger, Radfahrer und Spaziergänger und liegt dabei nur ein paar Minuten vom Sunset Boulevard entfernt. Auf der anderen Seite des Stadtgebiets liegt Anaheim mit seinen Unterhaltungsmöglichkeiten, von denen Disneyland nur ein Beispiel ist. Studio City, Universal City und Burbank sind Zentren der Entertainmentindustrie, mit Hunderten von Studios und Filmateliers und sie liegen direkt hinter der Kette der landschaftlich sehenswerten Hollywood Hills. Long Beach und Newport Beach im Westen der Stadt bieten Strand und das dazugehörige Flair, während Pasadena im Nordosten eine wirklich nette Wohnstadt mit teilweise sogar ruhigen Straßen darstellt.

Los Angeles als nur eine Stadt zu bewerten und in Vergleich mit anderen zu stellen, ist gegenüber anderer amerikanischer Metropolen fast nicht gerecht, denn L.A. ist eigentlich keine Stadt, sondern ein nicht enden wollendes Ballungszentrum, ein Gebilde aus Stadtteilen und Orten, Straßen und Landschaften. So entsteht aber auch ein Gebiet, in dem man eine Menge entdecken und erleben kann und aus dem man zugleich mit nur ein paar Minuten Fahrt entkommen kann. Die Stadt der Engel ist keine bezaubernde Stadt und sie ist auch nicht das glitzernde Zentrum, wie es New York sein kann. Sie ist aber, wenn das auch nicht auf Schritt und Tritt spürbar ist, das Mekka der großen Stars und ihrer Anhänger und vor allem eine riesenhafte Ansammlung von allem, was man in Amerika erleben möchte.


 

 

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