LosAngeles

 

Geschichte

Los Angeles 1928

Dass Los Angeles eine ebenso rasante wie vielseitige Geschichte hinter sich hat, lässt sich schon allein an diesen Zahlen ablesen: Im Jahr 1900 lebten etwas mehr als 100.000 Menschen in der Stadt. Genau hundert Jahre später waren es knapp 3,7 Millionen. Dazwischen liegt ein Jahrhundert, in dem L.A. tatsächlich Geschichte gemacht hat, mit guten und mit weniger guten Schlagzeilen. Denn neben aller Vielfalt, die nicht nur die Stadt geprägt hat, sondern die in mancher Hinsicht auch von ihr in die Welt getragen wurde, kamen aus der Stadt der Engel auch Berichte über Gewalt und tiefe Gräben zwischen den Rassen, die das Bild von Los Angeles ebenfalls mit beeinflusst haben.

Schon 1542 war der erste Europäer in dem Gebiet aufgetaucht, in dem sich später die Megastadt Los Angeles entwickeln sollte. Der Portugiese Juan Rodriguez Cabrillo segelte auf der Suche nach einem Seeweg nach Asien entlang der kalifornischen Küste und ging an mehreren Stellen an Land, so auch hier. Noch aber interessierten sich die Europäer nicht für dieses Land, in dem damals einige Hunderttausend Ureinwohner lebten. Es sollte bis zum Jahr 1769 dauern, bevor man versuchte, hier ernsthaft Fuss zu fassen. In diesem Jahr reiste eine Expedition aus Vertretern der spanischen Krone und der Kirche von Monterey in Richtung San Diego, wo jeweils Missionsstationen errichtet werden sollten und entdeckten das fruchtbare Land der Region um Los Angeles.

1777 wurde Felipe de Neve zum Gouverneur der spanischen Kolonie Las Californias ernannt. Er liess an verschiedenen Stellen Ortschaften errichten, unter anderem in Los Angeles. Im Jahr 1781 liessen sich die ersten 44 Siedler hier nieder, die später als Los Angeles Pobladores bezeichnet wurden. Die Gruppe war rassisch gemischt und bestand aus zwei Weissen, 26 Schwarzen und 16 indianischer Herkunft. Die Gemeinschaft erwies sich als erfolgreich und vergrösserte sich. 1821 konnte Los Angeles sich selbst von den jeder Familie zugeteilten Land versorgen. In diesem Jahr erlangte Mexico Unabhängigkeit von Spanien und mit der dadurch einkehrenden Demokratie stieg die Attraktivität der Siedlungen. Am Ende der mexikanischen Herrschaft 1848 war die Einwohnerzahl auf über 1700 Menschen gestiegen.  Zwischenzeitlich war das Dorf vom mexikanischen Kongress in den Stand einer Stadt erhoben worden und hatte neben dem Zuzug aus der Umgebung auch die Ankunft von Einwanderern aus Europa erlebt. Los Angeles war zum Sitz des mexikanischen Gouverneurs für die Region Alta California geworden, doch dieser floh bei Ausbruch des Krieges mit den USA nach Mexico. 1848 fiel Kalifornien an die USA, 1850 wurde Los Angeles auch unter US-Recht zur Stadt.

Kurz nach Kriegsende wurde in California Gold gefunden und Tausende Goldsucher aus dem ganzen Land kamen in den Westen. Los Angeles wurde einerseits zum Versorgungszentrum für Lebensmittel in die Goldfundgebiete weiter nördlich, andererseits litt es unter der Abwesenheit einer funktionierenden Verwaltung und Gesetzeslage, so dass weitgehend Gesetzlosigkeit herrschte. Ehemalige, weisse Soldaten aus dem Osten des Landes, die nach dem Krieg in der Region geblieben waren, ernannten sich selbst zu Gesetzeshütern, waren jedoch selbst alles andere als respektable Personen. Vor allem mexikanisch-stämmige Einwohner wehrten sich gegen diese Art von öffentlicher Reglementierung. Es kam bald zur Bildung mexikanischer Banden, viele Morde und Lynchmorde passierten in diesen Jahren. Zwischen den Rassen war es zum Bruch gekommen, die Ureinwohner waren zum grössten Teil, als Menschen zweiter Klasse betrachtet, aus der Stadt vertrieben worden und wurden vielfach zum Opfer von Gewalt.

Den nächsten entscheidenden Einschnitt in die Entwicklung der Stadt brachte die Eisenbahn. 1876 wurde die Verbindung nach San Francisco fertig gestellt, 1885 erfolgte der Anschluss an die transkontinentale Linie von der Ost- an die Westküste. Dieser Anschluss an die Verkehrswege brachte Los Angeles einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, eine Bevölkerungsexplosion und eine deutlich gestiegene Bedeutung, aber auch neue soziale Probleme. Die Bahnlinie war in erster Linie von chinesischen Arbeitern gebaut worden und viele von diesen blieben anschliessend im Süden Kaliforniens. In Los Angeles entstand, wie in vielen anderen Städten der Westküste, eine schnell wachsende Chinatown. Schnell wuchsen die Ressentiments gegen die Neuankömmlinge und im Oktober 1871 kam es zum so genannten Chinese Massacre, als in Folge der unbeabsichtigten Tötung eines Weissen in Chinatown mehrere hundert Weisse und Latinos in das Viertel einfielen und wahllos 19 Chinesen lynchten.

Im Jahr 1892 wurde an der Stelle, an der sich heute das Dodger Stadium befindet, Öl gefunden, kurz darauf auch an anderen Stellen. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sich Los Angeles zu einem wichtigen Zentrum der Ölproduktion gemausert, in den 20ern wurde hier ein Viertel des weltweiten Bedarfs an Erdöl gefördert. Bis heute wird in der Region Öl gefördert. Zur gleichen Zeit jedoch, in die auch der Zuzug der Filmindustrie und der Modeindustrie in die Stadt fällt, sah sich Los Angeles wieder einmal mit einem Problem konfrontiert, dass die Gesellschaft spaltete. Über die Jahre hatte sich eine stärker werdende Arbeiterbewegung etabliert, die gegen die Arbeitsbedingungen vor allem für die mexikanischen Arbeiter protestierte. Unterstützung bekamen die Aktivisten, unter ihnen der sozialistische Journalist und Autor Upton Sinclair, aus Mexico. Den kalifornischen Eliten gelang es mit Hilfe der Polizei und der Medien, die Proteste klein zu halten, etwa indem massenweise Streikende verhaftet wurden. In den 30er und 40er Jahren jedoch erlebten die organisierten Arbeiter einen neuen Aufschwung, der ihre Position nachhaltig stärkte. 

Los Angeles wurde 1932 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Während der Weltwirtschaftskrise hatte sich keine andere Nation um die Austragung beworben und etliche Nationen hatten keine finanziellen Möglichkeiten, ihre Sportler nach Los Angeles zu schicken. Trotzdem nahmen mehr als 1300 Athleten an den Wettkämpfen teil. Während sich die Stadt ins Licht der internationalen Öffentlichkeit stellte, wurde sie im Inneren über viele Jahre von Bestechlichkeit und Amtsmissbrauch geplagt. Während des Krieges und danach etablierte sich Los Angeles trotzdem als Stadt der Industrie und wuchs immer weiter. Nachdem jahrzehntelang immer neue Landstriche im Umland zum Stadtgebiet hinzugefügt wurden, begann die Stadt bald auch in die Höhe zu wachsen. Das 262 Meter hohe United California Bank Building, das heute Aon Center heisst, wurde 1973 fertiggestellt; 1990 folgte der Library Tower (heute US Bank Tower) mit 310 Metern Höhe. In den 80er Jahren hatte die Stadt zudem ein U-Bahn-Netz erhalten und im Jahr 1984 erneut Olympische Sommerspiele ausgerichtet.

Nicht zu übersehen sind allerdings die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehenden sozialen Probleme der Stadt, die sich zum einen in einer Kultur der Gangs und Jugendgewalt, verbunden mit regelmässigen Spitzenplätzen in der Kriminalitätsstatistik, ausdrückt, zum anderen in den Unruhen, die wiederholt die Stadt erschütterten. Zum Teil hängt das mit einer althergebrachten räumlichen Trennung der Rassen innerhalb des Stadtgebiets zusammen, die etwa in den 30ern zu einer regelrechten Ghettobildung führte. Mexikaner, die seit jeher in grosser Zahl in Los Angeles leben, hatten besonders unter schlechten Wohnbedingungen und Niedrigstlöhnen zu leiden; trotzdem projizierten gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten viele Amerikaner Vorurteile und Vorbehalte auf diese Bevölkerungsgruppe. 1943 kam es zu den so genannten Zoot Suit Riots, als in Kalifornien stationierte Soldaten infolge zweier kleinerer Auseinandersetzungen mit Mexikanern, zu Tausenden durch die Strassen von Los Angeles zogen und alle mexikanisch aussehenden Menschen verprügelten. Die Öffentlichkeit und die Polizei unterstützten das Vorgehen der Soldaten zunächst und begrüssten es als “reinigenden Effekt”, doch als im Laufe der mehrere Tage dauernden Ausschreitungen auch Schwarze angegriffen wurden, griff die Politik ein und verbot Soldaten den Zutritt in das Stadtgebiet.

Während die Zoot Suit Riots von vielen als Ausdruck der Ablehnung der vielen lateinamerikanischen Einwanderer gewertet wurde, ging es in den folgenschweren Watts Riots im Jahr 1965 um die ungleiche Behandlung weisser und schwarzer Amerikaner. Seit vielen Jahren fühlte sich die schwarze Bevölkerung der Stadt benachteiligt, hatte sich wiederholt über brutales Vorgehen der überwiegend weissen Polizei beklagt und auf ihre schlechten Arbeits- und Wohnbedingungen hingewiesen. Als am 11. August 1965 ein Polizist die schwarze Familie Frye in deren Auto wegen Trunkenheit am Steuer anhielt und alle drei Fahrzeuginsassen verhaftete, war das der Beginn tagelanger Ausschreitungen, bei denen fast 1000 Gebäude in Brand gesetzt und geplündert wurden. In erster Linie wurden von Weissen betriebene Geschäfte angegriffen, es kam auch zu Angriffen auf Polizisten und Feuerwehrleute sowie auf unbeteiligte Weisse. Insgesamt starben während der sechs Tage anhaltenden Unruhen 34 Menschen, mehr als 1000 wurden verletzt.

Bei den Ausschreitungen 1992 in der Folge des brutalen Vorgehens weisser Polizisten gegen den Schwarzen Rodney King ging es um die selben Vorwürfe der Diskriminierung gegen die schwarze Bevölkerung. Die Festnahme Kings nach einer Verfolgungsjagd, bei der dieser von vier weissen Polizisten zusammengeschlagen worden war, war über Videoaufnahmen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Als eine Jury alle vier Polizisten am 29. April 1992 freisprach, begannen sechs Tage dauernde Unruhen, bei denen 53 Menschen getötet und Tausende verletzt wurden. Zunächst hunderte, später tausende Schwarze begannen nach dem Urteil, Häuser in Brand zu setzen und Geschäfte zu plündern. Der Grossteil der Aktionen spielte sich in South Los Angeles ab und während hauptsächlich die Geschäfte asiatischer Inhaber angegriffen wurden, zählten auch weisse und schwarze Ladeninhaber zu den Opfern. Zudem wurden Autofahrer in dem Stadtteil aus ihren Autos gezogen und von einem Mob schwerverletzt. Die Bilder dieser Taten wurden zum Teil live im Fernsehen gesendet. Über die Stadt wurde der Ausnahmezustand verhängt und mit der Unterstützung durch die Nationalgarde und die Armee gelang es nach sechs Tagen der Gewalt, wieder Ruhe herzustellen.

Im Jahr 1994 wurde Los Angeles vom Northridge-Erdbeben erschüttert, das zahlreiche Gebäude beschädigte und 72 Menschenleben forderte. Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass der eigentliche Plan der Terroristen vom 11. September 2001 gewesen war, ein Flugzeug in den US Bank Tower fliegen zu lassen.


 

 

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