Montana

 

Glacier Nationalpark

Dem amerikanischen Historiker, Naturschützer und Autor George Bird Grinnell, einem Mann also, der viel von Amerika gesehen hat, wird ein Zitat zugeschrieben, in dem er dieses Gebiet im Nordwesten Montanas als “die Krone des Kontinents” bezeichnet. Es gehört auch heute noch nicht viel dazu, sich vorzustellen, wie diese Landschaft auf die ersten Entdecker gewirkt haben muss, die hierher gekommen sind und Grinnells Ehrfurcht vor dem Gelände, aus dem 1995 sogar ein Welterbe wurde, lässt sich von jedem Besucher nachvollziehen, der sich ein wenig Zeit nimmt, um den Glacier National Park zu erkunden.

Glacier NP Going-to-the-Sun Road

Der Glacier Nationalpark ist vor allem ein Paradies für alle Outdoor-Fans, denn allein ein mehr als 700 Meilen umfassendes Wegenetz wartet darauf, erkundet zu werden - einmal abgesehen von den weiten Gebieten mit einer Fläche von insgesamt über 40.000 m², in denen man völlig auf sich allein gestellt unterwegs sein kann. Die Anreise erfolgt dabei wahlweise über einen von vier Eingängen. Einer (West Entrance) befindet sich in der Nähe des Ortes Kalispell und ist über den Highway 2 erreichbar, die anderen (East Entrances) liegt nahe der Kleinstadt Browning, die man wiederum über den Highway 89 aus Great Falls erreicht. Über den West Entrance und den St. Mary Entrance im Osten gelangt man jeweils zu einem Besucherzentrum, die von Mitte Mai bis Mitte Oktober täglich geöffnet sind, in den Wintermonaten jedoch nur am Wochenende.

Ebenfalls von beiden Seiten aus erreichbar ist die Going-to-the-Sun Road, die meistgenutzte Attraktion im Nationalpark. Diese Strasse ist die einzige, die den Nationalpark über 50 Meilen komplett durchquert. Sie wurde 1932 fertiggestellt und ist in den Sommermonaten (meist ab Mitte Juni) durchgängig geöffnet, im Winter ist die Straße wegen des hohen Schneeaufkommens in der Regel nur teilweise befahrbar - und auch das erfordert einiges an Konzentration. Die Nutzung der Straße ist mit Wohnmobilen oder Anhängern nicht gestattet und auch nicht ratsam, denn an einigen Stellen geht es wirklich knapp am Abgrund vorbei und für Ängstliche ist die Strecke ohnehin nicht zu empfehlen. Teilabschnitte dürfen auch mit dem Fahrrad genutzt werden, ansonsten empfiehlt sich die Nutzung des Shuttledienstes des Nationalparks, der die Strecke bedient und an vielen Stellen Halt macht. Die Fahrten mit den Ausflugsbussen im Park sind ein besonderes Erlebnis, denn man ist hier unterwegs mit knallroten Oldtimern aus den 1930er Jahren, die 2001 auf umweltfreundlichen Betrieb mit Propangas umgerüstet wurden. Über die Going-to-the-Sun Road gelangt man zu Camping- und Picknickplätzen sowie zum Logan Pass, dem mit 2026 Metern höchsten Punkt der Strasse. Dieser Pass ist nicht nur deshalb ein beliebtes Ziel für Parkbesucher, weil hier ein Visitor Center zu finden ist und mehrere der anspruchsvolleren Wanderwege beginnen, sondern auch, weil die Chancen, einen Blick auf die im Park lebende Tierwelt zu bekommen, hier oben besonders gut sind.

Zu den Tierarten, die hier leben, gehören unter anderem Grizzlies, Wölfe, Luchse, Bergziegen und über 250 verschiedene Vogelarten. Bei den Pflanzen hat man mehr als 1000 unterschiedliche Arten gezählt, darunter allein 20 verschiedene Bäume. Durch den Nationalpark zieht sich die Continental Divide (kontinentale Wasserscheide) und entlang dieser Linie entscheidet sich nicht nur, in welche Richtung Wasser abfließt, sondern sie trennt auch zwei Klimazonen. Im westlichen Teil herrscht ein gemäßigtes, feuchteres Klima mit ebensolchen Temperaturen. Hier, vor allem in den Höhenlagen, kann es das ganze Jahr über zu Schneefall kommen. Während der Hauptbesuchszeit in den Monaten Juni bis August liegen die Temperaturen tagsüber in der Regel zwischen 15° und 20° C, während es in den Tälern im Westen auch schon einmal knapp 30° C werden können. Dank des ergiebigen und zuverlässigen Schneefalls bietet das Gebiet des Nationalparks einige Wintersportmöglichkeiten. Allerdings ist das Landschaftsbild im Wandel: Wo ursprünglich einmal rund 150 Gletscher zu finden waren, gibt es heute nur noch 25 und auch diese sind nach Einschätzung von Experten in naher Zukunft bedroht.

Der Glacier Nationalpark besteht seit Mai 1910 und seine Einrichtung ist maßgeblich auf den erwähnten George Bird Grinnell zurückzuführen, der von der natürlichen Schönheit dieser Region so angetan war, dass er viele Jahre für einen Nationalpark kämpfte. Er erhielt schließlich, nachdem das Gebiet 1897 bereits den Status eines Waldschutzgebiets bekommen hatte, Unterstützung durch die Great Northern Railway, deren Schienen durch den südlichen Zipfel des Parks führten und die mit Bildern von der Schönheit der Landschaft um zusätzliche Fahrgäste warben und nun ebenfalls um die Anerkennung als Nationalpark kämpften. Dabei allerdings blieb die Tatsache unberücksichtigt, dass das Volk der Blackfeet schon lange vor Ankunft der ersten Europäer in dem Gebiet gelebt hatten und dass mit der Anerkennung als Nationalpark deren Recht auf Nutzung entfiel. Immer wieder gab es im Laufe der Jahrzehnte über dieses Thema Auseinandersetzungen zwischen den Ureinwohnern und der Regierung. 

Von den rund zwei Millionen Besuchern, die der Glacier Nationalpark jährlich verzeichnet, verlassen nur wenige das Netz ausgewiesener Wege. Dabei weist der Park gerade abseits der Pfade die faszinierendsten Landschaften auf. Zu nennen sind in dieser Hinsicht zum Beispiel die Seen, von denen es im Nationalpark insgesamt nicht weniger als gut 700 gibt. Diese Seen, von denen der Lake McDonald im westlichen Teil der größte und tiefste ist, sind wegen des ganzjährig kühlen Wassers sehr klar, einige haben wegen der Ablagerung von Mineralen aus den Bergen eine sehenswerte türkise Wasserfärbung. Folgt man den zahlreichen Wasserläufen, so gelangt man auch zu den Bird Woman Falls, mit einer Fallhöhe von 150 Metern der höchste der rund 200 Wasserfälle im National Park. Das Wasser kommt aus den Bergen, von denen sechs mehr als 3000 Meter hoch sind. Der höchste der Gipfel ist Mount Cleveland, der auf 3190 Meter kommt. Der Berg reicht teilweise bis hinüber auf das Staatsgebiet von Kanada, wo sich ebenfalls ein Nationalpark befindet. Interessant ist auch der Gipfel mit dem Namen Triple Divide Peak: Dieser ist zwar nur 2444 Meter hoch, aber von dem Berg herunter fließt das Wasser in drei verschiedene Richtungen, nämlich entweder zum Atlantik, zum Pazifik oder in Richtung des arktischen Ozeans, je nachdem, auf welcher Flanke des Berges der Ablauf beginnt.

Neben Autofahrten über die Going-to-the-Sun Road zählen Wanderungen und Rucksacktouren zu den beliebtesten Aktivitäten im Nationalpark. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise das Lake McDonald Valley erreichen, wo sich der gleichnamige See befindet und wo ein weiteres Besucherzentrum zusätzliche Aktivitäten anbietet. Dazu gehören geführte Wanderungen, es werden aber auch beispielsweise von privaten Veranstaltern Reittouren angeboten, zudem gibt es Bootstouren auf dem See. Im Tal befinden sich für Übernachtungsgäste gleich vier Campingplätze sowie eine rustikale Lodge, die aber schnell ausgebucht sein kann. Weitere interessante Ausflugsziele ist das schwer zu erreichende und damit menschenleere Präriegebiet an der North Fork, wo es ebenfalls vier Campingplätze gibt; die alpine Kulisse zwischen Gletschern und Bergen am Many Glacier, die sich besonders zum Beobachten wilder Tiere eignet oder die sehenswerte Szenerie aus Bergen und Seen am Punkt Two Medicine, wo die Eisenbahngesellschaft einst eine Lodge errichten ließ, die noch heute gebucht werden kann. Auch hier sind Bootstouren auf dem gleichnamigen See möglich.

Wer einen Ausflug ins Hinterland plant, sollte sich rechtzeitig um eine Übernachtungsmöglichkeit bemühen, Reservierungen für die Lodges und Campingplätze sind bei den Besucherzentren möglich. Ebenso sind hier so genannte “Backcountry Permits” erhältlich, das sind Genehmigungen für gewisse Aktivitäten abseits der üblichen Touristenpfade.

 

 

Weitere Informationen auf der Website des National Park Service über den Glacier Nationalpark.


 

 

 

Find us on Facebook

 

Follow us on Twitter

 

 

 

 

Americanet.de

 

Visit us on Pinterest

 

bl

 

 

 

 

Übersicht Bundesstaaten

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum