New York City

 

Harlem

 

NYC Harlem Apollo Theater

Lange Zeit war die besondere geschichtliche Bedeutung des New Yorker Stadtteils Harlem in den Hintergrund geraten angesichts der Kriminalitätsraten und der Schreckensszenarien, die für das Viertel entworfen wurden und die die öffentliche Wahrnehmung bestimmten. Inzwischen hat eine Wiederbelebung stattgefunden, man sieht Touristen auf den Straßen und langsam bekommt Harlem das Image zurück, das es verdient hat.

Harlem hat keine festen Grenzen, wird aber generell in dem Gebiet im Norden Manhattans vom nördlichen Ende des Central Park, also etwa ab der 110. Straße, bis zur 159. Straße angesiedelt. Das so bezeichnete Spanish Harlem beginnt noch etwas weiter im Süden, etwa ab der 96. Straße. Nach Westen und Osten wird Manhattan von Hudson River und East River begrenzt.

Wer sich heute die dicht besiedelten Straßenzüge Harlems betrachtet, kann nur schwer glauben, dass dieses Gebiet einmal dünn besiedeltes Farmland war, dessen einzige Verbindung nach Manhattan eine mehr als einstündige Fahrt mit einem Schiff über den East River war. Mit der Errichtung einer Bahnlinie in den 1880er Jahren änderte sich die Situation schnell, über Nacht entstanden zahlreiche Wohnhäuser und Appartementgebäude; Städteplaner entwarfen große Pläne für die als elegant und wohlhabend angesehene Siedlung. Ebenso schnell wie die Preise für Grundstücke gestiegen waren, fielen sie jedoch auch wieder, als sich der Bau der Bahnlinie immer weiter verzögerte. Schnell fanden viele der in dieser Zeit im Hafen von New York ankommenden Immigranten die bereits errichtete Infrastruktur ideal und innerhalb weniger Jahre hatten Tausende den Weg nach Harlem gefunden. Zunächst kamen vor allem osteuropäische Juden hierher, bis zum Jahr 1917 waren es bereits 150.000. Gegen diesen Zuzug versuchten sich viele Grundbesitzer allerdings zur Wehr zu setzen und vermieteten lieber an andere Interessenten. Italian Harlem entstand, wo heute Spanish Harlem zu finden ist. Als die Grundstückspreise in der Folge immer weiter fielen und die Lebensbedingungen für die schwarze Bevölkerung in anderen Teilen der Stadt schlechter wurden, nutzte der farbige Makler Phillip Payton Jr mit seiner Afro-American Realty Company die Gelegenheit und lockte die Schwarzen ab 1904 von überall her in die Gegend. Payton ist der Hauptverantwortliche für die Entwicklung Harlems zum Zentrum schwarzen Lebens an der Ostküste. Als später wegen der Arbeitsplätze in der Industrie auch viele Schwarze aus den südlichen Bundesstaaten in den Norden kamen, siedelten auch von diesen große Zahlen in Harlem. Zwischen 1920 und 1930 verließen knapp 119.000 weiße Bürger den Stadtteil, während 87.000 farbige neu hierher zogen.  

Mit dem steigenden Zuzug armer Immigranten aus Mittel- und Südamerika und dem Wegfall alteingesessener Geschäftszweige verschlechterte sich die Situation für die schwarze Bevölkerung rapide, Arbeitslosigkeit und Armut grassierten. Zugleich stiegen die Mieten unaufhörlich weiter an, weil Schwarze in anderen Teilen der Stadt kaum Wohnungen bekommen konnten, während in die Gebäude selbst kaum noch investiert wurde. Zusammen mit dem fortgesetzten Zuzug von Farbigen nach New York City entstand so eine explosive Situation aus schlechten Lebens- und Wohnbedingungen, wenig Perspektiven und einer fast unglaublichen Bevölkerungsdichte von 215.000 pro Quadratmeile, entstanden aus der Tatsache, dass sich immer mehr Menschen immer kleinere Wohnungen teilen mussten. In den 60er und 70er Jahren kehrte sich die Situation dann um, weil die Menschen Harlem mit seinen verfallenden Gebäuden verließen. Zurück blieben zahllose leerstehende Gebäude, in denen Platz für kriminelle Aktivitäten aller Art war. Harlems Verbrechensquoten erreichten astronomische Höhen und lagen beispielsweise bei Mord und Raubüberfällen um ein Vielfaches über dem ohnehin schon hohen Schnitt der restlichen Stadt, Tausende wurden drogenabhängig und begingen zur Finanzierung ihrer Sucht Straftaten. Erst mit der Verstärkung der Polizeikräfte und vor allem mit dem strengen Maßnahmenplan des ehemaligen Bürgermeisters Rudolph Giuliani gegen die Kriminalität in den 90er Jahren verbesserte sich die Situation nachhaltig. 

Trotz aller Probleme hatte Harlem immer Bedeutung für Kultur und Politik. Dies gilt insbesondere für die so genannte Harlem Renaissance  in den 1920er Jahren, als die schwarze Kulturszene hier ihr Zentrum fand, obwohl Farbige selbst zum Beispiel im berühmten Cotton Club keinen Zutritt hatten. Generell war die Lebenswirklichkeit im Harlem der 20er deutlich weniger glamourös als in der öffentlichen Darstellung. Dennoch kann dieses Jahrzehnt als letzte echte Blütezeit des Stadtteils bezeichnet werden. Der Savoy Ballroom an der Lenox Avenue wurde zum Zentrum des Swing - geöffnet für Besucher aller Hautfarben - und zum Zentrum eines Entertainmentdistrikts, in dem mehr als 100 Bühnen, Kneipen, Lounges und Tanzlokale zu finden waren. 1934 wurde an der 125. Straße das berühmte Apollo Theater eröffnet, das fortan zum Sinnbild schwarzer Musikunterhaltung und Startpunkt zahlloser großer Karrieren wurde. Das Apollo ist nach einer Wiedereröffnung in den 80er Jahren heute wieder zu altem Glanz zurück gekehrt und ist als historisches Gebäude geschützt.

Schon wenig später setzte ein Wandel in Harlem ein, der mit dem Bau riesiger, von öffentlicher Hand finanzierter Wohnanlagen begann und sich über den demographischen Umbruch fortsetzte. 1950 war die Bevölkerung Harlems noch zu mehr als 98% schwarz, doch dann zog die schwarze Mittelschicht fort und wurde ersetzt durch Immigranten vor allem aus Mittel- und Südamerika. In ähnlicher Art und Weise spiegelt sich auch die politische Entwicklung der amerikanischen Gesellschaft im Stadtteil wider. Dabei spielte natürlich vor allem der Kampf um die Aufhebung der Rassentrennung eine Rolle. Durch Boykott- und Protestaktionen hatte die Bevölkerung Harlems bereits in den 30er Jahren erste, lokale Ziele erreicht, in den folgenden Jahrzehnten jedoch wurden die Bemühungen um Gleichstellung häufig von Gewalt begleitet, angetrieben durch die in den 50ern von Malcolm X angeführte Bewegung Nation of Islam, aber auch durch andere, radikale Gruppierungen, zum Beispiel den Black Panthers. Der von Martin Luther King Jr. propagierte gewaltlose Widerstand fand in Harlem nur relativ wenige Anhänger, obwohl King selbst sehr verehrt wurde. Im Laufe der Zeit kam es zu mehreren Unruhen zwischen schwarzen Bewohnern Harlems und der Polizei, häufig hervorgerufen durch als übermäßig empfundene Polizeigewalt.

Die 1970er brachten den schlimmsten Verfall Harlems und den Niedergang der hier ansässigen Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Erschreckend hohe Quoten bei Säuglingssterblichkeit und schweren Krankheiten, enorm hohe Arbeitslosigkeits-, Armuts- und Kriminalitätsraten und ein Notstand bei Bildung und Gesundheitsversorgung machten weltweit Schlagzeilen. Die Wiederbelebungsmaßnahmen ab den 90er Jahren schließlich brachten Harlem zurück aus dem Schattendasein. Öffentliche Projekte für die Menschen im Stadtteil, Bildungsprogramme, städtebauliche Maßnahmen und ein konzentriertes Vorgehen gegen Gewalt und Kriminalität machten aus dem ehemaligen Ghetto ein gelungenes Beispiel für die Wiederherstellung eines Stadtteils. Inzwischen haben sich auch viele Weiße hier angesiedelt, zuletzt unter anderem auch der ehemalige Präsident Bill Clinton, der hierher sein Büro verlegte. Da Harlem im Gegensatz zum Rest Manhattans keine rapiden Modernisierungen und Erweiterungen erlebte, ist der Stadtteil heute auch für Besucher sehr sehenswert und kann viele alte, restaurierte Gebäude, einen nachbarschaftlichen Flair und Fixpunkte der Geschichte des schwarzen Amerika vorweisen.


 

 

 

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