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Niihau Incident

Ein heute weitgehend in Vergessenheit geratener Zwischenfall während des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor im Dezember 1941 hatte zum damaligen Zeitpunkt einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die politische Situation in den USA, insbesondere auf das Schicksal von Amerikanern japanischer Abstammung. Shigenori Nishikaichi, Pilot eines Kampfflugzeugs, der an der zweiten Angriffswelle auf Pearl Harbor beteiligt gewesen war, legte mit seinem von Einschüssen durchlöcherten Flieger eine Bruchlandung auf der kleinen hawaiianischen Insel Niihau hin, blieb dabei zwar weitgehend unverletzt, konnte mit der zerstörten Maschine aber nicht weiterfliegen.

Niihau Incident

Niihau, die westlichste der Inseln Hawaiis, befindet sich bereits seit 1864 im Privatbesitz. Zum Zeitpunkt des Überfalls auf Pearl Harbor lebten 136 Menschen auf der Insel, fast alle gebürtige Hawaiianer. Es bestand so gut wie kein Kontakt nach außen, so gab es weder Telefon noch Strom auf der Insel. Der Besitzer Niihaus, Aylmer Robinson, lebte auf Kauai und kam einmal wöchentlich auf die Insel. Er gewährte Fremden so gut wie nie Zutritt, mit Ausnahme von Freunden und Verwandten der Inselbewohner. Vom Angriff auf Pearl Harbor hatten die Insulaner nichts erfahren, als Nishikaichi auf Niihau landete, allerdings war auch dort bekannt, dass die Beziehungen zwischen den USA und Japan äußerst angespannt waren. So handelte der Einwohner Hawila Kaleohano, der nur wenige Meter von der Absturzstelle entfernt gestanden hatte, blitzschnell und nahm dem benommenen Piloten Papiere und Waffe ab, als er das japanische Hoheitszeichen am Flugzeug erkannte. Nach dieser Vorsichtsmaßnahme jedoch wurde dem Japaner die hawaiianische Gastfreundschaft zuteil: Die Inselbewohner begrüßten ihn herzlich und veranstalteten am Nachmittag sogar eine Party für ihn.

Verstehen jedoch konnten sie den Piloten nicht und so wurde Ishimatsu Shintani, ein aus Japan stammender Inselbewohner, zur Übersetzung herbei geholt. Dieser jedoch verließ die Szene nach einem kurzen Wortwechsel mit dem Piloten und informierte die anderen Insulaner nicht über das, was gesagt worden war. Dann holten die Bewohner Yoshio Harada, einem japanischstämmigen Immigranten der zweiten Generation. Pilot Nishikaichi informierte Harada über die Attacke auf Pearl Harbor, dieser jedoch gab diese Information nicht an die anderen Insulaner weiter.

Abends dann drang die Nachricht über Pearl Harbor über ein Transistorradio zu den Einwohnern von Niihau. Sie sprachen den Piloten erneut an und diesmal übersetzte Harada alles, was dieser erzählte. Da für den nächsten Tag der wöchentliche Besuch des Inselbesitzers Robinson erwartet wurde, beschlossen die Einwohner, dass Pilot Nishikaichi mit diesem nach Kauai übersetzen sollte. Robinson jedoch konnte nicht zur Insel, denn nach dem Angriff hatte das Militär den gesamten Bootsverkehr in den Inseln blockiert. Mehrere Tage warteten die Einwohner und je länger Robinsons Besuch ausblieb, desto angespannter wurde die Situation. Die Insulaner beschlossen, Nishikaichi bei den Haradas unterzubringen und dort dauerhaft bewachen zu lassen.

Am Morgen des 12. Dezember, fünf Tage nach der Bruchlandung, erschien Ishimatsu Shintani bei Hawila Kaleohano und bot diesem 200 Dollar für die Herausgabe der Papiere von Nishikaichi, doch Kaleohano weigerte sich. Etwa zur gleichen Zeit überwältigten die Haradas und der Pilot selbst den Wachposten vor dem Haus, bewaffneten sich, nahmen eine Geisel und zogen nun zu Kaleohano. Dieser sah die Gruppe auf sein Haus zukommen, versteckte sich und rannte zum nächsten Dorf, von wo aus er wenig später, gemeinsam mit fünf anderen Inselbewohnern, per Boot in Richtung Kauai aufbrach, um Hilfe zu holen - eine zehnstündige Reise. Während die Gruppe unterwegs war, versuchte Nishikaichi zusammen mit seinen Helfern, über das Funkgerät des havarierten Flugzeugs Kontakt nach außen herzustellen, scheiterte aber. Sie setzten daraufhin das Flugzeug in Brand und kurz darauf auch das Haus von Kaleohano.

Am nächsten Morgen nahmen Harada und Nishikaichi den Dorfbewohner Ben Kanahele als Geisel und zwangen ihn, Kaleohano zu suchen. Kanahele wusste, dass dieser nach Kauai gerudert war und tat so, als ob er ihn suchen würde. Harada bedrohte ihn mit dem Tod, sollte er den Gesuchten nicht finden. Kanahele nutzte einen unaufmerksamen Moment und griff Harada und Nishikaichi gemeinsam mit seiner Frau an. Obwohl er von dem Piloten dreimal mit der Pistole getroffen wurde, konnte er diesen überwältigen und brachte ihn anschließend um. Harada beging daraufhin Selbstmord. Am nächsten Tag erreichten Robinson, Kaleohano und die anderen Insulaner Niihau zusammen mit Soldaten. Shintani und Haradas Frau wurden festgenommen.

Obwohl die Begebenheit auf Niihau angesichts der vielen Opfer des Überfalls auf Pearl Harbor ein eher nebensächlicher Zwischenfall gewesen zu sein schien, wurde sie wegen des Militärberichts der beteiligten Soldaten schnell die Runde in Washington. Angesichts der bereitwilligen Unterstützung durch die japanischstämmigen Bewohner der Insel, die zuvor scheinbar loyal gegenüber den Amerikanern gewesen waren, wuchs nach Ansicht von Historikern bei einigen Politikern die Sorge vor einer Unterwanderung der Amerikaner durch im Land lebende Japaner. Diese Wahrnehmung ist daher wahrscheinlich mit ein Grund für die Internierung von mehr als 100.000 japanischstämmigen Amerikanern im Jahr 1942 in spezielle Lager, um sie von Gegenden fern zu halten, in denen Sabotage befürchtet werden konnte. Insbesondere die Bereitwilligkeit der Unterstützung des japanischen Piloten im Angesicht einer möglichen japanischen Machtergreifung über Hawaii gab vielen Politikern Grund zur Sorge.


 

 

 

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