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Texas

 

Hill Country

Sanfte, bewaldete Hügel, Bäche und ein mittleres Klima sind eigentlich nicht die Dinge, die man von Texas erwartet. Doch hier, im Herzen des Bundesstaats, abseits von den Millionenmetropolen des Ostens einerseits und den Wüstenregionen des Westens andererseits, zeigt Texas wieder ein anderes Gesicht, das ebenso das seine zum Bild des Lone Star State beiträgt.

Das Texas Hill Country liegt nördlich von San Antonio und südwestlich der Hauptstadt Austin. Orte wie Fredericksburg, Boerne, Weimar, Bandera und New Braunfels gehören zu der Region und geben mit ihren Namen zugleich schon Aufschluss über die Geschichte dieser Gegend.

TX Balcones Canyonlands

Vor allem Einwanderer aus Zentraleuropa - neben Deutschen und Österreichern auch Tschechen und solche aus dem Elsass - haben die Kulturen und Traditionen hier geprägt. Ergänzt wurden diese durch den Einfluss der spanischen Missionare, die für die Gründung von San Antonio oder San Marcos verantwortlich zeichneten. Das Aufeinandertreffen dieser Kulturen sorgt nach wie vor für einen reizvollen Kontrast, der sich im Hill Country auf verschiedene Arten ausdrückt. Tatsächlich ist das texanische Herzland ein vor allem bei den Amerikanern sehr beliebtes Urlaubsziel. Das dürfte vor allem daran liegen, dass die Landschaft hier Ruhe und Entspannung verspricht; Wandern, Schwimmen, Fischen und Camping ermöglicht und trotzdem nahe an Metropolen liegt. Als Unterkunft stehen vor allem kleine, familiäre Bed & Breakfast-Inns zur Verfügung. Neben der Natur gibt es einige kleine Museen und - was viele nicht wissen - eine beachtliche Zahl Weingüter, die einige erwähnenswerte Weine produzieren. Einige private Unternehmen bieten Weintouren an, man kann aber auch auf eigene Faust die mehr als 20 Weingüter vor allem entlang des Highway 290 entdecken - häufig werden Führungen und Verköstigungen angeboten.

Eine weitere Attraktion für Besucher sind die zahlreichen Höhlen, die im Karstgestein entstanden sind und von denen die tiefsten als Grundwasserträger zur Wasserversorgung der Region beitragen. Zu den bekanntesten Höhlen zählen die Natural Bridge Caverns bei New Braunfels, so benannt, weil ein 20 Meter langes Stück Kalkstein über dem Eingang zur Höhle eine Art Brücke bildet. Hier können Touristen bei konstant 21° C im Inneren bis auf eine Tiefe von 63 Metern unter der Oberfläche vordringen. In Führungen von etwa 90 Minuten Länge erkunden kann man auch den Longhorn Cavern State Park in der Nähe des kleinen Orts Kingsland nordwestlich von Austin. Die Besonderheit dieser Höhlenanlage liegt in der Tatsache, dass sie regelmäßig für musikalische Aufführungen genutzt wird - eine bis in die 1920er Jahre zurückreichende Tradition.

Den Beitrag, den der Ort Bandera mit seinen etwa 1000 Einwohnern zum Mix der Kulturen und Traditionen des Hill Country leistet, kann man wohl am besten als “texanisch” beschreiben. Bandera bezeichnet sich selbst stolz als “Cowboy Capital of the World” und ist das ganze Jahr über der Standort für entsprechende Veranstaltungen wie Rodeos, Viehauktionen oder Farmermärkte. Bemerkenswert ist die hohe Dichte an Guest Ranches in der näheren Umgebung. Bandera, das auch unter Motorradfahrern als Treff- und Streckenpunkt beliebt ist, wurde von polnischen Einwanderern gegründet, die von ihnen errichtete St. Stanislaus Catholic Church zählt zu den ältesten von ganz Texas.

Das etwa 11.000 Einwohner zählende Städtchen Boerne dagegen wurde von deutschen Einwanderern gegründet, die ihre Heimat nach der Revolution von 1848 verlassen hatten. Damit zählt Boerne zu den zahlreichen Ortschaften in der Region, in denen deutsches Brauchtum gepflegt wird - allerdings nicht unbedingt in der Originalversion. Mit dem Cave Without a Name und den Cascade Caverns befinden sich zwei Höhlensysteme in der Stadt. Boerne präsentiert sich daneben als Stadt der Künste und kann eine größere Zahl Galerien sowie ein Theater aufweisen.

Der kleine Ort Castroville entstand 1844, als mehrere Familien aus dem Elsass hierher kamen. Die Architektur vieler Gebäude in dem Ort erinnert an die im Elsass und um diese Häuser zu bewahren, steht inzwischen ist beinahe ganz Castroville als Historic District geschützt. Den Elsässer Dialekt sprechen heute allerdings nur noch sehr wenige der etwa 3500 Einwohner. Auch die Besiedelung des Ortes Hondo nur ein kleines Stück weiter westlich erfolgte durch Emigranten aus Elsass-Lothringen, Belgien und Deutschland.

Ebenfalls eine historische Downtown aufweisen kann der 2400 Einwohner zählende Ort Comfort, der wie Boerne von deutschen Emigranten gegründet wurde, die nach der Revolution nach Amerika gingen. Noch heute stammt ein großer Teil der Einwohnerschaft von den Familien der ersten Siedler ab. In der Innenstadt befinden sich etwa 100 gut erhaltene Gebäude, zum Teil aus der Anfangszeit des Ortes Mitte des 19. Jahrhunderts stammend. Ein Monument erinnert an die Gefallenen des Bürgerkriegs, als die Einwohner Comforts auf Seiten der Union kämpften.

Das im Jahr 1846 gegründete und nach dem Prinz von Preussen benannte Fredericksburg trug bei den deutschen Einwanderern, die im 19. Jahrhundert hierher gekommen waren, den Beinamen “Fritztown”. Gründer der Stadt war Hans von Meusebach, der Vorsitzende des “Adelsvereins”, der zum Schutz der deutschen Emigranten aus der Wiege gehoben worden war. Meusebach vereinbarte einen Vertrag mit den ansässigen Comanche-Indianern, der beiden Parteien eine friedliche Koexistenz gewähren sollte und der zu den wenigen Verträgen mit amerikanischen Ureinwohnern zählt, die nie gebrochen wurden. Fredericksburg gilt als Wiege einer heute beinahe ausgestorbenen Sprache, dem Texas German, einer Mischung aus den Sprachen der alten und der neuen Heimat der Einwanderer. Nicht zuletzt, um den Tourismus in die Stadt zu fördern (der mit den Besuchen von Konrad Adenauer 1961 und Ludwig Erhard 1963 begonnen hatte), werden deutsches Brauchtum und deutsche Traditionen in Fredericksburg hochgehalten, seit den letzten Jahren vermischt mit einigen Nuancen aus der Cowboykultur. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt das National Museum of the Pacific War (340 East Main Street) und das in Besitz der Familie des Flottenadmirals Chester Nimitz befindliche Nimitz Hotel, das während der Präsidentschaft des in der Nähe lebenden Lyndon B. Johnson zahlreiche prominente Gäste beherbergte. Vor allem aber ist die oft einzigartige Architektur in Fredericksburg sehenswert - viele Wohngebäude sind ebenso denkmalgeschützt wie die achteckige Vereinskirche (100 West Main Street), die 1847 als erstes öffentliches Gebäude errichtet worden war. Selbstverständlich steht auch ein Oktoberfest im Veranstaltungskalender der Stadt.

In der Umgebung von Fredericksburg warten drei weitere Attraktionen auf Besucher. Bei Stonewall befindet sich die Ranch des 36. Präsidenten der USA, Lynodn B. Johnson, der hier geboren wurde, 1973 starb und beerdigt wurde. Gemeinsam mit dem Haus in Johnson City, in dem LBJ als Kind lebte, bildet die Ranch mit der Johnson-Familiengrabstätte, den Lyndon B. Johnson National Historical Park. Es werden geführte Touren angeboten, der Park ist täglich bis 17 Uhr geöffnet.
Der 556 Meter hohe Granitfelsen des Enchanted Rock zieht ebenfalls viele Besucher an, die zum Wandern, einfachen Klettern und Campen hierher kommen. Der Felsen weist eine große Vielfalt in Flora und Fauna auf und hat bei mehreren indianischen Völkern eine mystische Bedeutung, zudem ranken sich etliche modernere Legenden um den Felsen mit der eigentümlichen, rosa Färbung.
Eine weitere Sehenswürdigkeit ist der winzige, drei Einwohner zählende Ort Luckenbach, Texas, der durch den gleichnamigen Song von Willie Nelson und Waylon Jennings berühmt wurde. Der Ort besteht aus zwei Gebäuden - der legendären Dance Hall, die auch heute noch ein wichtiger Ort für die Country Music ist und dem zweiten Gebäude, in dem Postamt, Saloon und Laden untergebracht sind. Luckenbach dient an Wochenenden als beliebtes Ausflugsziel für Biker, Countryfans, aber auch Familien. Der Ort ist allerdings schwer zu finden, da die Hinweisschilder immer wieder als Souvenirs gestohlen werden.

Etwa eine halbe Autostunde südlich von Fredericksburg liegt Kerrville, eine ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts von deutschen Einwanderern gegründete Stadt mit heute etwa 20.000 Einwohnern. Kerrville ist Standort einer kleinen, kirchlich geprägten Hochschule, der Schreiner University, sowie des 1983 gegründeten Museums of Western Art, das sich mit der darstellenden Kunst des amerikanischen Westens beschäftigt (1550 Bandera Highway; sonntags und montags geschlossen). Ausflugsziel ist aber vor allem das Ufer des Guadalupe River, der durch die Stadt fließt und an dessen Rändern einige Parks zum Picknick und zum Spaziergang einladen.

So etwas wie das Zentrum des deutsch geprägten Texas ist die Stadt New Braunfels zwischen San Antonio und Austin. Die Stadt wurde 1845 vom Mainzer Adelsverein und dessen Vorsitzenden Prinz Karl von Solms-Braunfels gegründet, der hunderte Deutsche für den Umzug nach Texas hatte gewinnen können. Der Ort ist in den letzten Jahren schnell gewachsen und weist inzwischen mehr als 50.000 Einwohner auf. Besucher finden an vielen Stellen Hinweise auf die deutschen Wurzeln der Stadt, nicht zuletzt angesichts der hier noch vergleichsweise weit verbreiteten Sprache des Texas German und der vielen deutsch klingenden Namen. Zu den Höhepunkten des Veranstaltungskalenders gehört seit 50 Jahren das im November stattfindende Wurstfest, bei dem allgemein das deutsche Brauchtum aufrecht erhalten wird. Ansonsten steht in New Braunfels eher moderneres Vergnügen an: Neben einem Wasserpark namens Schlitterbahn verfügt die Stadt über zwei Flussläufe, die des Guadalupe Rivers und des Comal Rivers, die sich besonders gut zum Fahren in reifenähnlichen Schlauchbooten, dem so genannten Tubing. Die Stadt umgibt den kleinen Ort Gruene, der beinahe komplett als Historic District gelistet ist und in dem sich etliche historische Gebäude aus der Anfangszeit der Besiedelung befinden, unter anderem die älteste Dancehall von Texas.

Der Fluss spielt auch eine wichtige Rolle für die Stadt San Marcos mit ihren 53.000 Einwohnern, die etwa 30 Autominuten nördlich von New Braunfels liegt. Am San Marcos River, der auch einige seltene Fischarten beherbergt, trifft man sich in den Sommermonaten zum Schwimmen, Kanufahren und Angeln. Der Ursprung dieser Stadt ist nicht europäischer, sondern mexikanischer Natur und bis heute bringt San Marcos, in dessen Nähe sich mehrere große Outlet-Shoppingcenter befinden, vor allem den lateinamerikanischen Aspekt in den kulturellen Mix des Hill Country ein. Die Stadt, rund um das 1851 entstandene Town Center angelegt, ist Standort der Texas State University und verfügt über eine lebendige Musikszene.


 

 

 

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