Texas

Texaner für zwei Wochen -

Eindrücke einer Reise durch den Lone Star State

Einer der Gründe, warum die USA ein so faszinierendes und beliebtes Reiseland sind, ist die Vielfalt des Landes – der Wechsel der Landschaften, der Reigen der Eindrücke. Vor einiger Zeit wurde bei einer Umfrage einer Fachzeitschrift unter Lesern Texas als Wunsch-Reiseziel Nummer eins ermittelt und ein Besuch dort ergibt, dass sich wirklich alles von der Vielfalt wieder findet, die man von den USA erwarten kann.

Unten am Fluss, dem berühmten Rio Grande, der Schimmer am Horizont und Trennlinie sein kann, zwischen dem Örtchen Presidio und dem noch kleineren Örtchen Study Butte geht man unwillkürlich etwas vorsichtiger, wenn man aus dem Auto steigt; weil man jeden Schritt hört in der ansonsten vollkommenen Stille. Der Blick geht über unbedrohlich wirkendes Wasser auf die mexikanische Seite herüber, auf der Kühe weiden und wenn man die Füße still hält, hört man sogar, wie sie da drüben die wenigen Grashalme aus dem Boden rupfen.

Ganz weit davon entfernt, im Osten des Staates, führt der I-45 als direkte Lebenslinie von Dallas nach Houston, wo er sich bis tief in Downtown einfrisst. Ruhig ist es hier nirgends; links und rechts, an den Kreuzungen der Interstates auch oben und unten, fließt der Verkehr auf zehn, zwölf, vierzehn Spuren. Die Glasfassaden der beeindruckenden Skyscraper glitzern in der Sonne, während im Inneren Tausende von Menschen in Büros versuchen, den wachsenden Anforderungen des internationalen Ölgeschäfts Herr zu werden.

Überhaupt das Öl -  es begleitet einen auf einer Reise quer durch Texas. Im Herzen des Staates, zwischen Midland und Abilene kann man kaum zwei Minuten fahren, ohne am Straßenrand die so genannten „Pumping Jacks“ zu sehen; kleine Ölpumpen auf trockenem, sandigem Grund, die mit beständigem, bedächtig wirkendem Nicken das schwarze Gold aus der Erde holen. In der Nacht blinken Tausende von Lichtern an den riesigen Verarbeitungsanlagen und Raffinierien, die bei Tag eine undurchdringliche Architektur von Stahlrohren und Leitungen bilden. In dieser Gegend gibt es viele Geschichten von zufälligen Ölfunden und plötzlichem Reichtum. Die Spur des Öls zieht sich von hier aus nach Osten, wo jenseits der markanten Gebäude von Houstons Zentrum in der wenig sehenswerten Kulisse des eigens fürs Öl angelegten Hafens die Verschiffung vorgenommen wird.

Es ist eben nicht alles wunderschön und sehenswert in Texas. Das gilt besonders für die südlich gelegenen Regionen. Orte wie Marfa, Fort Stockton oder Laredo sind Belege dafür, wie durchlässig die Grenze zu Mexico tatsächlich ist und dass der ständige Zustrom von Einwanderern, der wiederum ein Abwandern der alteingesessenen Bewohner bewirkt, nicht unbedingt zur Attraktivität dieser Landstriche beiträgt. Vieles hier wirkt verwahrlost, teilweise fast schon wie aufgegeben. Dabei sind diese Gegenden mit den Felsformationen des Südwestens, den Kakteen und den ausgetrockneten Bachläufen landschaftlich oft besonders sehenswert. Roadrunner laufen von links nach rechts vor dem Auto über die Straße, auf einem Pfosten der endlos am Straßenrand entlang laufenden Weidezäune sitzt ein Geier; fast so, als ob er auf unsere Mithilfe bei der Beschaffung von frischem Aas hofft. Der Reiseführer berichtet auch von Gürteltieren, Koyoten, Klapperschlangen und sogar Pumas – solche Entdeckungen bleiben dem normalen Autoreisenden aber wohl verschlossen.

Der aber hat die Möglichkeit, bei der Rundreise durch den Staat, der größer als Frankreich ist, alle Facetten von Texas kennen zu lernen. Weiße Sandstrände wie auf Padre Island, an denen man meilenweit spazieren kann, ohne auf andere Menschen zu treffen. Inseln wie Galveston Island im Golf von Mexico, die sich in den Punkten Klima, Lage und Attraktivität problemlos mit den Feriengebieten Floridas messen können und dabei nicht einmal annähernd so überlaufen und touristisch sind. Städte, die sich ihre eigenen Gesichter und Identitäten bewahrt haben – San Antonios Zentrum gehört mit dem Riverwalk, einem künstlichen, von Geschäften und Restaurants gesäumten Wasserlauf, zum Schönsten, was in Amerika an urbaner Gestaltung zu finden ist.  

Trotz dieser Vielfalt trifft man in Texas auch schnell auf das typische, auch wenn es schwer zu benennen ist. Texas hebt sich oft und gerne von den 49 anderen Bundesstaaten ab; ist der „Lone Star State“ und der, in dem „everything bigger“ ist. Texas war einmal, wenn auch nur für kurze Zeit, selbständig und fast wirkt es, als ob vielen Texanern dieses Konzept bis zum heutigen Tag nicht gänzlich unsympathisch ist. Es gibt den amerikanischen Patriotismus hier genauso wie in Arizona oder Ohio, doch hier vermischt er sich mit dem unterschwelligen Hinweis darauf, dass Texas eben doch eine besondere Stellung innerhalb der USA hat. Nicht nur diesen besonderen Heimatstolz bekommt der Besucher zu spüren, er entdeckt auch die kleinen Dinge, die den Texanern als Argumente dienen, um ihre Sonderposition zu unterstreichen. Dazu kann man das Kopfsteinpflaster zählen, das in Fort Worth im historischen Stockyards-Distrikt auf dem Boden liegt und an die Vergangenheit der Stadt als Endpunkt der Viehtrecks erinnert. Dazu zählt auch das Tragen eines Cowboyhuts auch von solchen, die den Geruch von Vieh nur vom Besuch eines Show-Rodeos kennen; ebenso die stolze Betonung der Redneck-Kultur mit Pickup, Countrymusic und Wildwest-Nostalgie, die Ausstattung jedes Highway-Rastplatzes mit Grills für das Steak zwischendurch, der betonte Gebrauch des texanischen Akzents.

Texas ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Als Reiseziel ist es geradezu komplett ausgestattet, mit Shopping, Familienunterhaltung, Badestränden, Kultur und sehenswerten Landschaften. Auf eine Region beschränken darf man sich dabei nicht – wer Texas entdecken will, muss sich auf die Weite des Landes einlassen. Dann aber öffnet sich der Staat für Augen, Ohren und Gefühlssinne und ist damit ein ganz besonderes Stück USA; eines, das dem Land wiederum einen ganz besonderen Aspekt verleiht.

 


 

 

 

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