4trips_breit_140x30
default

 

Geschichte der Todesstrafe in den USA

In den USA geht die Geschichte der Todesstrafe bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts zur Zeit der kolonialen Besiedlung zurück, die britischen Kolonialherren brachten diesen Aspekt des Strafenkatalogs aus ihrer alten Heimat mit, wo Hinrichtungen seit Jahrhunderten durchgeführt und auch für geringe Vergehen angewandt wurden. 1608 wurde der britische Captain George Kendall in Virginia wegen Spionage für Spanien hingerichtet; er wurde das erste Opfer der Todesstrafe auf amerikanischem Boden. Später, vornehmlich im 18. Jahrhundert und beeinflusst durch europäische Denker wie Beccaria, Voltaire oder Montesquieu, gab es auch in Amerika erste Überlegungen und Bemühungen zur Abschaffung der Todesstrafe.

Schon Thomas Jefferson plante eine Veränderung der Strafgesetze Virginias dahingehend, dass nur noch Hochverrat und Mord mit dem Tod bestraft werden sollten, scheiterte damit aber knapp im Parlament. 1794 schaffte Pennsylvania die Todesstrafe für alle Vergehen mit Ausnahme von Mord mit erschwerenden Begleiterscheinungen (z.B. geplanter Mord, Auftragsmord; im amerikanischen Recht first degree murder) ab, in der Folge reduzierten auch viele andere Bundesstaaten die Zahl der möglichen Verbrechen, die mit dem Tod zu bestrafen waren.

Capital Punishment

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die Forderungen nach einer Abschaffung der Todesstrafe im ganzen Land lauter. Die Strafe, die zuvor immer auch dem Zweck der Abschreckung von schweren Straftaten dienen sollte, verschwand ab 1834 hinter Gefängnismauern. Auch hier war Pennsylvania der Vorreiter; wo Hinrichtungen zuvor in der Öffentlichkeit stattfanden, vollzog man diese nun nur noch vor den Augen ausgewählter Zeugen. 1838 wurde in Tennessee das Gesetz so verändert, dass aus der Todesstrafe als zwingend folgende Bestrafung für bestimmte Straftaten nur noch eine mögliche Bestrafung unter Berücksichtigung der Umstände des Verbrechens wurde; in Michigan wurde ab 1846 nur noch Landesverrat mit dem Tod bestraft und in Rhode Island wurde die Strafe 1852, in Wisconsin 1853 komplett abgeschafft. In den Bundesstaaten des Südens dagegen änderte sich fast nichts, hier galten zudem für Sklaven deutlich schärfere Gesetze; diese mussten für deutlich mehr Vergehen mit der Bestrafung durch den Tod fürchten als Weiße, zudem erhielten sie nur äußerst selten einen fairen Prozess.

Während des amerikanischen Bürgerkriegs in den 1860er Jahren ließ die Unterstützung für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA nach. In die gleiche Zeit fällt mit der Hinrichtung von 38 Dakota-Indianern während der Indianerkriege in Minnesota im Jahr 1862 die Exekution der meisten Menschen in einem Prozess in der Geschichte des Landes. Danach wurde die Strafe modernisiert und mit der Einführung des elektrischen Stuhls, erfunden durch Mitarbeiter Thomas Edisons und zuerst eingeführt in New York im Jahr 1888 und danach von anderen Bundesstaaten übernommen, wurden Hinrichtungen im Vergleich zum zuvor praktizierten Erhängen etwas humaner. Dennoch setzte sich der Abolitionismus weiter durch und in den ersten 17 Jahren des 20. Jahrhunderts strichen sechs weitere Staaten die Todesstrafe ersatzlos.

Das allerdings war nur eine kurzfristige Episode, denn bis zum Jahr 1920 hatten fünf dieser sechs Bundesstaaten die Todesstrafe wieder eingeführt. Dies war vor allem der Ausdruck wachsender sozialer Spannungen und der Angst vor einer sozialistischen Revolution in Amerika, ähnlich der, die 1917 in Russland stattgefunden hatte. Nevada war 1924 der erste Bundesstaat, in dem Hinrichtungen per tödlicher Gaszufuhr in einer eigens errichteten Kammer durchgeführt wurden, auch dies wurde damals als weiterer Schritt zu einer Humanisierung der Strafe gesehen. In den folgenden Jahren, in denen die USA unter der Weltwirtschaftskrise litten, nahm die Zahl der Hinrichtungen deutlich zu und erreichte in den 1930ern mit einem Durchschnitt von 167 Exekutionen pro Jahr einen Höchstwert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und nachdem die Vereinten Nationen 1948 in ihrer Menschenrechtserklärung auch das Recht auf Leben deklariert hatten, wurde die Todesstrafe in den USA wieder deutlich weniger angewendet. Viele andere Nationen schafften die Todesstrafe ganz ab und auch in Amerika sank die Zahl der Befürworter. Gab es von 1940 bis 1949 noch knapp 1300 Hinrichtungen in den USA, waren es im folgenden Jahrzehnt nur noch 715 und von 1960 bis 1976 wurden sogar nur 191 Verbrecher hingerichtet. Dies reflektiert die veränderte öffentliche Haltung zu dem Thema in dieser Zeit, die sich auch darin ausdrückte, dass sich wiederholt der Oberste Gerichtshof der USA mit der Frage der Rechtmäßigkeit der Todesstrafe beschäftigte und diese, ihre Anwendung und die Urteilsfindung immer genauer definierte. Durch diese rechtliche Unsicherheit war die Vollstreckung von Todesurteilen in Amerika ab 1968 faktisch auf Eis gelegt. Im Juni 1972 schließlich befand der Supreme Court in einer Entscheidung, dass das Verfahren, mit dem in Georgia Todesurteile gefällt wurden, nicht der amerikanischen Verfassung entsprach. Mit dieser Entscheidung verbot das Oberste Gericht de facto die Todesstrafe in 40 Bundesstaaten, denn in allen diesen galten die gleichen Vorgaben wie in Georgia. Die daraufhin neu verfassten Gesetze der Bundesstaaten wurden 1976 vom Supreme Court erneut überprüft und bestätigt - die Staaten gaben in den Gesetzestexten ab diesem Zeitpunkt Richtlinien vor, anhand derer erschwerende oder erleichternde Umstände bei der in Frage stehenden Tat zu beurteilen sind. Gleichzeitig bestätigte das Gericht die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafe an sich. Im Januar 1977 wurde in Utah das erste Todesurteil seit 1968 vollstreckt.

Während also die Anwendbarkeit der Todesstrafe vom höchsten amerikanischen Gericht als mit der Verfassung vereinbar bestätigt wurde und damit insgesamt grünes Licht erhielt, beschäftigte sich die Gerichtsbarkeit nichtsdestotrotz auch in den folgenden Jahren wiederholt mit der härtesten Form der Strafe. Dabei zog der Supreme Court unter anderem strengere Grenzen für die Verbrechen, die überhaupt mit dem Tode bestraft werden können. Zwar bezogen sich die Richter in ihren Urteilen dabei jeweils auf einzelne Bundesstaaten, um die Rechtmäßigkeit ihrer Gesetze nicht zu gefährden, haben aber auch die nicht betroffenen Bundesstaaten und die Bundesregierung (manche Straftaten, z.B. solche, die in mehreren Bundesstaaten ausgeübt werden, werden von Bundesgerichten verhandelt) ihre Rechtsprechung angepasst. 1994 erweiterte der damalige Präsident Bill Clinton die Liste der mit dem Tod zu ahndenden Verbrechen auf diverse Umstände für Mord, schloss aber auch Landesverrat und Drogenhandel in großem Stil mit ein. Unter dem Eindruck des Bombenanschlags von Oklahoma City sorgte Clinton 1996 für eine Kürzung der Berufungsmöglichkeiten für zum Tode verurteilte Straftäter.

Im Jahr 2007 strich der Bundesstaat New Jersey die Todesstrafe aus seinen Gesetzen, gefolgt von New Mexico im Jahr 2009 und Illinois in 2011. Gleichzeitig sinkt die Zustimmung in der Gesamtbevölkerung zur Anwendung der Todesstrafe auf neue Tiefststände. Einer Gallup-Umfrage zufolge befürworteten 2011 etwa 61% der Bevölkerung die Todesstrafe, das ist das niedrigste Level seit 1972.


 

 

 

Find us on Facebook

 

Follow us on Twitter

 

 

 

 

Americanet.de

 

Visit us on Pinterest

 

Join us on Google+

 

 

 

 

Übersicht Land und Leute

 

Impressum

 

 

 

 

This page in English: Death Penalty