Virginia

 

Richmond

VA Richmond Capitol

Einwohner:

217.900

Gründung:

1742

Lage:

Osten von Virginia

Offizielle Flagge:

Richmond

Es gibt nicht viele Orte in den USA, die eine ähnliche historische Bedeutung haben wie Richmond, die Hauptstadt des Bundesstaats Virginia. Schon bei der Entdeckung des Landes durch die Europäer spielte diese Region eine Rolle und während des Bürgerkriegs im 19. Jahrhundert wurde Richmond noch bedeutender. Eine Reise nach Richmond ist so immer auch eine Reise in die amerikanische Geschichte.

Schon im Jahr 1610 hatte es hier eine erste Siedlung europäischer Einwanderer gegeben, gegründet von Engländern aus der 1607 in der Nähe gegründeten Kolonie Jamestown, doch diese war wegen des Widerstands der Ureinwohner nur von kurzem Bestand. 1737 wurde dann ein Wegenetz angelegt und die so entstandene Ortschaft wurde nach der gleichnamigen englischen Stadt benannt, weil der Blick auf den James River dem im Original-Richmond auf die Themse so sehr glich. Fünf Jahre später erfolgte die eigentliche Stadtgründung. Schnell entwickelte sich die junge Stadt zum Handelsort. 1780 übernahm sie die Funktion als Hauptstadt Virginias von Williamsburg, doch das sollte sich als fatal erweisen, denn ein Jahr später brannten britische Truppen die Stadt beinahe komplett nieder. Gouverneur Thomas Jefferson entwarf im Anschluss das neue Capitol-Gebäude, das 1788 eröffnet wurde. Richmond erlebte erneut eine Phase des Wachstums und wurde zu einer der bedeutendsten Industriestädte des Landes. Diese Tatsache trug dazu bei, dass nach der Abspaltung des Südens 1861 Richmond zur Hauptstadt der Konföderation erwählt wurde. 1865 fiel die Stadt und brannte erneut - diesmal jedoch war es nicht der Feind, sondern die sich zurückziehenden Truppen der Südstaaten, die das Feuer legten. Wieder steig die Stadt aus der Zerstörung neu erstarkt auf und entwickelte sich zum Transportknotenpunkt. 1968, nachdem die Innenstadt in den Jahren zuvor einen Bauboom mit zahllosen neuen Gebäuden erlebt hatte, wurde die Virginia Commonwealth University gegründet, an der heute über 30.000 Studenten eingeschrieben sind.

Die Universität zählt zu den großen Arbeitgebern der Stadt, die daneben zahlreiche Unternehmen aus der Finanzbranche beheimatet. Zu den weiteren in der Stadt ansässigen Firmen zählen ein Teil von UPS und die Altria Group, die früher Philip Morris hieß. Darüber hinaus spielt auch der Tourismus eine Rolle für die Wirtschaftsleistung der Stadt. Deren Bevölkerung hatte bei der Volkszählung des Jahres 1970 den bisherigen Höchststand von knapp 250.000 erreicht, war danach aber deutlich geschrumpft. Seit dem Census von 2010 hat Richmond wieder mehr als 200.000 Einwohner. Die Bevölkerung ist zum überwiegenden Teil (50%) schwarz, knapp 40% sind Weiße und mehr als 6% sind Hispanics. Das Durchschnittsalter liegt bei 34 Jahren.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Richmond gehört natürlich in erster Linie das Virginia State Capitol (Capitol Square, geöffnet Montag-Samstag 8-17 Uhr, Sonntag 13-17 Uhr; Foto), das in geführten Touren erkundet werden kann. Die Virginia General Assembly, die hier ihre Sitzungen abhält, ist die älteste Legislative der westlichen Welt. Das nach Plänen von Thomas Jefferson errichtete Bauwerk wurde 1788 eröffnet und diente auch der Konföderation während des Bürgerkriegs als Sitz. In der Umgebung des Capitols befinden sich zahlreiche sehenswerte Denkmäler. Ebenfalls von historischer Bedeutung ist die Kirche St. John’s Episcopal Church (2401 East Broad Street). Die zweite und dritte der Virginia Conventions, mit denen die Unabhängigkeit der USA von Großbritannien vorbereitet wurde, fanden in dem Gebäude statt, das 1741 erbaut worden ist. Auf dem kleinen Friedhof der Kirche liegen einige prominente Bürger Virginias begraben, unter anderem die Mutter Edgar Allan Poes. Nicht weit entfernt, nördlich der Broad Street, befindet sich das historische Stadtviertel Jackson Ward, das traditionell afro-amerikanisch geprägt ist. Nach dem Ende des Civil War waren viele befreite Sklaven hierher gezogen, später wurde der Stadtteil als “Harlem des Südens” bekannt. Im Jackson Ward befinden sich einige historische Kirchengebäude und seit einiger Zeit auch eine größere Zahl von Kunstgalerien. Beachtenswert ist die Maggie L. Walker National Historic Site (600 North Second Street): Mit dieser wird das ehemalige Wohnhaus von Maggie Walker bewahrt; der ersten Frau, die in den USA Präsidentin einer Bank wurde. Es werden geführte Rundgänge angeboten. Ebenfalls an der Broad Street befindet sich das Science Museum of Virginia (2500 West Broad Street, geöffnet Dienstag-Samstag 9:30-17 Uhr, Sonntag 11:30-17 Uhr). In dem Wissenschaftsmuseum gibt es Ausstellungsstücke unter anderem zu den Themen Physik, Anatomie und Energiegewinnung. Für kleine Besucher gibt es einen separaten, interaktiven Bereich.

Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um das einzige Museum Richmonds. Zu erwähnen ist unter anderem auch das Virginia Museum of Fine Arts (200 North Boulevard, geöffnet Samstag-Mittwoch 10-17 Uhr, Donnerstag und Freitag bis 21 Uhr), das zwar vom Bundesstaat Virginia betrieben, aber maßgeblich von privaten Förderern und Initiativen ausgestattet wird. Bei kostenlosem Eintritt bekommen Besucher eine Auswahl aus den über 22.000 Kunstwerken zu sehen, die zum Fundus des Museums gehören, darunter eine große Sammlung von Fabergé-Eiern und Sammlungen unter anderem von europäischer, antiker und asiatischer Kunst. Gleich nebenan hat sich die Virginia Historical Society niedergelassen (428 North Boulevard, geöffnet Montag-Samstag 10-17 Uhr, Sonntag 13-17 Uhr), das sich in seiner ständigen Ausstellung mit der Geschichte Virginias beschäftigt und in wechselnden Sonderschauen historische Geschehnisse aufbereitet.

Immer wieder Thema in Richmond ist die Rolle der Stadt im Civil War. Diese wird anschaulich im Museum of the Confederacy (1201 East Clay Street, täglich geöffnet 10-17 Uhr), das sich mit der Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs und der kurzlebigen Konföderation der Südstaaten beschäftigt. Eine ganz andere Perspektive eröffnet das American Civil War Center, das in den Tredegar Iron Works, einem ehemaligen Eisenwerk also, untergebracht ist (500 Tredegar Street, täglich geöffnet 9-17 Uhr). In diesem Werk war während des Bürgerkriegs ein Großteil des Kriegsmaterials für die Truppen des Südens hergestellt worden. In dem Gebäude befindet sich heute auch das Besucherzentrum des Richmond National Battlefield Parks, in dem insgesamt mehr als 30 historisch signifikante Stätten aus der Zeit des Civil War zusammengefasst sind, darunter etliche Orte, an denen wichtige Schlachten stattgefunden haben.

Ende des 19. Jahrhunderts, nach dem Krieg, wurde Richmond wieder einmal in weiten Teilen neu aufgebaut. Ein Element dieser Neugestaltung ist die Monument Avenue, die nicht nur von historisch bedeutsamen Gebäuden gesäumt wird, sondern eben auch Standort mehrerer sehenswerter Denkmäler ist. Zuletzt kam 1996 ein Denkmal für den aus Richmond stammenden Tennisspieler Arthur Ashe hinzu - das allerdings deutlich kleiner als die anderen ist. Eröffnet worden war die Monument Avenue 1890 mit dem insgesamt 18 Meter hohen Reiterstandbild des Südstaatengenerals Robert E. Lee. Sehenswert ist auch das 1907 entstandene Denkmal für den Südstaatenpräsident Jefferson Davis mit einem umrahmten Obelisken.

Neben der Geschichte hat auch die Kultur eine Hauptrolle in Richmond übernommen. Virginias Hauptstadt weist für eine Stadt ihrer Größe eine erstaunliche Dichte und Vielfalt an Bühnenkunst auf. Einer der Aufführungsorte ist das Landmark Theater (6 North Laurel Street), das 1927 eröffnet wurde und mehr als 3500 Zuschauern für Theater und Musicals Platz bietet. Konzerte und andere musikalische Darbietungen finden vor allem im 1923 erbauten National Theater statt (700 Broad Street), das Anfang des 21. Jahrhunderts aufwändig renoviert worden war. Das jährlich im März stattfindende Festival für französische Filme findet hauptsächlich im 1928 erbauten Byrd Theatre im Stadtteil Carytown statt (2908 West Cary Street) und wird von der Virginia Commonwealth University ausgerichtet.

Neben all diesen Sehenswürdigkeiten bietet Richmond aber auch mehrere Orte, die zu einem Ausflug unter freiem Himmel einladen. Vor allem entlang des James Rivers finden sich viele schöne Plätze, denn auf beiden Seiten des Flusses wurde ein System aus Grünanlagen mit Rad- und Spazierwegen geschaffen. Im Byrd Park befinden sich darüber hinaus diverse Sportfelder und eine Laufstrecke sowie einen kleinen See mit Tretbootverleih. Ein Amphitheater im Park ist im Sommer Schauplatz von Konzerten. Gleich in der Nähe befindet sich der Maymont Park, der seinerseits sogar mit einem Streichelzoo, einer Kutschensammlung und einem schönen japanischen Garten mit Koi-Teich und einem Wasserfall aufwarten kann. Mittelpunkt des Parks ist das viktorianische Dooley Mansion aus dem Jahr 1890, das besichtigt werden kann. Im Fluss befinden sich weiterhin zwei Inseln, die gerne als Ausflugsziele genutzt werden. Die größere der beiden, Belle Isle, diente einst als Kriegsgefängnis und ist heute ein Naherholungsgebiet mit einem ausgedehnten Wegenetz. Wer dieses nutzt, gelangt auch in entlegene Gebiete, in denen sich zahlreiche Tiere und Pflanzen wohlfühlen. Der Fluss selbst kann mit dem Paddelboot erkundet werden, bei gutem Wetter lädt er sogar zum Schwimmen ein.


 

 

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