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Jimmy Carter

Jimmy Carter

Als Jimmy Carter 2002 den Friedensnobelpreis erhielt, da geschah dies in Anerkennung seines sozialen Engagements zur Bekämpfung von Armut und Obdachlosigkeit; in Würdigung seiner Bemühungen um Frieden und Völkerverständigung, unter anderem durch Vermittlerrollen in Haiti und Bosnien-Herzegowina und vor allem vor dem Hintergrund seines Einsatzes für die Menschenrechte über das von ihm gemeinsam mit seiner Frau gegründete Carter Center. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass alle diese Aktivitäten begannen, nachdem Carters Präsidentschaft geendet hatte. Dennoch sind auch die vier Jahre, in denen Jimmy Carter als 39. Präsident der USA im Weißen Haus saß, in vielerlei Hinsicht bedeutsam gewesen. In einer schwierigen Zeitepoche wurde das von den Amerikanern am Ende seiner Amtszeit jedoch mehrheitlich anders gesehen und so verlor er die Wahlen 1981 deutlich gegen Ronald Reagan.   

James Earl Carter wurde am 1. Oktober 1924 in der Kleinstadt Plains in einer ländlichen Region von Georgia geboren. Seine Familie war über Generationen als Baumwollfarmer tätig gewesen, Jimmys Vater allerdings verdiente sein Geld hauptsächlich mit einem Gemischtwarenladen, den er eröffnet hatte. Die Familie zog kurz nach der Geburt des ersten Sohnes mehrfach um und ließ sich schließlich, mit inzwischen vier Kindern, in einem Ort namens Archery nieder, dessen Einwohnerschaft zum überwiegenden Teil aus schwarzen Erntehelfern und deren Familien bestand. Zu jener Zeit lebten die Rassen, vor allem im Süden, meist strikt voneinander getrennt. Von Jimmy wird allerdings berichtet, dass er auch mit den schwarzen Kindern Freundschaften pflegte. Später, als Teenager, begann er damit, auf den Ländereien, die seinem Vater gehörten, Erdnüsse anzubauen. 

In wirtschaftlich schweren Zeiten während der Weltwirtschaftskrise konnte es sich die Familie trotzdem erlauben, Jimmy elf Jahre lang zur Schule zu schicken. Anschließend besuchte er die Marineakademie in Annapolis, womit er sich einen langgehegten Wunsch erfüllte. Nach seinem Abschluss dort 1946 heiratete Carter seine Jugendliebe Rosalynn Smith, die für die nächsten Jahre mit ihrem frischgebackenen Ehemann auf verschiedenen Marinebasen wohnte, unter anderem auf Hawaii und in California. 1947 kam das erste Kind der beiden zur Welt, John William, zwei weitere folgten kurz darauf. 1952 wurde Carter zum U-Boot-Kommandanten befördert.

Im Jahr darauf, als Jimmy Carter gerade in New York stationiert war, verstarb plötzlich der Vater. Als Erstgeborener musste er nun die Entscheidung treffen, ob er die Marine-Karriere, die er so lange angestrebt hatte, fortsetzen sollte oder zuhause in der Provinz in das von Rosalynn ungeliebte Plantagengeschäft zurückkehren sollte. Letztlich entschied er sich für die Familientradition, musste aber feststellen, dass der Umstieg alles andere als leicht war. Tatsächlich musste die Familie für einen längeren Zeitraum in Sozialwohnungen leben, bevor sich die Erdnussplantage schließlich erfolgreich entwickelte. Wie viele andere gerieten Carter und sein Geschäft jedoch in den 50er Jahren in den Sog der politischen Entwicklungen. In jenen Jahren wurde eine Lockerung oder Aufhebung der geltenden Gesetze der Rassentrennung diskutiert und Carter, der durch seine Zeit in den Nordstaaten und sein Aufwachsen in dieser Frage eine tolerante Haltung vertrat, geriet bei einigen Weißen deswegen in die Kritik. Als der Supreme Court 1954 die Trennung des Schulsystems nach Rassen verbot und die Stimmungen im Süden deswegen überkochten, riefen Gruppierungen dazu auf, Carters Plantage zu boykottieren, weil dieser sich positiv zu der Entscheidung geäußert hatte.

Vielleicht trug dieser Gegenwind dazu bei, dass sich Carter in der Folge innerhalb der Community seines Heimatorts verstärkt engagierte. In die Politik jedoch gelangte er eher zufällig, als 1962 in Folge einer Reform des Wahlsystems ein Sitz im Senat von Georgia frei wurde, er zwei Wochen vor dem Wahltermin spontan seinen Hut in den Ring warf und nach einigen Irrungen und Wirrungen gewählt wurde. In der Politik drehte sich in jenen Jahren alles um die Frage der Rassentrennung und Carter setzte sich, wenn auch eher vorsichtig, für deren Aufhebung ein.

Nach einer schon in den parteiinternen Vorentscheidung erfolglosen Kandidatur für den Posten des Gouverneurs von Georgia 1966 ging Carter dasselbe Vorhaben vier Jahre später mit gründlicher Vorbereitung an. In der Bewertung seines Wahlkampfs gehen die Meinungen auseinander. Jimmy Carter wählte eine deutlich konservativere Tonart als er sie zuvor vertreten hatte und manche Aktion des Wahlkampfs grenzte zumindest an Rassismus. Einige werfen Carter diese Haltung als seine tatsächliche Meinung vor, andere sehen darin eine taktische Vorgehensweise, die ihm im starr konservativen Georgia schließlich zum Sieg verhalf. Festzuhalten bleibt, dass sich die Politik Carters als Gouverneur ab 1971 deutlich von den scharfen Tönen des Wahlkampfs unterschied. Bereits in seiner Antrittsrede verkündete er, dass die Zeit der Rassentrennung vorüber sei und dass kein schwarzer Mitbürger jemals mehr unter Diskriminierung zu leiden haben würde. Diese Rede sorgte für Erstaunen und Verärgerung unter den Konservativen, die Carters Kampagne unterstützt hatten. Auch in anderer Hinsicht machte der neue Gouverneur schnell klar, dass er nichts von Seilschaften hielt. Er erweiterte den Einflussbereich des Gouverneurs und berief zahlreiche Schwarze in wichtige Posten im Bundesstaat.

Schon recht bald begann Carter damit, sich einem landesweiten Publikum bekannter zu machen - anfangs eine sehr mühselige Angelegenheit, denn außerhalb Georgias kannte den Politiker so gut wie niemand. Auch zum Zeitpunkt der Verkündung seiner Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen war das nicht anders und genau das sollte ihm zugute kommen. Denn nach dem Watergate-Skandal misstrauten viele Menschen dem Establishment in Washington nachhaltig und waren bereit, einem unbekannten Außenseiter ihre Stimme zu schenken, zumal er damit warb, im System in der Hauptstadt aufräumen zu wollen. Zudem zeigte er erneut sein besonderes Geschick für den Wahlkampf: Während er in den Südstaaten ein zurückhaltend-progressives Image zeigte, trat er im Norden deutlich konservativer auf. Am Ende gewann sein Gegner Gerald Ford die Stimmen aller Bundesstaaten im Westen der USA, während Carter den gesamten Süden einschließlich Texas und den größten Teil des Nordostens für sich entschied.

Wer heute Jimmy Carters Lebenswerk betrachtet, kommt in der Regel zu dem Schluss, dass die Jahre seiner Präsidentschaft 1977-1981 nicht der bemerkenswerteste Abschnitt seiner Biographie sind. In den in Amerika beliebten Rankings von Präsidenten landet Carter regelmäßig im hinteren Drittel. Begonnen hatte er seine Präsidentschaft mit einer Generalamnestie für all jene, die sich dem Einberufungsbescheid zum Vietnamkrieg entzogen hatten; ein Schritt, der weithin begrüßt wurde. Schon bald aber drehte sich die Stimmung und vor allem die zweite Hälfte der Amtszeit führte dramatischen Verlusten bei der Zustimmungsrate für den Präsidenten. Allerdings hatte Carter es auch nicht leicht in seiner Amtszeit: Die Energiekrise und eine Rezession fielen in diese Zeit, ebenso die Geiselnahme von Teheran, bei der 52 amerikanische Diplomaten über ein Jahr lang von Anhängern der iranischen Revolution gefangen gehalten wurden. Carter versuchte unterdessen, außenpolitisch Akzente zu setzen. So veranlasste er die Rückgabe des Panamakanals an Panama und brachte Israel und Ägypten 1978 in Camp David zusammen, wo ein erster Friedensvertrag im Nahostkonflikt unterzeichnet wurde. Andererseits jedoch verschärfte sich der Ost-West-Konflikt in jener Zeit, als die Sowjetunion 1979 in Afghanistan einmarschierte und die USA in der Folge die Olympischen Spiele in Moskau boykottierten. Die erfolgreichen Verhandlungen mit Breschnew zum SALT II-Abkommen zur Verringerung der Atomwaffen wurden Carter im Zuge dieser Entwicklungen als Zeichen der Schwäche ausgelegt. Insgesamt hatte sich die öffentliche Meinung zu Carter während seiner Präsidentschaft so entscheidend gedreht, dass er in den Wahlen 1980 seinem Konkurrenten Ronald Reagan aussichtslos unterlegen war und nur die Wahlmännerstimmen von gerade einmal sechs Bundesstaaten gewinnen konnte.

Aus dem Weißen Haus nach der Wahl nach Georgia zurückgekehrt, widmete sich Carter wieder seiner Erdnussfarm, vor allem aber engagierte er sich für verschiedene Zwecke. Er reiste mehrmals in den Nahen Osten und hatte unter anderem Kontakt mit Syriens Assad und Anführern der Hamas. In Nordkorea sprach er mit Kim Il-Sung über ein Abkommen zur nuklearen Abrüstung und in Kuba sprach er mit Fidel Castro. Immer wieder wandte er sich bei diesen Gelegenheiten mit kritischen Worten gegen die Politik der amtierenden US-Regierungen, etwa bezüglich der Beziehungen zu Kuba, den Vorgängen im Lager Guantanamo oder dem Irak-Krieg.

Am bekanntesten ist aber sicher seine Arbeit mit dem Carter Center, einer 1982 gegründeten, wohltätigen Organisation. Diese setzt sich allgemein für die Einhaltung der Menschenrechte und für Demokratie ein und wurde 2002 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ziel der Organisation ist es, den ärmsten Menschen der Welt Zugang zu Wissen zu verschaffen, damit sie sich selbst in schwierigen Situationen helfen können. Daneben unterhält sie Gesundheitsprogramme in den ärmsten Regionen der Welt. Carter ist daneben bei Habitat for Humanity engagiert, einer Organisation, die günstige, aber stabile und erschwingliche Wohnhäuser für die Ärmsten baut.

Jimmy Carters Ansehen ist vor allem dank der letztgenannten Initiativen nach seiner Präsidentschaft auf deutlich höhere Werte gestiegen als währenddessen. Er ist heute ein gefragter Redner, Schirmherr und Buchautor. Im August 2015 gab Carter bekannt, dass bei ihm Krebs diagnostiziert worden ist. Er befindet sich seitdem in Strahlentherapie. 


 

 

 

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