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John Muir

John Muir

Einer der naturbelassensten Abschnitte der Sierra Nevada in Kalifornien ist ein rund 140 Kilometer langes Gebiet in den Höhenlagen des Sierra Nationalwalds oberhalb des Kings Canyon Nationalparks. Wer sich in diesem Wildnisgebiet aufhält, kommt der Natur ganz besonders nahe, auf beinahe durchgängig mehr als 3000 Metern Höhe ist man oft allein mit sich, dem Kiefernwald und einem Klima, das auch für den Mai noch Schnee vorsieht. Dieses Gebiet ist nach John Muir benannt, ebenso wie ein Gletscher im Glacier Bay National Park in Alaska. Doch wer war der Mann, dessen Name so oft im Zusammenhang mit Nationalparks genannt wird?  

John Muir wurde am 21. April 1838 in Dunbar als drittes von letztlich acht Kindern in Schottland geboren. Als John elf war, siedelte die Familie nach Amerika um, weil der tiefgläubige Vater die kirchliche Praxis der Church of Scotland als nicht ausreichend empfand und er sich in der Neuen Welt mehr religiöse Möglichkeiten erhoffte. Die Muirs ließen sich zunächst auf einer Farm in der Nähe des Ortes Montello in Wisconsin nieder, wo John sich bald daran machte, die Natur der Umgebung zu erkunden. 

Im Alter von 22 schrieb John Muir sich auf eigene Faust an der University of Wisconsin in Madison ein, um Chemie zu studieren. Dies festigte seine Liebe zu den Naturwissenschaften im Allgemeinen. Einen Abschluss errang er jedoch nicht. Wenig später brach der Bürgerkrieg aus und John folgte seinem Bruder Daniel, der sich der Einberufung entzogen hatte, nach Ontario in Kanada, wo er zunächst fast ein Jahr damit verbrachte, die Wälder und Sümpfe am Ufer  des Lake Huron zu erkunden, bevor er mit Daniel zusammen Arbeit in einem Sägewerk annahm. Auch während dieser Zeit jedoch setzte er seine Erkundungstouren fort und stellte eine umfangreiche botanische Sammlung der Pflanzen zusammen, die er dabei fand.

1866 ging Muir nach Indiana, von wo aus er ein Jahr später zu einer Wanderung aufbrach, mit der er nach Florida gelangen wollte - eine Entfernung von rund 1600 Kilometern oder 1000 Meilen, die er später zu einem Buch  verarbeitete. Muir hatte sich für diesen gewaltigen Trip keine Strecke markiert, er marschierte einfach drauflos und folgte, wie er später beschrieb, immer dem “wildesten, überwuchertsten und am wenigsten gegangenen Weg”. In Florida angekommen, bestieg er nur drei Tage später ein Schiff, mit dem er nach Kuba übersetzte, nur um kurz darauf wieder mit einem Schiff nach New York und von dort aus dann nach Kalifornien zu reisen, wo er sich in San Francisco niederließ.

Hier in Kalifornien hatte John Muir endlich die Gelegenheit, den Ort zu besuchen, über den er schon so viel gelesen hatte: Yosemite. Er beschrieb später in einem Buch seine Empfindungen, als er das Gebiet zum ersten Mal leibhaftig zu sehen bekam: “Ich war überwältigt von der Landschaft; rutschte steile Felsabhänge hinunter, um einen besseren Blick auf die Wasserfälle zu bekommen; ich schrie meine Freude über die Aussichten heraus und sprang ohne Ermüden von Blume zu Blume.” Nach seinem ersten Besuch ließ Muir sich im Yosemite nieder. Nur selten fand er ein beständiges Einkommen - mitunter konnte er für Holzfäller arbeiten oder er verdingte sich als Schafhirte -, aber von solchen weltlichen Zwängen ließ er sich nicht beeindrucken. Muir konstruierte eine Hütte, in der er lebte und die so angelegt war, dass ein Bach durch sie hindurch floß, damit er “das Rauschen des Wassers hören” konnte. Drei Jahre lang lebte er auf diese Art im Yosemite und betrieb geologische und botanische Studien. Viele Wissenschaftler, Fotografen und andere Besucher suchten ihn auf, um sich von ihm das Gebiet führen zu lassen. Eines Tages kam Ralph Waldo Emerson vorbei, dessen Schriften Muir seit Jahren jeden Tag gelesen hatte. Emerson war begeistert davon, wie sehr Muir sich für sein Werk interessierte und so beeindruckt von dessen naturwissenschaftlichen Kenntnissen, dass er ihm eine Professorenstelle in Harvard anbot, was Muir aber ablehnte. Stattdessen reiste er in den Folgejahren in weitere Naturlandschaften der USA, vor allem im pazifischen Nordwesten und in Alaska, wo er die Gletscher erforschte.

Bestärkt durch die selbst gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse und besorgt über die zunehmende Nutzung des Yosemite-Gebiets, das ihm so ans Herz gewachsen war, vor allem als Weideland, legte Muir fortan den Schwerpunkt auf Naturschutz. Mit Hilfe eines befreundeten Zeitschriftenherausgebers gelang es ihm, die Öffentlichkeit und den Congress von der Notwendigkeit des Schutzes zu überzeugen und 1890 wurde ein Gesetz erlassen, das Yosemite unter Schutz stellte und zum Nationalpark machte, allerdings nicht in dem Umfang, in dem Muir es gewünscht hatte. 1892 gründete er gemeinsam mit anderen Interessierten den Sierra Club.

Der Sierra Club, unterstützt von namhaften Wissenschaftlern, Künstlern und Journalisten, etablierte sich schnell als Naturschutzorganisation mit gutem Draht nach Washington. Die wichtigsten Ziele in den Anfangsjahren des Clubs waren die Einrichtung der Nationalparks Glacier und Mount Rainier und die Erweiterung des Gebiets des Yosemite Nationalparks um die Umgebung des Yosemite Valleys. Um dies zu erreichen, setzte der Sierra Club auf Informationsveranstaltungen und Veröffentlichungen. Im Jahr 1903 entschied sich schließlich Präsident Theodore Roosevelt dafür, sich die Sache selbst anzusehen. Er reiste nach Yosemite und ging mit Muir auf einen Camping-Trip, der den Präsidenten, ebenso wie Muirs kundige Ausführungen, sehr beeindruckte. 1906 wurden dem Park weitere Gebiete zugeschlagen, Muirs Hoffnung auf einen umfassenderen Schutz war erfüllt.

In den Folgejahren wurde Muir immer bekannter und er nutzte diese Popularität zunehmend, um über Natur und Landschaft zu informieren, Bücher zu schreiben und sich für den Schutz weiterer Gebiete einzusetzen. Nicht immer war er damit erfolgreich; 1913 etwa wurde ein Damm im Hetch Hetchy Valley von Präsident Wilson genehmigt, gegen den Muir lange gekämpft hatte. In diesen Jahren wurden seine Schriften zunehmend philosophisch, er beschrieb die Natur in einem Konzept von Heimat und betonte die vom Schöpfer geschaffene Schönheit auch im kleinsten Detail der Natur.

John Muir starb am 24. Dezember 1914 in einem Krankenhaus in Los Angeles an einer Lungenentzündung. Er gilt bis heute als “Schutzheiliger der amerikanischen Wildnis” und als Pionier des Freigeists. Das Bestehen des Yosemite Nationalparks in seiner heutigen Form geht auf Muir zurück, ebenso wie die Gründung des Sierra Clubs, der auch nach seinem Tod noch zahlreiche Schutzprojekte erfolgreich etablierte.          


 

 

 

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