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Prohibition

Prohibition

Die Prohibition bezeichnete in den USA ein landesweites Verbot der Herstellung, Verbreitung, Import und des Transports alkoholischer Getränke, nicht aber des Genusses oder Besitzes. Ausgenommen von der Regelung waren medizinische Zwecke. Sie bestand zwischen Januar 1920 und Dezember 1933 und wurde reguliert durch den 18. Verfassungszusatz (amendment), der durch eine Resolution des Senats im August 1917 angestoßen worden war. Vor Inkrafttreten des landesweiten Gesetzes hatten einige Bundesstaaten bereits ähnliche Vorschriften erlassen. Die Zustimmung in den beiden Häusern des Kongresses und bei den Abgeordneten sowohl der demokratischen als auch der republikanischen Partei groß; das Gesetz wurde zum damaligen Zeitpunkt als echter Fortschritt gefeiert. Im Laufe seiner Gültigkeit jedoch erwies sich die Prohibition auch als Grund für viele auftretende Probleme, wobei vor allem der nachhaltige Macht- und Einflusszuwachs für das organisierte Verbrechen zu nennen ist.

Alkohol und die Probleme, die aus seinem Konsum entstehen können, waren schon früh in der Geschichte des Landes ein Thema, mit dem sich die Regierenden beschäftigten. Schon 1657 wurde in der Kolonie Massachusetts der Verkauf von alkoholischen Getränken verboten und generell galt Alkohol, zumindest übermäßiger Genuss, unter den Puritanern als verpöntes Laster. In der Folgezeit stand Alkohol vor allem im Zusammenhang mit seiner Besteuerung in der öffentlichen Diskussion, so zum Beispiel auch im Rahmen der Revolution gegen England oder während der sogenannten Whiskey-Rebellion in Pennsylvania 1791.

Um die Jahrhundertwende begann sich der Kampf gegen Alkohol zu organisieren, zunächst auf regionaler Ebene und 1826 dann mit der landesweit aktiven American Temperance Society, die in kurzer Zeit mehr als eine Million Mitglieder hatte. Die Temperenzler beschränkten sich mit ihren Forderungen allerdings nicht nur auf destillierte Getränke, sondern traten vielmehr als religiöse Instanz auf, die für allgemeine Zurückhaltung und Enthaltsamkeit eintrat. Nach dem Bürgerkrieg, der 1865 endete, gewann die auch als Dry Crusade (“Kreuzzug für Trockenheit”) bezeichnete Bewegung erneut an Fahrt, vor allem unterstützt durch Kirchen verschiedener Glaubensrichtungen. Es ist wichtig festzuhalten, dass Frauen eine große Rolle in der Bewegung spielten, weil viele von ihnen Opfer von Gewalt wurden, wenn ihre Männer tranken. Die Anfänge des Kampfes zur Erlangung des Frauenwahlrechts lagen ebenfalls in der Prohibitionsbewegung. Zu den Aktionen der Alkoholgegner gehörten unter anderem öffentliche Gebete und Demonstrationen vor den Türen von Bars. Radikalere Aktivisten jedoch gingen auch in die Bars hinein und zerschlugen dort die Flaschen und Fässer. Eines der bekanntesten Gesichter dieser militanten Sektion war das der stets mit einem Beil bewaffneten Carrie A. Nation.

Entlang der sich gegenüberstehenden Fronten für und gegen den Bann alkoholischer Getränke wurde bald ein tiefergehender Spalt innerhalb der amerikanischen Gesellschaft deutlich. Die Saloons, in denen Bier und anderes ausgeschenkt wurde, befanden sich vor allem in den Städten, in die immer mehr Menschen zogen, vor allem auch die neu ankommenden, oft armen Immigranten. Die konservative Landbevölkerung beobachtete dies mit Argwohn und brachte Probleme wie Korruption oder Gewalt mit dem Alkohol und zumindest indirekt mit dem Zustrom von armen Migranten in Verbindung. Dies könnte mit ein Grund dafür gewesen sein, dass die beiden Parteien im Präsidentschaftswahlkampf 1916 keine klare Position in der Frage bezogen. Im neu gewählten Kongress ab 1917 jedoch waren die Abgeordneten, die sich für eine Prohibition aussprachen, deutlich in der Mehrheit. Bestärkt wurde die Bewegung zudem durch den 19. Verfassungszusatz in 1920, mit dem Frauen das Wahlrecht erhielten und mit dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg gegen Deutschland 1917, wodurch die Stimmen der allgemein klar gegen eine Prohibition stehenden deutschstämmigen Amerikaner deutlich an politischem Gewicht verloren.

Am 17. Januar 1920 trat die Prohibition im ganzen Land in Kraft. Das hatte schnell Auswirkungen, die von den Gesetzgebern in diesem Ausmaß nicht vorhergesehen worden waren. Beinahe unmittelbar nach Inkrafttreten etablierten sich perfekt funktionierende Schmuggelrouten sowohl aus Kanada als auch aus der Karibik in die USA, in den Städten gab es Tausende Kneipen, sogenannte speakeasies, in denen illegal und oft mit Wissen der Polizei Alkohol ausgeschenkt wurde und manchmal auch illegales Glücksspiel betrieben wurde. Das ungesetzliche Brennen von Alkohol, wegen der geheimen Vorgehensweise als moonshining bezeichnet, fand ebenfalls an vielen Orten statt und die gesamte Kette, von der Herstellung über den Transport bis zum Ausschank, war im ganzen Land schnell fest in den Händen der Mafia. Viele Anführer des organisierten Verbrechens, darunter Al Capone in Chicago, konnten ihren Reichtum und damit ihre Machtposition nur wegen der enormen Verdienstmöglichkeiten in den Zeiten der Prohibition ausbauen. In derAufhebung Prohibition Folge entstanden Machtkämpfe unter verschiedenen Mafia-Gliederungen, die schnell mit einer deutlichen Erhöhung der Zahl der registrierten Straftaten einherging. Es war von Anfang an eines der größten Probleme des gut gemeinten Gesetzes, dass seine Einhaltung nur sehr lückenhaft tatsächlich kontrolliert wurde. 

Trotz dieser Entwicklungen brachte die Prohibition auch positive Ergebnisse. Obwohl es nach wie vor relativ leicht war, an alkoholische Getränke zu gelangen, konnte der Konsum von Alkoholika Studien zufolge deutlich gesenkt werden, Untersuchungen gehen davon aus, dass etwa ein Level von 60% des Konsums vor Einführung der Prohibition erreicht wurde. Allerdings: Während die oberen Schichten recht ungeniert Spirituosen tranken, die zum Teil aus privaten Lagerbeständen stammten, blieb der Arbeiterklasse dieses Vergnügen oft verwehrt, was soziale Unzufriedenheiten auslöste und mit ein Grund dafür war, dass die Prohibition im März 1933 von Präsident Roosevelt wieder aufgehoben wurde - wobei er den legendären Satz sagte “Ich denke, jetzt ist Zeit für ein Bier”.

 

 


 

 

 

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