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Religion in den USA

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Betrachtungen der USA in gesellschaftlicher, kultureller und politischer Hinsicht kommen an den Themen Kirche und Religion nicht vorbei. Obwohl schon im First Amendment der Constitution (erster Zusatzartikel der Verfassung) festgehalten ist, dass es keine Staatsreligion gibt und der Supreme Court festgestellt hat, dass der Staat keinerlei Einfluss auf die Religion hat, ist Religiosität in den USA weiter verbreitet als in den meisten anderen Industrieländern der Erde. Von außen betrachtet, wirkt die Bedeutung des Glaubens in Amerika bisweilen befremdlich, auch auf Grund der Tatsache, dass sich die politischen Führer des Landes oft auf Religiöses berufen, um ihre Handlungen zu rechtfertigen. Dazu muss man jedoch verstehen, dass Kirche und Religion in Amerika anders gesehen werden, eine andere Bedeutung haben als etwa in Europa. Mehr als 80% der Amerikaner gehören einer Glaubensgemeinschaft an, rund 40% besuchen mindestens einmal pro Woche ein Gotteshaus und über 50% geben in Umfragen an, regelmäßig zu beten. Der Glaube, egal in welcher Ausrichtung, spielt damit im Leben der Amerikaner eine zentrale Rolle, wobei rund 75% einer christlichen Kirchengemeinschaft angehören. Davon wiederum gehört der überwiegende Teil einer evangelischen Kirche an, von der es zahlreiche Auslegungen gibt. Die zweitgrößte Religionsgruppe bildet das Judentum, das sich vor allem regional im Nordosten und Kalifornien konzentriert. Andere Glaubensrichtungen stellen nur einen geringen Teil der amerikanischen Bevölkerung.

Offiziell wird das Glaubensbekenntnis der Amerikaner nirgends erhoben, auch nicht bei der alle zehn Jahre stattfindenden Volkszählung; somit beruhen alle Zahlen zur Religionszugehörigkeit auf Umfragen. In den USA wird auch keine Kirchensteuer erhoben (Kirchen sind aber von der Steuer befreit), daher ist die finanzielle Ausstattung der Gemeinden ausschließlich von Spenden der Mitglieder abhängig. Dies erklärt zu einem Teil die vergleichsweise engere Bindung der Gläubigen an ihre Kirchengemeinde - und auch, warum manche Kirchen in Amerika schlichte Holzhäuser sind und keine opulent ausgestatteten Kathedralen. Ein wichtigerer Grund ist jedoch die soziale Funktion. In einem Land, in dem es so gut wie keine Sportvereine gibt, übernehmen andere Institutionen wie die Kirchen die Funktion des sozialen Treffpunkts. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung der USA durch eine hohe regionale Mobilität geprägt ist: Menschen ziehen viel öfter um als in Europa und wenn sie es tun, dann können zwischen alten und neuem Wohnort auch schon mal tausende Kilometer liegen. Eine Kirche derselben Glaubensgemeinschaft bildet dann einen vertrauten Punkt und Anlaufstelle für den Neustart.

Doch nicht nur für die Gläubigen selbst spielen Kirchengemeinschaften eine wichtigere Rolle als in Europa. Da das soziale Netz in den USA längst nicht so weit ausgebreitet wird, sind überall zahllose Amerikaner für wohltätige Zwecke engagiert. Die Kirchen sind in dieser Hinsicht oft die Schaltzentralen zur Identifikation, Organisation und Verteilung von Hilfen.

Tatsächlich ist die Religiosität in Amerika tief verwurzelt. Schon die Kolonisten aus Europa kamen unter anderem mit dem Ziel, an einem Ort zu leben, an dem sie ihrem Glauben nachgehen konnten. Im 17. Jahrhundert gründeten englische Puritaner Kolonien in New England, Quaker und Lutheraner gründeten Pennsylvania, Katholiken Maryland und Anglikaner Virginia. Auch kleinere Gruppen von Juden kamen zur selben Zeit an. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war zunächst eine vorübergehende Abkehr von Religion hin zu einem auf Moral ausgerichteten Weltbild zu erkennen, bevor die Kirchen in der Phase des First Great Awakening neues und bleibendes religiöses Interesse in den Siedlern erweckten. In den Südstaaten entwickelte sich mit den Baptisten eine Glaubensrichtung, die in sich deutlich demokratischer war als die etablierten Kirchen und der sich sowohl Weiße als auch schwarze Sklaven anschlossen. Weitere Wellen der Hinwendung zur Kirche ereigneten sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit der Eroberung des amerikanischen Westens und daran anschließend mit der verstärkten Einflussnahme der Kirchen in andere Lebensbereiche, etwa durch soziale Arbeit oder durch die Gründung kirchlicher Hochschulen.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich in den USA eigene Strömungen und Richtungen des Christentums; heute gibt es mehr als 200 verschiedene protestantische Glaubensgemeinschaften. Entsprechend der Geschichte der Besiedelung der verschiedenen Landesteile sind viele davon besonders regional konzentriert. So sind Katholiken im Nordosten der USA wesentlich häufiger als zum Beispiel in den Südstaaten. Im Bundesstaat Utah zählen sich mehr als 70% der Menschen zu den Mormonen.

Obwohl sich das Land solchermaßen vielseitig in Bezug auf seine religiöse Ausrichtung zeigt und obwohl die Zahl derer, die sich keiner Kirche zugehörig fühlen, stetig steigt und zur Zeit bei etwa 15-16% liegt, ist die Verbundenheit mit Gott ein prägendes und oft betontes Element amerikanischen Selbstverständnisses. So findet sich die Aufschrift “In God we trust” auf jeder Münze und jedem Dollar-Schein und mehr als 50% der Amerikaner lehnen es einer Umfrage zufolge ab, für einen Präsidentschaftskandidaten zu stimmen, der sich als Atheist bezeichnet. Allerdings: Einer anderen Erhebung zufolge sagen 67% der Amerikaner, dass Religion generell an Bedeutung verliert - mehr als die Hälfte der Befragten bedauert diese Entwicklung allerdings.


 

 

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