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Street Art und Graffiti

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Lange Zeit war für die künstlerische Verzierung öffentlicher Plätze und Orte der Begriff “Graffiti” die allgemeine Bezeichnung, doch inzwischen geht das Genre weit über das Besprühen und Bemalen von Oberflächen hinaus. “Street Art” umfasst heute neben Graffitis auch Phänomene wie Schablonenkunst oder Videoprojektionen auf öffentliche Flächen. Es besteht dabei eine klare Abgrenzung zum reinen Kennzeichnen von Oberflächen mit einem immer wiederkehrenden Zeichen (“Tagging”), das von den Vertretern der Street Art als Vandalismus angesehen wird. Street Art ist eine weltweit vorkommende künstlerische Ausdrucksform, doch die USA sind Heimat vieler besonders bekannter Beispiele.

In den 60er und 70er Jahren entwickelte sich vor allem New York City zu einem Zentrum öffentlicher Kunst, die zunächst allerdings wenig künstlerische Ansprüche hatte. Damals diente das Besprühen von Fassaden und Gegenständen in erster Linie der Kennzeichnung von Einflussbereichen von Gangs und bestand vorwiegend aus Buchstaben und Zahlen. Erst langsam entwickelten sich daraus Darstellungen, die allerdings vom weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht als Kunst, sondern als reiner Vandalismus angesehen wurde.

In der Bowery, einem Viertel in Manhattan, befindet sich an der Ecke zur Huston Street eine Wand, die schon früh von Graffitisprayern genutzt wurde und inzwischen eine Ausstellungsfläche für wechselnde Wandgemälde geworden ist - viele bekannte Namen aus der Street Art-Szene wurden bereits eingeladen, hier Werke zu schaffen. Anfang der 80er Jahre wurde hier auch Keith Haring aktiv, bis heute einer der bekanntesten Vertreter der Street Art. Haring hatte ebenfalls mit dem Bemalen von Subway-Zügen begonnen, hatte aber schon bald begonnen, auch andere Techniken zu verwenden. Sein einzigartiger Stil verschaffte ihm schnell eine gewisse Bekanntheit, was dazu führte, dass er bald in Städte in aller Welt eingeladen wurde, um dort Wandgemälde zu erstellen. Zwar wurde Haring oft wegen der fortschreitenden Kommerzialisierung seiner Kunst kritisiert, doch seine Betonung politischer Inhalte sorgte dafür, dass der Street Art allgemein mehr Aufmerksamkeit und letztlich auch mehr Akzeptanz entgegen gebracht wurde.brokenpromises

Ein anderer bekannter Name aus der Frühzeit der Street Art ist der von John Fekner. Der in New York City geborene Künstler arbeitete vor allem mit Buchstaben und kurzen, textlichen Botschaften und wie Haring trugen viele seiner Werke politische Botschaften in sich. Insbesondere der zunehmende Verfall von Gebäuden und Gesellschaft in seiner Heimatstadt wurde zum Gegenstand von Fekners Kunst, zum Beispiel in einem seiner bekanntesten Werke; den Botschaften, die er 1980 auf verfallende Gebäude an der Charlotte Street in der South Bronx auftrug (Foto rechts). Für seine Kunst verwendete Fekner in der Regel Sprayfarbe, die über Schablonen auf die Oberflächen aufgetragen wurde.

Heute sind die Grenzen zum normalen Kunstbetrieb - und dessen kommerzieller Komponente - fließend. Das lässt sich auch daran ablesen, dass gestalterische Elemente aus der Street Art in vielen anderen Lebensbereichen Einzug gefunden haben, zum Beispiel in der Mode oder in der Werbung. Damit verbunden ist auch die Tatsache, dass Vertreter des Genres heute als Künstler anerkannt sind und die Unterscheidung zum Graffiti schärfer geworden ist. Darüber hinaus gibt es inzwischen weltweit in vielen Städten Programme, in denen Künstler beauftragt werden, wenig ansehnliche Gebäudefronten oder Wände zu bearbeiten.

Ein ähnliches Projekt war auch 1986 in Philadelphia entwickelt worden. Das dortige “Mural Arts Program” zielte neben der Verschönerung des Stadtbilds auch darauf, Graffiti-Sprayer vom Verschandeln öffentlicher Flächen abzuhalten und ihr künstlerisches Können stattdessen zum Allgemeinwohl einzusetzen. Das mehrfach ausgezeichnete Programm hat inzwischen für mehrere hundert Wandbilder im Stadtbild von Philadelphia gesorgt, darunter auch das 180 Meter lange Werk “History of Immigration” (Caldwell Street). Auch in vielen anderen amerikanischen Städten lassen sich sehenswerte Beispiele für Kunst im Stadtgebiet finden, zum Beispiel im Viertel SoMa (South of Market) in San Francisco oder im Stadtteil Wynwood in Miami. In Sarasota, Florida, gibt es seit 2007 ein jährliches Street Art Festival, das sich allerdings nicht auf Wände, sondern auf Kreidemalerei auf dem Asphalt konzentriert.   

Inzwischen hat sich der Begriff der Street Art weiterentwickelt und umfasst nun deutlich mehr künstlerische Ausdrucksformen als nur bildliche Darstellungen. Zu nennen sind in dieser Hinsicht zum Beispiel Straßeninstallationen, bei denen Objekte etwa auf Bürgersteigen oder Plätzen aufgestellt werden. Ähnlich wie die frühen Graffitis sind diese Kunstwerke in aller Regel nur von kurzer Lebensdauer, da sie normalerweise umgehend entfernt werden. Eine andere, sehr originelle Variante ist das so genannte “Guerilla Knitting”, in Amerika meist “Yarn Bombing” genannt, bei denen öffentliche Installationen wie Statuen oder Hydranten, manchmal aber auch Bäume, mit farbenfrohen, gestrickten Überzügen versehen werden. Diese Art der Straßenkunst stammt ursprünglich aus Texas, hat sich aber ebenfalls international verbreitet.


 

 

 

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