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Vietnamkrieg

Der Vietnamkrieg von 1959 bis 1975 gilt als die größte militärische Niederlage in der Geschichte der USA. Der Krieg war das Resultat eines lange schwelenden Konflikts und Ausdruck der Auseinandersetzungen zwischen den Supermächten USA und UdSSR um globale Einflußnahme im 20. Jahrhundert. Was als Konflikt zwischen Nord- und Südvietnam begann und mit der Installation eines kommunistischen Regimes im Nordteil endete, wurde ein Krieg historischen Ausmaßes, in dem mehrere Millionen Zivilisten und Soldaten ihr Leben verloren.

Der seit Jahrhunderten andauernde Kampf der Vietnamesen um staatliche Souveränität fand seinen Höhepunkt mit der 1945 in der so genannten Augustrevolution von Ho Chi Minh erklärten Unabhängigkeit von der französischen Verwaltung. Ho hatte auf Unterstützung durch die USA gehofft, wurde aber nur wenig später enttäuscht, als auf der Potsdamer Konferenz die Besetzung Vietnams durch China und Großbritannien beschlossen wurde. Nach dem Abzug dieser Kräfte versuchten die Franzosen die Kontrolle über das Land zurückzugewinnen, was den ersten Indochinakrieg zwischen Frankreich und Ho Chi Minhs Truppen hervorrief. In den USA, die sich lange zurückgehalten hatten, entstand im Laufe der Zeit der Eindruck, Ho Chi Minh würde von der Sowjetunion unterstützt. Die USA wandten sich daher nach und nach gegen ihn. 1950, als Antwort auf die diplomatische Anerkennung der Republik im Norden Vietnams durch China und die UdSSR, erkannte US-Präsident Harry S. Truman die von den Franzosen eingesetzte Regierung an und begann, deren Militär mit Waffen und Geld zu unterstützen. Die Auseinandersetzungen endeten 1954 mit der militärischen Niederlage Frankreichs und der Unabhängigkeit von Süd-Vietnam, Kambodscha und Laos. Im Norden Vietnams entstand die sozialistische Demokratische Republik. Im Süden wurde Ngo Dinh Diem von den USA als Premierminister installiert.

Diem wandte in der Folge eine rigorose antikommunistische Politik an, zu der auch Verhaftungen, Folterungen und Hinrichtungen vermeintlicher Kommunisten gehörte. 1955 rief er die Republik Vietnam mit sich als Präsidenten aus. Diem prägte auch den Begriff Viet Cong für Gegner seines Systems. Ab 1957 begann Ho Chi Minh einen Untergrundkrieg gegen den Süden, während dessen hunderte südvietnamesische Zivilisten ermordet wurden. Zwei Jahre später wurden diese Taktik zu einer offenen Schlacht ausgebaut und Nordvietnam begann damit, seine Untergrundkämpfer im Südteil zu verstärken und über den Ho Chi Minh Trail, ein komplexes Straßen- und Wegesystem, das auch durch Laos und Kambodscha führte, mit Waffen und Material zu versorgen.

Der 1960 neugewählte US-Präsident John F. Kennedy sah Vietnam als das primäre Gebiet, in dem die USA der kommunistischen Einflußnahme auf andere Teile der Welt einen Riegel vorschieben mussten. Kennedy wandte sich jedoch gegen ein militärisches Eingreifen und unterstützte stattdessen verstärkt Diem und seine Truppen. Diese erwiesen sich jedoch immer mehr als ineffektiv, so dass Kennedy immer neue so genannte militärische Berater entsandte. 1962 waren bereits 12000 dieser Berater in Vietnam. Diem jedoch wurde im Angesicht wachsender Proteste im eigenen Land untragbar. Mit Wissen der Amerikaner wurde er im November 1963 gestürzt und hingerichtet. US-Botschafter Henry Cabot Lodge Jr. lud die Attentäter im Anschluß in die Botschaft ein, um ihnen zu gratulieren. Im Land entstanden chaotische Verhältnisse, die Ho Chi Minh für einen weiteren Ausbau seiner Aktivitäten nutzte. Die sich in rascher Folge ablösenden Militärregierungen im Süden brachtem dem Land keine Beständigkeit.

In diese Situation hinein fiel der Mord an Kennedy und der Nachfolgeantritt durch Lyndon B. Johnson. Ein Torpedoangriff auf ein US-Militärschiff, die USS Maddox  im Golf von Tonkin am 02. August 1964 schließlich veranlasste Johnson zu dem militärischen Eingreifen, das Kennedy hatte vermeiden wollen. Die USA flogen Luftangriffe gegen Stützpunkte der Ho Chi Minh-Truppen, während der Congress eine Resolution verabschiedete, die Johnson das Angriffsrecht gab, ohne formal den Krieg erklären zu müssen. Nach einem Angriff auf einen Stützpunkt des US-Militärs im März 1965 begann eine Serie von Bombenangriffen gegen Stellungen der nordvietnamesischen National Liberation Front NLF sowie auf den Ho Chi Minh Trail, auch auf laotischem und kambodschanischem Gebiet. Die Bombenangriffe erwiesen sich als wenig effektiv gegen die Guerillataktik der NLF, wurden jedoch drei Jahre lang fortgesetzt.

Nach Angriffen auf Stützpunkte der Air Force beschloss die militärische Führung, den Schutz dieser Einrichtungen selbst vorzunehmen und entsandte im März 1965 die ersten Bodentruppen. Wurden diese ersten 3500 Mann noch als defensive Kräfte verstanden, so wurde spätestens im Dezember desselben Jahres, als inzwischen 200.000 amerikanische Soldaten in Vietnam waren, deutlich, dass sich die taktische Ausrichtung geändert hatte. Die USA übernahmen die Kriegsführung von den Truppen des Südens, es war ein Krieg zwischen Amerika und dem Norden Vietnams geworden. Unterstützt wurden die Amerikaner von alliierten Kräften unter anderem aus Thailand, Australien, Neuseeland und Südkorea. Die Situation begann sich etwas zu entspannen, auch aus politischer Sicht. 1967 übernahm Nguyen Van Thieu die Geschäfte als Präsident Südvietnams und bildete die erste konstante Regierung seit dem Sturz Diems. In den USA dagegen wandte sich die Stimmung immer mehr gegen die Regierung und den Krieg. Die amerikanische Öffentlichkeit sah sich nach der überraschenden Tet-Offensive der Truppen Ho Chi Minhs von Lyndon B. Johnson und dem Oberbefehlshaber General William Westmoreland getäuscht, die über lange Zeit nur stark beschönigte Berichte aus Vietnam in die amerikanischen Medien gelangen ließen.

Johnson trat 1968 nicht mehr zur Wahl an, sein Nachfolger wurde Richard Nixon. Dieser verfolgte im Hinblick auf Vietnam eine Politik, die auf Stärkung der vietnamesischen Kräfte baute. Sein Umgang mit den Medien und der Öffentlichkeit war deutlich entspannter und auf internationaler Ebene bemühte er sich um eine Annäherung zwischen den USA, der UdSSR und China. Dennoch weiteten sich die Proteste in den USA weiter aus, besonders nachdem das Massaker von My Lai bekannt wurde, bei dem US-Soldaten hunderte unbewaffneter Zivilisten ermordet hatten. Nixon begann mit dem Abzug von Truppen, deren Moral auch durch die Proteste im eigenen Land zunehmend geschwächt wurde. Das vietnamesische Militär wurde von der Air Force unterstützt und die Führung in Washington musste schnell erkennen, dass ein aktives, zumindest unterstützendes Eingreifen der Amerikaner weiterhin nötig sein würde, damit der Süden den Krieg gewinnen könnte. Zur nächsten Präsidentschaftswahl 1972 waren bereits Gespräche zur Beendigung des Krieges geführt worden, die allerdings noch nicht öffentlich geworden waren. Am 15. Januar 1973 erklärte Nixon das Ende offensiver militärischer Aktionen durch die USA in Vietnam. Der Pariser Friedensvertrag wurde am 27. Januar 1973 von allen Beteiligten unterzeichnet und die Amerikaner begannen mit dem Abzug der Truppen.

Der Vertrag wurde im Dezember 1974 von Nordvietnam gebrochen, als eine Provinz im Süden von Truppen aus dem Norden angegriffen wurde. Die USA unter ihrem neuen Präsidenten Gerald Ford reagierten nicht. Angesichts des ausbleibenden Widerstands verstärkte der Norden seine Aktivitäten und übernahm 1975, finanziert und unterstützt durch die Sowjetunion, die Kontrolle über den Südteil des Landes. Van Thieu bezichtigte die USA, ihn getäuscht und betrogen zu haben und trat nach erneuten Vorstößen der Kräfte Nordvietnams zurück. Im April drangen die Angreifer nach Saigon vor, wo bereits seit Tagen die im Land verbliebenen Amerikaner mit Hubschraubern vom Dach des Botschaftsgebäudes evakuiert wurden. Als Zeichen für den letzten Abflug eines amerikanischen Helikopters wurde am 30. April das Lied White Christmas  im Radio gespielt und in einem letzten verzweifelten Akt versuchten Tausende Vietnamesen, viele von ihnen früher in Diensten der Amerikaner stehend, das Land zu verlassen, doch die Plätze im letzten Hubschrauber waren für die letzten US-Soldaten vorgesehen. Die um Hilfe flehenden Wartenden wurden zurückgelassen. Die Bilder vom Abflug des letzten Helikopters waren der Ausdruck für die Niederlage der USA, die in den Jahren zuvor mehr als 50.000 Soldaten in Vietnam verloren hatten. 1976 wurde die Sozialistische Republik Vietnam ausgerufen.


 

 

 

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