Im Nordosten von Georgia, etwa 100 Kilometer von Atlanta entfernt, liegt mit Athens eine Stadt, die weit über die Südstaaten hinaus bekannt ist. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zum einen ist Athens der Standort der University of Georgia, einer der ältesten und größten Universitäten des Landes mit einem ziemlich bekannten Footballteam. Zum anderen gilt die Stadt mit rund 125.000 Einwohnern als Heimat von mehreren bekannten Rockbands, darunter die wohl bekannteste, REM.

Athens entstand aus einem Ende des 18. Jahrhunderts errichteten Handelsposten am Ufer des Oconee Rivers. Hierhin wurde schon 1785 die Lizenz zur Errichtung einer staatlichen Universität vergeben. Die University of Georgia ist damit nicht nur in vielerlei Hinsicht der Mittelpunkt der Stadt, sondern auch deren Keimzelle. Erst 1806 erhielt der noch immer kleine Ort das Stadtrecht und bald darauf folgte schnelleres Wachstum, vor allem dank des erfolgreichen Anbaus von Baumwolle in der Region. Während des Bürgerkriegs war Athens zwar ein wichtiger Versorgungsort für die Armee der Südstaaten, erlitt jedoch nach der Niederlage der Konföderierten keinen Rückschlag, sondern entwickelte sich weiter. 1991 erfolgte der Zusammenschluss der bis dahin etwa 45.000 Einwohner zählenden Stadt mit dem Umland zu einer Verwaltungseinheit, was die Einwohnerzahl mehr als verdoppelte.

In der neueren Zeit hat sich Athens vor allem als Stadt der Musik einen Namen gemacht. Ab den 1950er Jahren entwickelte sich eine lokale Rockmusik-Szene. Das ist zum Teil der dank der Universität im Schnitt recht jungen Bevölkerung zu verdanken, zu einem anderen Teil der Existenz von Musikclubs und Bühnen wie dem 40 Watt Club (285 West Washington Street), dem Georgia Theatre (215 North Lumpkin Street) oder dem inzwischen geschlossenen Allen’s. Die berühmtesten Vertreter der Musikszene von Athens sind REM und die B-52’s, doch auch andere Musikrichtungen, darunter Bluegrass und Country, haben eine Heimat in der Stadt. Der musikalischen Tradition entsprechend finden mehrere Festivals im Laufe des Jahres statt, darunter das mehrtägige AthFest im Juni. Die Stadt ist darüber hinaus Heimat eines Sinfonieorchesters.

Tree That Owns Itself

Noch mehr Kultur gibt es im Georgia Museum of Art (90 Carlton Street), das zur Universität gehört und neben amerikanische Malerei auch eine beachtenswerte Auswahl von Werken aus der italienischen Renaissance zeigt. Eine weitere wichtige Sehenswürdigkeit ist der ebenfalls der University of Georgia angeschlossene State Botanical Garden (2450 South Milledge Avenue). Hier führt ein rund fünf Kilometer umfassendes Netz aus Spazierwegen durch die verschiedenen Bereiche, zu denen unter anderem ein Abschnitt mit gefährdeten Pflanzenarten gehört. Um eine weitere Pflanze im Stadtgebiet rankt sich eine Legende. An der Ecke Finley und Dearing Street steht eine Eiche, die als „Tree That Owns Itself“ bekannt ist. Der Baum soll der Überlieferung zufolge der Erbe des kleinen Grundstücks sein, auf dem er steht und sich somit gewissermaßen selbst gehören. Die Ursprünge der Geschichte gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück; der heute an der Stelle zu findende Baum ist der aus einer Eichel des Originals entstandene „Sohn“ des ursprünglichen Tree That Owns Itself. Eine weitere Sehenswürdigkeit im Stadtgebiet ist eine doppelläufige Kanone aus der Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs, die vor dem Rathaus zu finden ist, allerdings nie wirklich in Betrieb gewesen ist.


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