Lage Südosten von Louisiana
Einwohner 227.700
Beiname Red Stick
Gründungsjahr 1719

 

Louisianas Hauptstadt liegt im Süden des Landes, am Ufer des Mississippi und etwa 130 Kilometer nordwestlich von New Orleans. Sie ist die zweitgrößte Stadt des Bundesstaats und bildet den Mittelpunkt eines Ballungsraums, der in Louisiana als “Capital Area” bezeichnet wird und in dem insgesamt mehr als 800.000 Menschen leben.

Die moderne Geschichte Baton Rouges beginnt im Jahr 1699, als eine französische Expedition unter Führung von Pierre Le Moyne d’Iberville am Ufer des Mississippi eine Markierung entdeckte, mit dem die Völker der Houma und der Bayou Goula ihre Jagdgründe voneinander abgrenzten. Diese Abgrenzung bestand aus einem hölzernen Pfosten, an dem das Blut erlegter Tiere verschmiert war – ein roter Stock also, auf französisch “baton rouge”. Im Jahr 1719 errichteten die Franzosen an dieser Stelle einen Militärposten. Während im benachbarten New Orleans recht schnell eine lebhafte Kolonie entstand, blieb es um das Fort herum zunächst recht ruhig. Im Jahr 1755 vertrieben die Briten zahlreiche Einwohner aus Acadia, einer Kolonie im Nordwesten des Landes, von denen viele in die Region zogen. Diese Neuankömmlinge wurden als “Cajuns” bezeichnet und diese sollten für viele Jahre die kulturelle Vielfalt Louisianas prägen. Mit dem Vertrag von Paris im Jahr 1763 fiel die Region unter die Kontrolle der britischen Krone und gehörte nun zu deren Kolonie West Florida, doch schon 1779 wurde Baton Rouge von den Spaniern eingenommen. Auch nach dem Louisiana Purchase von 1803 blieb die Gegend spanisch, jedoch nur bis 1810 und zwei Jahre später wurde Louisiana ein Bundesstaat der USA. Dessen Hauptstadt war damals noch New Orleans und erst 1846 zog die Verwaltung nach Baton Rouge um – das damals gerade einmal rund 3000 Einwohner hatte -, weil man befürchtete, dass ansonsten zu viel Bedeutung an nur einem Ort konzentriert wäre. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Stadt, etwas schneller zu wachsen und mit der Ansiedlung der Standard Oil Company 1910 beschleunigte sich diese Entwicklung noch weiter. In der Neuzeit machte sich die traditionell zu einem großen Teil von schwarzen Einwohnern geprägte Stadt einen Namen als Schauplatz der Bürgerrechtsbewegung, später folgte ein bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung dank des Booms der Ölwirtschaft. Vom Hurrikan Katrina 2005 blieb die Stadt selbst weitgehend verschont, wurde jedoch zur vorübergehenden Heimat von rund 200.000 aus anderen Orten evakuierten Menschen.

Baton Rouge gilt als eine der wirtschaftlich stärksten Städte des Landes. Die größten Arbeitgeber sind die Bundesstaatsregierung und die öffentliche Verwaltung, doch ebenso bedeutend ist die petrochemische Industrie, unter anderem betreibt Exxon hier die zweitgrößte Ölraffinerie der Welt. Als am weitesten landeinwärts gelegener Hafen, der noch von Ozeanschiffen erreicht werden kann, ist außerdem die Transportindustrie bedeutend.

Die wichtigsten touristischen Attraktionen der Stadt sind die großen Veranstaltungen, allen voran Mardi Gras. Mehrere Paraden finden anlässlich des “fetten Dienstags” in der Stadt statt, die wichtigste davon im Stadtteil Spanish Town. Doch auch außerhalb der Karnevalszeit hat Baton Rouge Sehenswertes zu bieten. Zu nennen ist dabei das State Capitol (900 North 3rd Street) des Bundesstaats Louisiana, denn das 1932 fertiggestellte und 137 Meter hohe Gebäude mit 34 Stockwerken ist nicht nur das höchste der Stadt, sondern auch das höchste Capitol-Bauwerk aller 50 amerikanischen Staaten. Der Bau war maßgeblich dem Einsatz des 1930 neu gewählten Gouverneurs Huey Long zu verdanken. Long wurde 1935 von einem politischen Widersacher in dem Gebäude erschossen; die Einschusslöcher der Kugeln sind noch heute zu sehen und Long liegt auf dem Gelände begraben. Rund um das Capitol können Besucher während der Öffnungszeiten (täglich 9:00-16:30 Uhr) einiges an Symbolik entdecken. So führen 48 Stufen zum Eingang, eine für jeden der Bundesstaaten mit Ausnahme der später hinzugekommenen Alaska und Hawaii und das Wappentier Louisianas, der Pelikan, findet sich in zahlreichen Abbildungen. Im 27. Stockwerk befindet sich eine Aussichtsplattform, von der aus man einen guten Blick auf die Stadt und den Mississippi hat. Der Vorgänger des Gebäudes, das Old Louisiana State Capitol (Foto; 100 North Boulevard) war 1847 erbaut worden und hatte bis zum Bau des neuen Capitols, das in Laufweite liegt, als Sitz der Bundesstaatsregierung gedient. Sein markantes Äußeres, das einem Schloss nachempfunden wurde und ein Beispiel des Baustils der Neugotik ist, machen das Gebäude zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es dient heute als Museum of Political History (geöffnet Dienstag-Samstag 9:00-16:00 Uhr). Einen Streifzug durch die politische Geschichte Louisianas komplett macht ein Besuch des Old Louisiana Governor’s Mansion (502 North Boulevard, geöffnet Dienstag-Freitag 10-16 Uhr), das in geführten Touren besichtigt werden kann. Der ehemalige Wohnsitz von Louisianas Gouverneuren war 1930, ebenfalls auf Betreiben Huey Longs, erbaut worden und stand bis 1964 in Dienst. Danach diente es für einige Jahre als Sitz eines Museums.
Dieses Museum, das Louisiana Arts and Science Museum, befindet sich heute in einem ehemaligen Eisenbahndepot (100 River Road South, geöffnet Dienstag-Freitag 10-15 Uhr, Samstag 10-17 Uhr, Sonntag 13-16 Uhr), eine alte Dampflok ist vor dem Eingang zu bewundern. Zum Angebot gehören ein Planetarium, rund 4000 Kunstobjekte aus aller Welt und verschiedenen Epochen sowie historische wissenschaftliche Instrumente. Ebenfalls interessant ist das Louisiana Museum of Natural History auf dem Campus der Louisiana State University (geöffnet Montag-Freitag 8-16 Uhr), das gleich mehrere Sammlungen in sich vereint. Dazu gehören sowohl ein allgemeines naturwissenschaftliches Museum als auch ein umfangreiches Herbarium, ein Insektenmuseum und Sammlungen aus den Bereichen Mineralien und Petrologie (Steinkunde). Eine zusätzliche Ausstellung des 1936 gegründeten Museums beschäftigt sich mit Textilien und Kostümen aus mehreren Jahrhunderten. Wer sich eher für Kunst interessiert, sollte sich das Shaw Center for the Arts (100 Lafayette Street) in Downtown auf die Besuchsliste schreiben. In diesem Multifunktionsgebäude, 2005 eröffnet, gibt es neben Konzert- und Theaterbühnen auch das Louisiana State University Museum of Art (geöffnet Dienstag-Samstag 10-17 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr, Sonntag 13-17 Uhr). Das Kunstmuseum enthält insgesamt rund 5000 Objekte, vor allem aus Amerika und Europa und aus den verschiedensten Materialien. Dazu kommen wechselnde Sonderausstellungen und einen Bereich, der auch jüngeren Besuchern interaktiven Zugang zur Welt der Kunst bietet. Ähnlich wie das Shaw Center bietet auch das Baton Rouge River Center (275 South River Road) mehrere verschiedene Flächen und Bühnen. Hier finden beispielsweise größere Konzerte, Sportveranstaltungen und Messen statt, es ist aber auch die Heimat des städtischen Symphonieorchesters und mehrere Theaterbühnen.

Noch deutlich mehr Menschen allerdings strömen regelmäßig ins Tiger Stadium (West Stadium Road). Dieses bereits 1924 eröffnete Stadion ist die Heimat des Footballteams der Louisiana State University, des allseits beliebten sportlichen Aushängeschilds der Stadt. Die LSU Tigers haben viele frenetische Fans und das altehrwürdige Stadion, inzwischen auf eine Kapazität von rund 100.000 Zuschauern ausgebaut, gilt als eines derjenigen College-Stadien in den USA mit der besten Atmosphäre, zudem ist es eines der größten des Landes.

Zu den weiteren Attraktionen von Baton Rouge gehören der mittelgroße Vergnügungs- und Freizeitpark Dixie Landin’ mit diversen Fahrgeschäften und der angeschlossene Blue Bayou Waterpark (18142 Perkins Road, geöffnet von Ende Mai bis August), ein Wasserpark mit rund 20 Rutschen und einem Wasserspielplatz. Der Baton Rouge Zoo (3601 Thomas Road, geöffnet täglich 9:30-16 Uhr) beherbergt rund 1800 Tiere aus aller Welt. Der Tierpark feierte seine Eröffnung 1970 und engagiert sich in einigen Arterhaltungsprogrammen. Zum Angebot gehören unter anderem ein neues Tigergehege, eine südamerikanische Regenwaldlandschaft, eine Freifluganlage mit exotischen Vögeln und ein Abschnitt namens “Africa”, in dem Zebras, Gazellen und Giraffen untergebracht sind. Eine Eisenbahn transportiert Besucher über das Gelände, wo es auch einen Kinderzoo und einen Spielplatz gibt.

Weiterhin für viele Besucher interessant ist das Angebot der Mall at Cortana (Airline Highway), des größten Einkaufszentrums des Bundesstaats, das 1976 eröffnet wurde und heute rund 110 Geschäfte auf knapp 500.000 Quadratmetern Fläche unter seinem Dach vereint.