War die Kunst Amerikas zu Beginn der Kolonialisierung noch stark von den Erfahrungen, Techniken und Motiven der europäischen Heimat der Kolonialisten geprägt, so wandelte sich das Bild im Laufe der Zeit hin zu einer eigenen Stilrichtung. Diese hob sich nicht nur deutlich von der Kunst der indigenen Bevölkerung Amerikas ab, sondern entwickelte schnell auch ganz eigene Charakteristiken. Einige amerikanische Kunstwerke brachten es zu Weltruhm, anderen ist es gelungen, zu eindrucksvollen Abbildungen und Momentaufnahmen des amerikanischen Lebens zu werden. 

In vielen amerikanischen Städten gibt es hervorragende Kunstmuseen, die Highlights der US-Kunst zeigen. Die kostenlos besuchbaren Smithsonian-Museen in Washington DC können einen guten Überblick der amerikanischen Kultur insgesamt vermitteln.  

 

Portrait of George Washington
Gilbert Stuart, 1796
Von seinem noch unfertigen Portrait von George Washington schuf Stuart im Laufe der Zeit rund 100 Kopien, die in einer Zeit, in der es noch keine Fotografie gab, das Bild des Präsidenten in der Öffentlichkeit definierten. Stuart porträtierte noch zahlreiche andere Persönlichkeiten, darunter die ersten sechs Präsidenten der USA, das Bild von Washington aber ist bis heute das bekannteste und am weitesten verbreitete. Es erschien auf Briefmarken der amerikanischen Post und ist auf den $1-Banknoten zu sehen. 

 

Among the Sierra Nevada Mountains, California
Albert Bierstadt, 1868
(American Art Museum, Washington DC)
Im 19. Jahrhundert orientierten sich viele amerikanische Maler an der Natur als Inspiration. Die Künstler der Hudson River School, zu denen der aus Solingen stammende Albert Bierstadt gehörte, brachten Abbildungen von Landschaften auf die Leinwand, zunächst hauptsächlich aus Upstate New York, später auch aus anderen Regionen der Welt. 

 

Arrangement in Grey and Black No. 1
James McNeill Whistler, 1871

(Musée d’Orsay, Paris)
Das Bildnis der Mutter des aus Massachusetts stammenden Künstlers, weithin unter dem Namen „Whistler’s Mother“ bekannt, entstand tatsächlich nicht in den USA, sondern in Großbritannien. Die „viktorianische Mona Lisa“ wurde vielfach genutzt, um Mütter zu ehren; so gibt es zum Beispiel eine dem Bild nachempfundene Statue in Pennsylvania und eine Sonderbriefmarke der US-Post. Das Gemälde wurde in zahlreichen Filmen und TV-Serien parodiert. 

 

American Gothic
Grant Wood, 1930
(Art Institute of Chicago)
Die Idee zu dem Gemälde, das heute eine der bekanntesten Interpretationen amerikanischen Landlebens ist, beruht ursprünglich darauf, dass Grant Wood von dem Farmhaus im Hintergrund fasziniert war. Das Bild entstand in Iowa und wurde von einigen Kritikern als Satire auf das Kleinstadtleben aufgefasst. Später allerdings setzte sich die Interpretation durch, dass das oftmals kopierte und persiflierte „American Gothic“ eine Darstellung des amerikanischen Pioniergeistes ist. 

 

Nighthawks
Edward Hopper, 1942
(Art Institute of Chicago)
Eines der wohl stimmungsvollsten Bilder überhaupt wurde inspiriert durch ein typisches Diner im Greenwich Village in Manhattan. Hopper war ein Kinofan und so erinnern die Figuren im Diner an Filmfiguren – umgekehrt finden sich in der Filmgeschichte wie auch in der Musik und der Literatur zahlreiche Anspielungen auf das Bild. Für die männlichen Figuren posierte Hopper selbst im Spiegel, für die Frau stand seine Frau Josephine Modell. 

 

Campbell’s Soup Cans
Andy Warhol, 1962
(Museum of Modern Art, New York City)
Je eine der 32 erhältlichen Varianten von Campbell’s Dosensuppe erschien auf dem Originalbild von Warhol. Er nutzte dafür eine Vervielfältigungstechnik und setzte damit einen Meilenstein in der Kunst. In den folgenden Jahrzehnten produzierte Warhol zahlreiche weitere Werke mit den Dosen. Diese Werke begründeten den Status des Künstlers als bedeutendster Vertreter der Pop Art, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts in Nordamerika und Europa entwickelte.  

 

Drowning Girl
Roy Lichtenstein, 1963
(Museum of Modern Art, New York City)
Eine Seite aus einem Superhelden-Comic diente als Vorlage für das Ölgemälde, das zu Lichtensteins bekanntesten Werken gehört. Ebenso wie Warhols Bilder alltäglicher Gegenstände gehörte auch die Adaption des Comicstils, ebenso wie der von Lichtenstein betonte „erzählende Inhalt“ zu den Merkmalen der Pop Art, die international oft als typisch amerikanische Stilrichtung angesehen wird.  

 

The Problem We All Live With
Norman Rockwell, 1964
(Norman Rockwell Museum, Stockbridge)
Ein Mädchen, das wegen rassistischer Angriffe von US Marshals zur Schule begleitet werden muss, ist das Motiv des Werks, das von Präsident Obama zeitweise im Weißen Haus aufgehängt wurde. Es gilt nicht nur als ikonische Darstellung des Kampfs der Civil Rights-Bewegung, sondern steht auch für eine Orientierung der Kunst allgemein hin zu sozialen und politischen Themen. 

 

 

 

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