Es werden sich wohl schon viele deutsche Touristen, die es nach North Dakota verschlagen hat, gefragt haben, warum die kleine Hauptstadt dieses Bundesstaats den Namen des ersten deutschen Reichskanzlers trägt und tatsächlich ist die Geschichte hinter der Namensgebung etwa so ungewöhnlich wie das Reiseziel Bismarck selbst. Tatsächlich bekam die Stadt, die eigentlich Edwinton hieß, 1873 ihren neuen Namen von der Eisenbahngesellschaft Northern Pacific, die sich dadurch erhoffte, dass der doch recht abseits gelegene Haltepunkt für Investoren aus Deutschland attraktiver werden würde. Der Ort lag damals mitten im Indianergebiet und hatte außer ein paar Hütten von Goldsuchern und nicht weniger als 15 Saloons nicht viel zu bieten. Vom Reichskanzler gab es allerdings nur einen netten Dankesbrief, die erhofften Geldströme blieben aus.

In den letzten Jahren ist North Dakotas Hauptstadt auf nunmehr rund 67.000 Einwohner stark gewachsen, was vor allem am plötzlichen Boom im Bundesstaat durch den Abbau von Schiefergas liegt. Zwar ist die Stadt, die zusammen mit dem gegenüber liegenden Ort Mandan und dessen 20.000 Einwohnern eine Doppelstadt bildet, zweifellos der wirtschaftliche, politische und kulturelle Mittelpunkt von North Dakota, doch Bismarck ist weit davon entfernt, eine Metropole zu sein. Noch immer zeigt sich die Stadt am Ufer des Missouri vergleichsweise beschaulich und übersichtlich.

Die Stelle, an der Bismarck heute liegt, war bereits seit dem 16. Jahrhundert der zentrale Ort für das Volk der Mandan-Ureinwohner. 1872 erreichte die Eisenbahn diese Region und errichtete eine Versorgungsstelle, die gewissermaßen der Startschuss für eine Entwicklung zum festen Stadtgebilde war. Nach dem vergeblichen Versuch des Anwerbens von Investitionen kam 1874 der Zufall zu Hilfe, als in den nahegelegenen Black Hills Gold gefunden wurde. Das plötzliche Interesse an dem Ort, der zuvor einen höchst zweifelhaften Ruf genoss, sicherte der Eisenbahngesellschaft und letzten Endes wohl auch der Stadt das Überleben. 1883 wurde Bismarck zur Hauptstadt des Dakota-Territoriums, ab 1898 wurden weite Teile der Stadt nach einem Großbrand neu aufgebaut. Nach einem weiteren Feuer wurde 1934 das neue State Capitol erbaut, das heute weithin sichtbar das höchste Gebäude der Stadt ist.

Das State Capitol (East Blvd. Avenue, Besichtigung auf eigene Faust oder in geführten Touren möglich) ist mit seinen knapp 74 Metern zwar das höchste Gebäude des ganzen Bundesstaats, doch es gibt sicher ansehnlichere Gebäude dieser Art in den USA. Ein Besuch lohnt sich dennoch, denn das Capitol ist in einem Gesamtkomplex eingebunden, in dem sich neben anderen bundesstaatlichen Institutionen und dem Wohnsitz des Gouverneurs (4th Street) auch einige Statuen und Grünanlagen befinden. Hier können Besucher einen Naturlehrpfad benutzen, der an 75 verschiedenen Baumarten und einem 60 Millionen Jahre alten Baumfossil vorbeiführt. Ein weiterer Pfad, der Prairie Trail, zeigt am Wegesrand heimische Gräser und Blumen. Ebenfalls in dem Komplex befindet sich das North Dakota Heritage Center (612 East Bld. Avenue, geöffnet Montag-Freitag 8-17 Uhr, Wochenende 10-17 Uhr), das offizielle geschichtliche Museum des Bundesstaats. Zu den Highlights der Ausstellung gehören neben vielen Fotografien und historischen Gegenständen auch Dinosaurierskelette und der “Corridor of Time”, der aufzeigt, wie es in dieser Region vor vielen Millionen Jahren ausgesehen hat.
Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten Bismarcks gehört das historische Viertel Cathedral District rund um die Cathedral of Holy Spirit in der Innenstadt. Dort steht auch das Patterson Hotel (422 East Main Avenue), ein 1910 erbautes, ehemaliges Luxushotel, in dem einst so prominente Gäste wie John F. Kennedy oder Theodore Roosevelt abstiegen. In dem Gebäude befinden sich heute eine Seniorenresidenz und ein Restaurant. Ein weiteres historisches Gebäude in Downtown ist das Belle Mehus Auditorium (201 North 6th Street), das 1914 eröffnet wurde. Es dient als Bühne für Konzerte und Aufführungen und ist Heimat des Bismarck-Mandan Sinfonieorchesters.

Wer sich lieber im Freien aufhalten möchte, der findet mit dem Sertoma Park eine innerstädtische grüne Oase direkt am Ufer des Missouri. Innerhalb des Parks befinden sich Rad- und Spazierwege und die Anlegestelle für Ausflugsfahrten auf dem Fluss. Weiterhin ist Sertoma Park der Standort des Dakota Zoo (602 Riverside Park Road, geöffnet April bis September täglich 10-17 Uhr; Oktober bis April nur Freitag-Sonntag 13-17 Uhr), in dem mehr als 600 Tiere aus über 100 verschiedenen Arten leben. Der Zoo besteht seit 1961, zum Angebot gehören unter anderem ein Bereich mit Farmtieren, eine Präriehundstadt und ein Schmetterlingshaus.

Die Umgebung Bismarcks bietet mehrere interessante Ausflugsziele. Dazu gehören vor allem die Ufer des Missouri, wo sich an den Wochenenden viele Angler einfinden und mehrere Seen. Einige Minuten südlich der Stadt befindet sich eine weitere Sehenswürdigkeit, der Fort Abraham Lincoln State Park (am Highway 1806 südlich von Mandan). Der State Park befindet sich an der Stelle am Zusammenfluss des Missouri mit dem Heart River, an dem im Mittelalter das Volk der Mandan gesiedelt hatte und wo 1873 ein Fort errichtet wurde, dessen Soldaten für den Schutz des Eisenbahnbaus sorgen sollten. Von hier aus brach der berühmte General Custer 1876 zur Schlacht am Little Bighorn auf, von der er nicht zurückkehren sollte. Heute befinden sich hier ein Besucherzentrum, der Nachbau der indianischen Siedlung und viele Spazierwege und Picknickplätze mit schönem Blick auf den Fluss. Das nachgebaute Fort und Custers Haus können besichtigt werden.