Ein Bundesstaat, der größer ist als das Vereinigte Königreich, in dem aber fast 60 Millionen Einwohner weniger als dort leben – und die noch dazu zu mehr als 85% rund um nur zwei Städte leben – muss irgendwo weite Flächen aufzuweisen haben, in denen es vor allem viel weites, freies Land gibt. Die Black Rock Desert im Nordwesten Nevadas erfüllt diese Beschreibung genau und wer diese Gegend darüber hinaus als Mondlandschaft bezeichnet, liegt ebenfalls nicht falsch. Dennoch taucht diese Region immer wieder einmal in den Medien auf, wenn hier Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt oder wissenschaftliche Experimente durchgeführt werden oder wenn das bizarre Burning Man-Festival gefeiert wird. Der Grund des ausgetrockneten Lake Lahontan, der während der letzten Eiszeit den Nordwesten Nevadas, aber auch Teile der benachbarten California und Oregon bedeckte, bildet heute den Boden der Black Rock Desert. Diese geologische Formation wird auch als Playa bezeichnet; eine ähnliche Konstellation findet sich auch im Death Valley.

Der einzige nennenswerte Ort in der Region ist die etwa 500 Einwohner zählende Ansiedlung Gerlach-Empire im Südwesten. Empire wurde als Wohnstadt für die Arbeiter gegründet, die in der seit Jahrzehnten aktiven Gipsmine arbeiten. Gerlach ist vor allem Wohnsitz für Rentner aus anderen Teilen des Landes. In den Ortsteilen gibt es die einzigen Möglichkeiten zum Tanken, Einkaufen und Übernachten für etwa 80 Kilometer. Bei Gerlach befindet sich eine Visitor Contact Station, wo man nähere Auskünfte zu der Region erhalten kann.

Kurz hinter dem Ort jedoch beginnt eine Landschaft, die man eigentlich nur mit einem Wort beschreiben kann: flach. Hier gibt es keine Bäume, keine Sträucher und für mehrere Meilen noch nicht einmal einen Felsen. Die Wüste mit dem Alkaliboden ist hier so flach, dass sie Sinnestäuschungen in Form von Luftspiegelungen hervorruft. Vor allem aber lädt sie auch unerfahrene Reisende dazu ein, mit dem Auto über das flache Gelände zu fahren, was aber viele Gefahren mit sich bringt. Regelmäßig müssen Menschen gerettet werden, die die Orientierung verloren haben und nicht genügend Vorräte, vor allem Wasser, dabei hatten. Mobiltelefone funktionieren hier nicht.

Je nach Definition erstreckt sich die Black Rock Desert über etwa 160 Kilometer nordöstlich von Gerlach-Empire. Sie liegt durchgängig auf einer Höhe von mehr als 1000 Metern und wird von mehreren Gebirgsketten durchzogen, von denen eine, die Black Rock Range, das insgesamt 2600 km² grosse Gebiet in zwei Hälften einteilt. Die Grenzen der Counties Washoe, Pershing und Humboldt fallen in der Region zusammen.

Die Black Rock Range findet ihren höchsten Punkt mit dem Gipfel des 2611 Meter hohen Pahute Peak. Das Gebirge steht zum grössten Teil unter Naturschutz, es gibt zwei ausgewiesene Wildnisgebiete und die Black Rock Desert – High Rock Canyon Emigrant Trails Conservation Area, in der sowohl historische als auch natürliche Merkmale bewahrt werden sollen. Freizeitaktivitäten in dieser Region sind nur eingeschränkt und nur mit Genehmigung des verwaltenden Bureau of Land Management gestattet. Im Osten begrenzen die steilen Berge der Jackson Mountains die Black Rock Desert – hier gibt es interessante Möglichkeiten zum Klettern und Wandern -, im Westen die Calico Mountains, deren höchster Berg der 2597 Meter hohe Donnelly Peak ist. In beiden Bergketten sind weitere Wildnisgebiete eingerichtet. Aus den nördlich gelegenen Santa Rosa- Bergen entspringt der Quinn River, dei wichtigste Wasserader der Region, die nach 180 Kilometern Verlauf in der Wüste endet.

Mitte des 19. Jahrhunderts waren mehrere Treks von Siedlern auf dem Weg nach Westen durch die abweisende Umgebung gezogen. Diese Abzweigung vom normalerweise genutzten California Trail war von Peter Lassen etabliert worden, nach dem der Lassen Volcanic National Park in Kalifornien benannt wurde. Lassen wurde 1859 in der Black Rock Desert erschossen, während er auf dem Weg nach Virginia City war, wo er Silber suchen wollte. Der dänische Entdecker liegt in Susanville in California begraben. Auch in der Wüstenregion wurden verschiedene Schätze der Natur gefunden. Neben dem seit vielen Jahrzehnten kontinuierlich abgebauten Gipsvorkommen wurden hier auch Opale gefunden. In den Kamma Mountains im östlichen Teil des Gebiets holt man Schwefel und Gold aus dem Boden. Die Black Rock Desert wurde daneben zwischen 1942 und 1963 als Schiessübungsplatz vom US-Militär genutzt. 1979 wurde die Fossilie eines Mammuts gefunden, die heute im Nevada State Museum in Carson City ausgestellt ist.

Das flache Wüstengebiet eignet sich hervorragend für Versuche und Experimente, für die viel Platz benötigt wird. So wurden hier beispielsweise bei zwei Gelegenheiten neue Landgeschwindigkeitsrekorde aufgestellt, 1983 mit 1019 km/h und 1997 mit 1233 km/h. Auch mit von Amateuren gebauten Raketen wurden in der Black Rock Desert bereits Rekorde erreicht. 2004 erreichte eine von hier abgefeuerte Rakete eine Höhe von 116 Kilometern; sie gilt damit als erste von Laien gebaute Rakete, die einen Flug ins Weltall geschafft hat. Im Laufe eines Jahres finden mehrere raketenbezogene Veranstaltungen hier statt. Eine weitere beliebte Freizeitaktivität in der Wüste ist das so genannte Strandsegeln, bei dem man vom Wind angetrieben über Land segelt. Außerdem ist Gerlach der Zielort eines jährlich stattfindenden, in Reno startenden Rennens im Segelfliegen.

Wer solche Aktivitäten schon merkwürdig findet, der sollte im September das alljährliche Burning Man-Festival besser meiden. Zu dieser Veranstaltung kommen jedes Jahr mehr als 40.000 Menschen, die mittlerweile ein hohes Eintrittsgeld bezahlen müssen. Höhepunkt des Events, das sich selbst als eine Erfahrung in radikalem Selbstausdruck und Experiment im Gemeinschaftsgedanken bezeichnet, ist die rituelle Verbrennung einer hölzernen Figur in Gestalt eines Mannes. Die bescheidenen Anfänge dieses Festivals liegen 1986 an einem Strand in San Francisco, wo sich einige Freunde trafen. Im Jahr 2009 trafen sich über 43.000 Menschen in der Black Rock Desert, errichteten wie in den Jahren zuvor eine temporäre Zeltstadt namens Black Rock City in Form eines C und versammelten sich schließlich zur Verbrennung einer 20 Meter hohen Holzfigur. Das Event ist über die Jahre auch zu einer kulturellen Veranstaltung geworden, bei der viele Teilnehmer Kunstwerke oder Performances zeigen.

Die Veranstalter des Festivals sind seit einiger Zeit bemüht, den berühmten Fly Geyser öffentlich zugänglich zu machen. Der farbenfrohe, geothermale Geysir liegt etwa 30 km außerhalb von Gerlach auf einem privaten Grundstück.