Lage Südosten von South Carolina, am Atlantik
Beinamen  The Holy City, Chucktown
Einwohner 134.400

 

So viel Charme, so viel südstaatliche Eleganz und so viel gut erhaltene architektonische Nostalgie findet man selten in einer Stadt vereint. Charleston, Geburtsort des lebensfrohen, gleichnamigen Tanzes, erzielt regelmäßig gute Werte bei Untersuchungen nach den lebenswertesten Städten des Landes und die Einwohner gelten allgemein als besonders höflich und gastfreundlich – wobei das sicher auf das individuelle Erlebnis ankommt. Eine Reise wert ist Charleston allerdings allemal und für jeden. Die Stadt hat Geschichte, eine reizvolle Lage und viele Sehenswürdigkeiten; das Ganze bei angenehmen Temperaturen mit milden, kurzen Wintern.

Die Hafenstadt liegt mit ihrem historischen Ortskern auf einer Halbinsel und hat sich mit weiteren Stadtteilen entlang der Ufer von vier hier zusammenfließenden Flüssen erstreckt. Der englische König Karl II. teilte 1663 die Provinz Carolina in der neuen Welt unter acht seiner treuesten Gefolgsleute auf. Diese Gruppe gründete schon 1670 die Stadt Charles Town, die in den folgenden Jahrzehnten die Basis für den weiteren Ausbau der britischen Kolonien wurde. Mit dieser Funktion wuchs auch die Bedeutung des Hafens immer mehr, hier kamen neue Kolonisten an und es wurden Güter aller Art umgeschlagen, aber auch der Sklavenhandel hatte hier seinen Knotenpunkt. Im 18. Jahrhundert war Charleston eine der reichsten Städte des Landes und einer der bedeutendsten Häfen. Schon früh entwickelte sich modernes städtisches Leben, unter anderem hatte Charleston seit 1736 das erste Theatergebäude des Landes. Dann folgte die amerikanische Revolution. Die Briten griffen Charleston mehrmals vom Wasser aus an, der Versuch der Eroberung scheiterte aber lange Zeit daran, dass es entgegen der britischen Annahmen keine Unterstützer des Königs in der Stadt gab. 1780 übernahmen die Briten die Kontrolle über die Stadt bis Ende 1782. Nach dem Krieg begann eine neue Boomzeit für Charleston, jetzt war es vor allem Baumwolle, die in großen Mengen über den Hafen umgeschlagen wurde. In der beständig wachsenden Stadt waren die Schwarzen in der Überzahl, die meisten von ihnen waren jedoch unfrei und auch der Sklavenhandel über den Hafen Charleston nahm immer weiter zu.

Die Bedeutung der Stadt wurde ihr dann jedoch zum Verhängnis. Nach der Sezession der Südstaaten war es hier, dass die ersten Schüsse, gefeuert auf das von der Union gehaltene Fort Sumter im Hafen, den Beginn des Bürgerkriegs markierten. Der Norden reagierte heftig, Charleston wurde mit allen Mitteln angegriffen und brannte in weiten Teilen nieder und der Hafen wurde ziemlich erfolgreich blockiert. Dennoch dauerte es bis 1865, bis die Stadt kurz vor Kriegsende in die Hände der Unionstruppen fiel. Der Wiederaufbau nach dem Krieg in einer zerstörten und verarmten Stadt war zunächst schwierig und die industrielle Revolution hatte zunächst nur geringe Effekte für Charleston, das darüber hinaus mehrmals von gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der jetzt freien schwarzen Bevölkerung und der weißen Minderheit erschüttert wurde. Auch ein Erdbeben 1886 sorgte für einen zwischenzeitlichen Rückschlag. Charleston hatte viel von seiner Bedeutung und seinem Glanz eingebüßt und es dauerte bis lange ins 20. Jahrhundert hinein, bis die Stadt sich wieder positiv entwickelte.

Dabei lebt Charleston bis heute weniger von bedeutender Industrie, sondern in erster Linie vom Tourismus und vom Güterumschlag über den Hafen, der zu den wichtigsten der Ostküste gehört. Zudem sind mehrere Zehntausend Soldaten verschiedener Einheiten in Charleston stationiert. In den letzten Jahren hat sich zudem die IT-Branche in der Stadt stärker aufgestellt. Über einen Flughafen, zwei Amtrak-Strecken und die beiden Interstates I-26 und I-526 ist die Stadt an die Verkehrsnetze angebunden.

Charleston ist ein lohnendes Ziel für alle, die sich für Kunst, Kultur und Musik interessieren. Viele bekannte Werke der Film- und Literaturgeschichte spielen in Charleston oder wurden von der Stadt inspiriert. Das Highlight des jährlichen Veranstaltungskalenders ist dabei zweifellos das Spoleto Festival, eines der bedeutendsten Festivals für Bühnenkunst im ganzen Land. Jeweils beginnend im Mai, fasst das Festival rund 150 Aufführungen verschiedener Genres an mehreren Schauplätzen zu einem Event zusammen, dazu gehören auch musikalische Darbietungen. Ebenfalls im Kalender stehen ein jährliches Food Festival und eines für Wein, eine Modewoche und ein Filmfest. Kultur gibt es aber das ganze Jahr über in Hülle und Fülle, dafür sorgen schon allein mehrere Theatergruppen. Besonders hervorzuheben ist dabei das Dock Street Theatre (135 Church Street), das sich an der Stelle befindet, an dem 1736 das erste Theatergebäude der Kolonien in Amerika erbaut worden war. Auch das heute hier zu findende Bauwerk ist historisch: Es wurde 1809 als Hotel erbaut und 1935 zu einem Theater umgewandelt. Seit einer umfassenden Renovierung 2010 bietet das Theater im Inneren eine moderne Ausstattung in historischer Kulisse für die hier ansässige Theatergesellschaft.
Auch die anderen Sehenswürdigkeiten von Charleston sind in erster Linie historischer Art. Zuoberst zu nennen ist dabei sicher Fort Sumter. Das Fort, mit dessen Bau schon 1829 begonnen worden war, war zu Beginn des Bürgerkriegs noch immer nicht ganz fertiggestellt. Auch nach der Abspaltung des Südens wurde es von Unionstruppen gehalten, ein ständiger Dorn im Auge der Südstaatler. Als das Fort am 9. Januar 1861 mit Vorräten versorgt werden sollte, eröffneten die Truppen der Konföderation das Feuer – die ersten Schüsse des Civil War. Ein erneuter Versorgungsversuch im April 1861 führte zu einer Kanonenschlacht, die 34 Stunden dauerte und dazu führte, dass die Union die Anlage schließlich aufgab. Die vom Kommandanten der Unionstruppen eingeholte und in den Norden zurückgebrachte Flagge ist heute im Museum von Fort Sumter ausgestellt. Das National Monument ist ganzjährig geöffnet, allerdings per Boot erreichbar. Eine Fähre ist 2-3 mal täglich unterwegs. Abfahrtpunkte auf dem Festland sind das South Carolina Aquarium und Mount Pleasant. Ein Besucherzentrum mit Informationen zu Fort Sumter und seiner Geschichte befindet sich am Liberty Square in Charleston (340 Concord Street).

Einen Blick auf das Fort werfen kann man gut von der Promenade The Battery aus. Diese Promenade zieht sich entlang der Ufermauer, die einst als Standort für die Artillerie zur Verteidigung der Stadt diente. The Battery ist bekannt dafür, dass hier einige sehenswerte Gebäude zu finden sind, die noch aus der Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg stammen und in der typischen Architektur der Südstaaten gestaltet sind. Zudem befindet sich hier der White Point Garden, ein schöner städtischer Park, in dem einige Statuen zu sehen sind, ebenso wie verschiedene Relikte aus der militärischen Geschichte der Region. Charleston ist bekannt für seine gut erhaltene oder rekonstruierte Antebellum-Architektur, gemeinsam mit gepflegten Gärten und Parks ergibt sich das Bild der stolzen Südstaaten-Stadt, mit dem es oft in Verbindung gebracht wird. Ein großer Teil der Halbinsel, auf der der historische Stadtkern liegt, ist als historischer Distrikt ausgewiesen. Für Besucher ist vor allem die Broad Street lohnend, wo sich einige der ältesten Bauwerke der Stadt befinden. Sehenswert ist hier zum Beispiel die Kirche St. Michael’s (Ecke Broad Street und Meeting Street), das älteste noch erhaltene Kirchengebäude der Stadt, das Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut wurde. Unweit davon entfernt steht das Charleston County Courthouse (84 Broad Street), erbaut 1792. Das Gebäude könnte Besuchern bekannt vorkommen: Der Architekt war James Hoban, der später nach recht ähnlichen Plänen auch das Weiße Haus in Washington, DC gestaltete. Noch bedeutsamer allerdings ist das Gebäude Exchange and Provost (Ecke East Bay Street und Broad Street). Es diente den Briten als Kriegsgefangenenlager während des Unabhängigkeitskriegs und nach dem Krieg traf sich hier der Konvent, der South Carolinas Beitritt zur Constitution, also zu den Vereinigten Staaten, ratifizierte. Einen weiteren Blick in die Geschichte erlaubt das 1713 erbaute Powder Magazine (79 Cumberland Street), das älteste noch bestehende Gebäude der Stadt und sogar des ganzen Bundesstaats. Im Inneren des ehemaligen Munitionslagers befindet sich heute ein kleines Museum. Das Charleston Museum (360 Meeting Street, geöffnet Montag-Samstag 9-17 Uhr, Sonntag 12-17 Uhr) erweitert den Blick und zeigt Exponate zur Geschichte der Region, aber auch zur Naturgeschichte. Das Museum, das 1824 eröffnet wurde, war das erste Museum in Amerika.

An sehenswerten, altehrwürdigen Gebäuden mangelt es in Charleston nicht, vor allem entlang der Meeting Street finden sich schöne architektonische Beispiele. Am häufigsten fotografiert wird aber wohl die Rainbow Row in Hafennähe (East Bay Street). Die dreizehn nebeneinander stehenden, historischen Wohnhäuser erhielten ihren Spitznamen, nachdem sie infolge einer Renovierung verschiedene pastellfarbene Fassadenanstriche erhielten. An derselben Straße liegt auch ein Ende des insgesamt mehr als 300 Meter langen Marktgebäudes. Hier fand einst der Fleisch- und Gemüsemarkt statt, heute jedoch finden sich hauptsächlich Souvenirs und Kunsthandwerk.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten von Charleston zählt das South Carolina Aquarium (Calhoun Street, geöffnet täglich 9-16 Uhr). Es besteht seit 2000 und ist Heimat von vielen tausend Wassertieren, viele davon im 1,4 Millionen Liter fassenden Great Ocean Tank. Dargestellt werden mehrere verschiedene Wasser-Lebensräume. Das Aquarium betreibt auch ein Krankenhaus für Meeresschildkröten, das in geführten Touren besichtigt werden kann. Ebenfalls am Wasser, aber mit einer gänzlich anderen Ausrichtung, ist das Patriots Point Naval & Maritime Museum (Mount Pleasant, Patriot Points Road). Hier gibt es drei Museumsschiffe von innen und außen zu bewundern: den Flugzeugträger USS Yorktown, den Zerstörer USS Laffey und das U-Boot USS Clamagore. Wer sich eher für andere Ausstellungsstücke interessiert, ist vielleicht stattdessen im Gibbes Museum of Art besser aufgehoben (135 Meeting Street). Das Kunstmuseum zählt über 10.000 Kunstwerke zu seiner Sammlung, das 1905 erbaute Gebäude ist aber auch bereits von außen sehenswert. Ebenfalls empfehlenswert ist das Avery Research Center for African American History and Culture (125 Bull Street), eigentlich ein Forschungszentrum für Geschichte und Kultur der afroamerikanischen Bevölkerung, das aber auch ein kleines Museum mit interessanten Exponaten zum Thema bereithält.