Das Umland von Chicago, dessen Grenzen zur Metropole an vielen Stellen kaum zu erkennen sind, wird als Chicagoland bezeichnet. In diesem Ballungsraum, der bis in die benachbarten Bundesstaaten Indiana und Wisconsin hinein reicht, leben fast 10 Millionen Menschen. Er ist damit das drittgrößte Einzugsgebiet einer amerikanischen Großstadt. Die in diesem Bereich liegenden Orte – vier davon haben selbst mehr als 100.000 Einwohner – sind in starkem Maß von Chicago abhängig. Tausende Menschen leben in diesen Vororten und pendeln täglich in die Windy City. Über diese Funktion als Wohn- und Schlafstädte hinaus aber gibt es im Umland von Chicago auch viele Sehenswürdigkeiten und lohnende Ausflugsziele.

Der Begriff “Chicagoland” ist nicht offiziell im Gebrauch und geht vermutlich auf einen ehemaligen Herausgeber der Chicago Tribune zurück, der das damals noch recht dünn besiedelte Umland der Stadt in einem über 300 Kilometer großen Radius als das Einzugsgebiet Chicagos ansah. Die Umgebung der Großstadt erlebte einen ersten Bevölkerungszuwachs aus Chicago in der Folge des großen Feuers von 1871, bei dem mehrere Quadratkilometer der Stadt zerstört wurden, was tausende zum Umzug in die Vororte veranlasste. Einen zweiten, wesentlich bedeutsameren Schub gab es dann Mitte des 20. Jahrhunderts. Wie auch in vielen anderen Großstädten der USA verließen in den 1950er und 60er Jahren viele Menschen, vor allem die weiße Mittelschicht, die innerstädtischen Gebiete und zogen in die Vororte. Einige davon zählten in dieser Zeit zu den am schnellsten wachsenden Vororten des Landes.

Heute ist die Bevölkerung von Chicagoland ebenso vielschichtig wie die der Metropole selbst. Die Orte an sich haben durchaus unterschiedliche Entwicklungsgeschichten vorzuweisen. Einige gehen auf landwirtschaftliche Ursprünge zurück, andere begannen als kleine Siedlungen entlang der Bahnlinien. Heute gehen die Städte und Orte oft ineinander über und sind untereinander sowie mit Chicago über diverse Verkehrswege verbunden.

Aurora ist mit knapp 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Metropolregion und des Bundesstaats Illinois nach Chicago selbst. Aurora war in den 1880er Jahren eine der ersten Städte des Landes mit elektrischer Straßenbeleuchtung. Noch im Jahr 1990 war die Bevölkerungszahl nur rund halb so hoch. Sehenswert ist in der Stadt vor allem Stolp Island, eine kleine Insel im Fox River, die komplett als Historic District geschützt ist. Hier befinden sich mehrere der interessantesten Gebäude der Stadt, zum Beispiel die achteckige Grand Army of the Republic Hall, die 1877 als Monument zu Ehren der Soldaten des amerikanischen Bürgerkriegs erbaut worden war oder der 1928 erbaute Leland Tower, der einst als Hotel diente und heute ein Apartmentgebäude ist. Drei Jahre danach eröffnete das Paramount Theatre, ein Art-Deco-Gebäude, in dem es neben Filmvorführungen auch schon Konzerte und andere Veranstaltungen gegeben hat. Es dient auch heute noch als Theaterbühne und ist der kulturelle Mittelpunkt der Stadt. In der alten zentralen Feuerwache ist ein kleines Feuerwehrmuseum untergebracht. Außerdem hat Aurora einen eigenen Tierpark, den Phillips Park Zoo, in dem bei freiem Eintritt in erster Linie heimische Tiere aus dem Mittleren Westen gezeigt werden. Zahlreiche Besucher dürften allerdings in erster Linie zum Shopping aus Chicago nach Aurora kommen, denn hier befindet sich ein großes Outlet Center mit rund 170 Geschäften. Auf einem am Ufer festgemachten Schiff befindet sich ein Casino, das ebenfalls viele Gäste anzieht.

Joliet liegt am Ufer des Des Plaines Rivers und entwickelte sich von einem 1834 angelegten Dorf zu einer mittleren Großstadt mit heute 147.000 Einwohnern. In der Gegend rund um die Stadt wurde Gestein geschlagen, das sowohl zum Bau des Illinois & Michigan-Kanals als auch später zum Wiederaufbau des von einem Feuer großteils zerstörten Chicago benötigt wurde. Die Wasserwege prägen noch heute das Stadtbild, daneben ist Joliet vor allem Sportfans bekannt als Standort des Chicagoland Speedways, wo jährlich mehrere Rennen ausgetragen werden. Ebenfalls viele Besucher werden von den beiden in der Stadt zu findenden Casinos angezogen. Die bekannteste Sehenswürdigkeit Joliets ist aber eher beklemmender Natur: Das 1858 eröffnete und 2002 stillgelegte Gefängnis der Stadt wurde schon für mehrere TV- und Kinoproduktionen als Kulisse benutzt, unter anderem für die Serie “Prison Break” oder in der Eröffnungsszene der “Blues Brothers”. Außerdem sehenswert ist das historische Rialto Square Theater an der Van Buren Street. 1926 als Lichtspielhaus eröffnet, ist es bis heute ein wichtiger Veranstaltungsort und gilt als eines der schönsten Theatergebäude des Landes. Schon Al Capone soll von seinem Ambiente immer wieder angezogen worden sein.

Elwood ist ein kleiner Ort mit rund 2300 Einwohnern, der direkt an Joliet angrenzt. Hier befand sich bis in die 1970er Jahre ein bedeutendes Munitionsdepot der Armee. Nach der Stilllegung wurde ein Teil des Geländes zum Abraham Lincol Nationalfriedhof umgewandelt. Der größte Teil des Areals ist heute ein Naturschutzgebiet, in dem ein Bereich mit Präriegras bewahrt wird. Seit 2015 lebt hier eine kleine Bisonherde, die das “Management” des Gebiets übernimmt.

Naperville mit seinen inzwischen rund 147.000 Einwohnern war einst eine recht beschauliche, landwirtschaftlich geprägte Kleinstadt. Inzwischen ist sie eine der fünf größten Städte von Illinois und gehört zu den wohlhabendsten Großstädten der USA. Naperville erlebte in den 80er und 90er Jahren einen wirtschaftlichen Boom und eine regelrechte Bevölkerungsexplosion, begünstigt durch die Eröffnung zweier wichtiger Schnellstrassen nach Chicago. Entlang dieser Trassen siedelten sich zahlreiche Unternehmen aus der Technologiebranche an, die innerhalb weniger Jahre tausende Arbeitsplätze nach Naperville brachten. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt vor allem der im Jahr 2000 eingeweihte Moser Tower, ein schmaler, eleganter Turm, in dem ein Glockenspiel mit 72 Glocken untergebracht ist. Der historische, rund um 1835 entstandene Kern der Stadt mit rund 600 Häusern ist heute zu einem Historic District zusammengefasst. Darüber hinaus ist das Naper Settlement sehenswert, ein Freiluftmuseum, in dem das Leben im 19. Jahrhundert nachgestellt wird. Entlang des DuPage Rivers wurde ein Riverwalk aus Pflastersteinen angelegt, der Einheimische und Besucher an verschiedenen Denkmälern und Kunstwerken vorbeiführt und zum Spazierengehen einlädt.

Elgin, etwa 60 Kilometer nordwestlich von Chicago am Fox River gelegen, ist mit seinen 110.000 Einwohner eine weitere Großstadt in Chicagoland. Die Stadt erlebte ihren Aufschwung ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als sie an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde. Der landwirtschaftlich geprägte Ort hatte schon zuvor viele seiner Produkte nach Chicago verkaufen können, später kam die Elgin Watch Company hinzu, die hier erfolgreich hochwertige Uhren herstellte, viele Arbeitsplätze schuf und für Elgins Spitzname “Watch City” verantwortlich ist. Seit den 2000er Jahren wurde das Stadtbild einer umfassenden Restaurierung und Verschönerung unterzogen. Die Stadt verfügt über einige sehenswerte Gebäude im viktorianischen Stil sowie über ein kleines naturwissenschaftliches Museum mit einigen Fossilien und einem kleinen Tierpark mit Farmtieren im umgebenden Park. Hier lebt auch eine Herde Bisons. Elgin hat darüber hinaus über ein breites Kulturangebot mit mehreren Theaterkompanien, Oper und einem Symphonieorchester, zudem befinden sich im Stadtgebiet zwei Naturschutzgebiete. Weiterhin befindet sich in Elgin mit dem Riverboat-Casino Grand Victoria das ertragreichste Casino des Bundesstaats, das jährlich mehrere Millionen Menschen in die Stadt bringt. Innerhalb des Stadtgebiets befinden sich gleich zwei Naturschutzgebiete, von denen das mit dem Namen Bluff Spring Fen eine bemerkenswerte Vielfalt von Pflanzen einschließlich verschiedener Orchideen vorweisen kann.

Arlington Heights, das trotz seiner inzwischen 75.000 Einwohner nicht offiziell als Stadt registriert ist, wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von aus Sachsen emigrierten Bauern gegründet, die hier schnell Fuß fassen und ihre Produkte auch in einem weiteren Umkreis verkaufen konnten. Heute ist der Ort vor allem wegen seiner Pferderennbahn namens Arlington Park bekannt, wo 1981 das erste Rennen der Geschichte mit einem Preisgeld von einer Million Dollar ausgetragen wurde. Die Rennbahn wird auch heute noch oft genutzt, auch für nicht mit dem Pferdesport verbundene Veranstaltungen.

Cicero ist ein Beispiel für die demographischen Veränderungen, die das Land in den letzten Jahrzehnten erlebte. Einst war die heute knapp 80.000 Einwohner zählende Stadt geprägt von Einwanderern aus der Tschechoslowakei, heute sind über 86% der Einwohner hispanischer Herkunft, zum größten Teil mit mexikanischen Wurzeln. Eine Erinnerung an das Erbe der europäischen Einwanderer ist die Kirche St. Mary of Czestochowa, die 1918 von polnischen Immigranten erbaut worden war. An der Pferderennbahn Hawthorne Race Course befindet sich die Hall of Fame für Sportler aus Chicagoland.

Des Plaines, die Stadt mit 58.000 Einwohnern in direkter Nachbarschaft zum Flughafen O’Hare, hat eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit aufzubieten, denn hier eröffnete Ray Kroc 1955 das erste McDonald’s-Restaurant. In einem Nachbau dieses Restaurants befindet sich heute das McDonald’s #1 Store Museum. Zudem hat auch Des Plaines ein Casino. Als Ausflugsziel beliebt ist der Lake Opeka mit Picknickplätzen, einem Golfplatz, Spazierwegen und der Gelegenheit zum Angeln und Kanufahren.

Evanston liegt direkt südlich von Chicago am Ufer des Lake Michigan und zählt rund 74.000 Einwohner. Evanston ist mit der Purple Line des Chicagoer Nahverkehrssystems CTA erreichbar. Die Stadt ist recht wohlhabend und gilt wegen vieler kleiner Läden an Central Street, Howard Street und in Downtown als beliebtes Ziel für Shopping. Evanston ist der Standort der Northwestern University mit ihren rund 19.000 Studenten. Sehenswert ist vor allem das Grosse Point Light, ein 1873 eröffneter, 34 Meter hoher Leuchtturm, der an den Wochenenden besichtigt werden kann.

Oak Park ist vor allem bekannt als vorübergehende Heimat des berühmten Architekten Frank Lloyd Wright, der der Region einige seiner Bauwerke hinterlassen hat. Dazu zählt zum Beispiel das Kirchengebäude des Unity Temple aus dem Jahr 1908. Wrights Wohnhaus und sein Studio befinden sich an der Chicago Avenue in Oak Park und können in geführten Touren besichtigt werden. Daneben verfügt der Ort mit knapp 52.000 Einwohnern über einen botanischen Garten, das Oak Park Conservatory. Darüber hinaus hat Oak Park eine lebendige Kunstszene mit zahlreichen Galerien, vor allem an der Harrison Avenue und mehrere Theatergesellschaften. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten zählen ein ehemaliges Wohnhaus von Ernest Hemingway und der botanische Garten im Oak Park Conservatory.

Wheaton, das rund 40 Kilometer westlich von Chicago liegt, gilt als einer der Orte mit dem höchsten durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen der USA. Dieser Wohlstand macht sich auch im gepflegten Stadtbild bemerkbar. Die Stadt mit rund 53.000 Einwohnern ist bekannt für ihre guten Schulen und ihr ausgedehntes Netz aus mehr als 50 öffentlichen Parks und Grünanlagen. Insgesamt erstrecken sich die Parks und Grünanlagen über mehr als 800 Hektar, sie umfassen auch zwei Schwimmbäder, verschiedene Sportfelder und den kleinen Cosley Zoo mit etwa 200 Tieren. Wheaton ist Standort eines kleinen, christlich geprägten Colleges mit knapp 3000 Studenten. In der Stadt gibt es mehrere Golfplätze. Der Ort verfügt daneben über ein Naturschutzgebiet namens Lincoln Marsh Natural Area, eine Mischung aus Prärie und Feuchtgebiet. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist das 1925 eröffnete Grand Theatre, das für Filmvorführungen und Konzerte genutzt wird.