Schon allein die Zahl derjenigen, die bei den Demokraten als mögliche Präsidentschaftsbewerber gehandelt wurden, versprach, dass dieser Vorwahlkampf neue Superlative aufstellen würde. Mit der offiziellen Verkündung der Kandidatur von Cory Booker am 1. Februar 2019 steht auf jeden Fall fest, dass sich die Demokraten erstmals zwischen mindestens zwei schwarzen Kandidaten entscheiden können, denn zuvor hatte bereits Kamala Harris ihre Kandidatur erklärt.

Wie Harris ist auch Cory Booker derzeit amtierender Senator und wie diese ist auch er in den Monaten vor der Verkündung der Kandidatur erkennbar darum bemüht gewesen, seinen Bekanntheitsgrad im ganzen Land zu erhöhen. Ebenso wie Harris sitzt Booker in wichtigen Ausschüssen des Kongresses und hat in den öffentlichen Anhörungen in diesen Komitees auf sich aufmerksam machen können; zum Beispiel, als er während der Befragungen zu Trumps Supreme Court-Kandidaten Brett Kavanaugh vertrauliche Emails veröffentlichte, obwohl ihm dafür disziplinarische Konsequenzen drohten. Die dramatische Episode und seine harte Befragung des Richters brachte ihm den Vorwurf ein, mitunter ein wenig zu theatralisch zu agieren, gleichzeitig zementierte sie aber auch seinen Ruf als erbitterter Trump-Gegner, der ihm Kampf gegen den ungeliebten Präsidenten auch bereit ist, ungewöhnliche Wege einzuschlagen.

In der Demokratischen Partei ist diese kompromisslose Anti-Trump-Haltung aller Voraussicht nach eine wichtige Eigenschaft, um auf die Nominierung in den Vorwahlen hoffen zu dürfen. Tatsächlich zählt Booker im breiten demokratischen Bewerberfeld zum Favoritenkreis. Weniger gut dürfte dagegen in Anbetracht des Linksrutsches der Demokraten Bookers gute Beziehungen zum Wall Street-Kapital ankommen. Tatsächlich darf der Senator aus New Jersey für seinen Wahlkampf auf finanzkräftige Unterstützer hoffen, wo andere demokratische Bewerber vor allem auf Kleinspenden aus der Bevölkerung setzen. Allerdings ist ihm wohl durchaus klar, dass demokratische Wähler Zuwendungen aus bestimmten Kreisen gegenüber eher misstrauisch sind. Er hat sich daher dazu verpflichtet, keine Spenden aus der Pharma- und der Energieindustrie anzunehmen.

Auch beim Blick auf Cory Bookers politische Karriere dürfte so mancher an der demokratischen Parteibasis die Stirn runzeln. Booker, der 1969 in Washington DC geboren wurde und in New Jersey aufwuchs, wurde 2006 zum Bürgermeister von Newark. Die Stadt befand sich damals auf einem Negativkurs und Booker war mit dem Versprechen angetreten, Kriminalität und Gewalt zu beenden und Newark zu einem sicheren Ort zu machen – doch Jahre später, nach anfänglichen Millioneninvestitionen, stand die Stadt in vielerlei Hinsicht nicht viel besser da als zu Beginn seiner Amtszeit. Auch damals schon war ein gewisser Hang zu großen Gesten zu erkennen: Als Stadtrat trat Booker 1998 in einen Hungerstreik, um auf den vernachlässigten Wohnungsbau aufmerksam zu machen und seit seiner Zeit als Bürgermeister lebt er in einem Wohnprojekt, in dem es zur Zeit seines Einzugs große Schwierigkeiten mit Drogen und Kriminalität gab.

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Generell ist Cory Booker ein Meister der öffentlichen Wahrnehmung. Dazu trugen nicht nur Schlagzeilen wie bei der Rettung einer Nachbarin aus einem brennenden Haus bei oder ein inszenierter Streit mit dem Late Night-Moderator Conan O’Brien. Booker war auch einer der ersten Politiker, die auf soziale Medien setzten und ihre öffentliche Kommunikation über diese Kanäle stattfinden ließen. 2012 sprach er auf dem Tech-Festival South by Southwest über die Nutzung von Twitter, wo er heute mehr als 4 Millionen Follower hat.

Seit 2013 ist Booker Senator für New Jersey. Er hat sich in dem Gremium vor allem als erbitterter Widersacher von Donald Trump profiliert und legte einen Gesetzentwurf vor, mit dem Sonderermittler Mueller vor einer Entlassung geschützt werden sollte. Booker plädierte für eine reduzierte Rolle der USA in den Konflikten in Syrien und Afghanistan und er unterstützt die Zwei-Staaten-Lösung für Israel und Palästina. Er tritt entschieden für die Ehe für alle ein, fordert eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns und eine Reform der Krankenversicherung. Darüber hinaus ist Booker, der vegan lebt, dafür bekannt, sich für die Rechte von Tieren einzusetzen.

Bei den Umfragen zur Beliebtheit der demokratischen Bewerber im Frühjahr 2019 liegt Booker im Schnitt bei etwa 3% Zustimmung und damit auf einem der acht vorderen Plätze.


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