Die Stockyards stehen sowohl für den Aufschwung der Stadt in den frühen Jahren ihres Bestehens, als auch für ihr Image als in den Traditionen des Westens verwurzelte Stadt der Cowboys. Heute sind sie, eingebettet in ein insgesamt rund 40 Hektar großes, denkmalgeschütztes Viertel, die wichtigste Sehenswürdigkeit von Fort Worth. Neben den eigentlichen Gebäuden, in denen einst die Schlachthöfe und Ställe untergebracht waren, finden Besucher in dem Stadtteil heute auch etliche Bars, Restaurants und Läden, oft mit einem Angebot an typischen Western-Accessoires. Die täglichen Highlights sind die von Freiwilligen inszenierten “Viehtriebe” über die kopfsteingepflasterten Straßen des Viertels, bei denen allerdings nur eine Handvoll Tiere unterwegs sind – kein Vergleich mit den tausenden, die früher über hunderte von Meilen hierher getrieben worden sind, aber trotzdem für alle Besucher eine willkommene Fotogelegenheit.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts war Fort Worth die letzte Stadt, bevor die Cowboys mit ihren Viehherden ins indianische Territorium gelangten, das mit vielen Gefahren verbunden war. Hier, in der bald “Cowtown” genannten Stadt, bestand die für viele Meilen letzte Gelegenheit, Vorräte zu kaufen und auszuruhen. Bei der Rückkehr wiederum gab es hier Zerstreuung, Nachtleben und Entertainment und nicht wenige der Cowboys gaben ihr gerade erhaltenes Geld hier – oft für zwielichtiges – wieder aus. 1876 kam die Eisenbahn nach Fort Worth, 1887 wurde der erste Schlachthof errichtet. Nur sechs Jahre später kauften Geschäftsleute aus Boston den Schlachthof auf und erweiterten ihn, bald gefolgt von neuen Investoren und zusätzlichen Schlachthöfen. Die Investitionen waren höchst profitabel und sorgten für einen nachhaltigen Aufschwung der Bevölkerungszahlen. Neben dem Schlachtgeschäft entwickelten sich schnell zusätzliche Geschäftszweige. Viehauktionen wurden in separaten Gebäuden abgehalten, bald auch für Schafe und Pferde. Die Stockyards blieben über viele Jahrzehnte erfolgreich, noch in den 1950er Jahren kamen Millionen von Tiere durch Fort Worth. Danach allerdings ließ das Geschäft nach. Im Dezember 1992 wurde die letzte Viehauktion veranstaltet.
Vorausschauend hat man damals dafür gesorgt, dass die Gebäude erhalten und restauriert wurden und so kann Fort Worth heute vor allem aus diesem Stadtteil viele Tourismusdollar einnehmen. Insgesamt gehören mehr als 40 Gebäude zum Historic District. Täglich um 11:30 und um 16 Uhr findet der kleine Viehtrieb rund um die Stockyards statt (Foto).

Weiterhin gibt es Angebote zum selbst Reiten oder um mit einer historischen Kutsche das Viertel zu entdecken. Für einen noch genaueren Blick auf die Geschichte der Stockyards bietet sich das Museum an, das Artefakte aus der Vergangenheit zeigt. An jedem Freitag und Samstag, abends um 20 Uhr, kann man darüber hinaus einer echten Tradition des amerikanischen Westens beiwohnen und ein Rodeo im Cowtown Coliseum gegenüber des Schlachthofgebäudes besuchen. Tatsächlich sollte man als Amerikafan die Gelegenheit nutzen und einmal einem Rodeo beiwohnen, denn zweifellos gehören die Wettkämpfe zu Pferd zu den typischen Traditionen des Landes. Von Zeit zu Zeit finden im Coliseum, das früher für die Viehauktionen genutzt wurde, darüber hinaus andere Veranstaltungen statt. Informationen darüber sind im Besucherzentrum erhältlich, das sich ebenfalls direkt im Stockyards-Bezirk befindet.

Neben den touristischen Attraktionen finden sich in dem Viertel auch Gelegenheiten zum Einkaufen von Souvenirs und Western Wear wie Stiefeln oder Cowboyhüten sowie Hotels und Restaurants. Über die Grenzen von Texas hinaus bekannt ist Billy Bob’s Texas. Die 12.000 Quadratmeter große und 6000 Zuschauer fassende Bar bezeichnet sich als das “weltgrößte Honky-Tonk” – der Begriff bezeichnet eine Kneipe, in der Country Music gespielt wird. Billy Bob’s ist jedoch mehr als eine Kneipe, denn hier wurden bereits diverse Filme gedreht, viele Stars sind aufgetreten und einige haben hier sogar ihre Musik für Live-Alben aufgenommen. Zu diesen Interpreten zählen unter anderem Willie Nelson, Merle Haggard und die Randy Rogers Band. Auch heute noch schallt der Country aus dem Honky Tonk, der sich einige Meter von den Schlachthöfen entfernt befindet. Wer sich dafür interessiert, findet in Billy Bob’s an der Celebrity Wall die Handabdrücke großer Country-Stars wie Garth Brooks oder Johnny Cash.

 

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