Der Begriff Bleeding Kansas, manchmal auch als „Bloody Kansas“ zu finden, bezeichnet einen Zeitraum kurz vor dem Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Zeit war geprägt von oftmals gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Sklaverei, die auf dem Gebiet des damaligen Territoriums Kansas ausgetragen wurden. Diese von Zivilisten geführten Auseinandersetzungen galten als Spiegelbild der polarisierten Stimmung im ganzen Land und wurden als „tragischer Vorlauf“ zum folgenden Civil War gesehen. Ein Wandgemälde mit dem Titel „Tragic Prelude“ vom amerikanischen Künstler John Steuart Curry im Kapitol des Bundesstaats Kansas in der Hauptstadt Topeka erinnert an diese Zeit (Foto oben).


Die Vorgeschichte: Der Kansas-Nebraska-Act

In den 1850er Jahren waren die Gebiete westlich des Mississippi noch in weiten Teilen unerschlossen und nicht formal organisiert. Erst im Jahr 1854 hatte der Kongress den Kansas-Nebraska-Act verabschiedet, der diesen beiden Gebieten den Status von zu den USA gehörenden Territorien verlieh. Diese Organisationsform war notwendig, um den Bau einer von allen Parteien gewünschten transkontinentalen Eisenbahnstrecke nach Kalifornien zu ermöglichen.

Die Schaffung eines neuen Territoriums drohte, ein fragiles Gleichgewicht zu zerstören. Im sogenannten Missouri Compromise war im Jahr 1820 gesetzlich festgeschrieben worden, dass in allen Ländereien nördlich von Missouris Südgrenze nur Territorien und nachfolgend Bundesstaaten entstehen könnten, in denen die Sklavenhaltung verboten sei. Die Regelung war geschaffen worden, um sicherzustellen, dass weder Befürworter noch Gegner der Sklaverei im Land ein politisches Übergewicht bekommen. Kansas und Nebraska liegen beide nördlich dieser Linie und so beschloss der Kongress, um das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten, dass die Bewohner der beiden neuen Gebiete über diese heikle Frage selbst per Wahl abstimmen können sollten, sobald sich das Territorium organisiert und danach ein Bundesstaat werden sollte.

Dieser gefundene Kompromiss allerdings sorgte bei den Gegnern der Sklaverei in den nördlichen Bundesstaaten für Entsetzen. Eine größere Gruppe politisch interessierter Menschen nahm diese Entwicklung zum Anlass, sich von der Whig-Partei loszusagen und eine eigene Partei zu gründen, die sich dezidiert gegen die Sklaverei einsetzte. 1854 entstand so die bis heute bestehende Republikanische Partei.


Bleeding Kansas: Das Territorium entzweit sich

Sobald der Kongress den Weg freigemacht hatte, strömten Siedler aus den Sklavenhalter-Staaten in das neue Territorium. Das Ziel war, genügend Einwohner zusammenzubekommen, um die kommende Abstimmung zu ihren Gunsten zu entscheiden. Die ersten Wahlen und Abstimmungen, bei denen es um die Besetzung von Posten ging, wurden entsprechend von Kandidaten gewonnen, die die Sklaverei befürworteten. Später stellte sich heraus, dass mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen gar nicht von in Kansas registrierten Wählern stammte. In Folge der Abstimmungsergebnisse machten nun auch die Gegner der Sklavenhaltung mobil und sorgten ihrerseits für einen Zufluss an neuen Siedlern im Territorium.

Im Jahr 1855 verstärkten beide Seiten ihre Bemühungen noch einmal. Für dieses Jahr waren im Territorium die ersten Parlamentswahlen angesetzt. Das neue Parlament würde darüber entscheiden, ob Kansas ein Bundesstaat mit Sklavenhaltung oder ohne werden würde. Bei der Wahl setzten sich die Pro-Sklaverei-Kandidaten in 37 von 39 Wahlbezirken durch. Das Ergebnis wurde nach der Entdeckung zahlreicher Fälle von Wahlbetrug und nach daraus folgenden Neuwahlen in einigen Bezirken korrigiert, doch noch immer waren 29 von 39 Sitzen im Parlament in der Hand der Befürworter der Sklaverei. Schon in der ersten Sitzung wurden die Neuwahlen für ungültig erklärt, die Verlegung der Hauptstadt beschlossen und Gesetze verabschiedet, welche die Sklavenhaltung begünstigten.

Die Gegenseite schuf daraufhin ein eigenes Parlament, das in Topeka tagte, einen eigenen Gouverneur wählte und eine erste Verfassung für Kansas vorlegte. Der amtierende US-Präsident Franklin Pierce erklärte das Parlament der Sklavenhaltungsgegner für Aufständische. Dessen ungeachtet ergab eine Untersuchung des US-Repräsentantenhauses, dass die Gegner der Sklaverei eine Mehrheit in Kansas errungen hätten, wenn nur tatsächliche Siedler in Kansas abgestimmt hätten.


Bleeding Kansas als Vorläufer zum Bürgerkrieg

Am 21. November 1855 kam es zum Mord an einem Sklavereigegner, verübt durch einen Befürworter. Obwohl die Tat nicht politisch motiviert war, war sie der Funken, der den schwelenden Konflikt voll entfachte. Der zuständige Sheriff ließ statt des Täters einen anderen aus den Reihen der Sklavenhaltungsgegner verhaften, der postwendend von Gleichgesinnten aus dem Gefängnis befreit wurde. Bald schon bildeten beide Seiten Milizen, die aber zunächst inaktiv blieben.

Das änderte sich im Mai 1856, als Milizen die von Sklavereigegnern gegründete Stadt Lawrence überfielen und Häuser und Geschäfte plünderten. Das Ereignis sorgte sogar im Kongress im fernen Washington, DC für eine heftige Auseinandersetzung, bei der es zu einer lebensbedrohlichen und landesweit beachteten Schlägerei zwischen zwei Senatoren kam. Es war der Auftakt zu einer Welle der Gewalt. Nur wenige Tage später entführten Gegner der Sklaverei fünf Männer aus ihren Häusern und ermordeten sie auf brutale Art und Weise.

US-Präsident Pierce nahm dies zum Anlass, die Pro-Sklaverei-Legislative von Kansas zu stärken. Er entsandte im Juli 1856 ein Truppenkontingent von 500 Soldaten, die ihre Kanonen auf das Versammlungsgebäude in Topeka richteten. Um ein Blutvergießen zu vermeiden, löste sich das Parlament der Sklavereigegner daraufhin auf. Derart ermutigt, sammelten sich tausende Männer in den sklavenhaltenden Staaten im Süden der USA und marschierten nach Kansas, um die Macht dort für ihre Seite zu sichern. Wo sich ihnen Gegner entgegenstellten, etwa in der Schlacht von Osawatomie, kam es zu blutigen Schlachten mit Toten und Verletzten. Im Mai 1858 entführten Sklaverei-Befürworter eine Gruppe unbewaffneter „Free Staters“, also Gegner der Sklaverei, aus Kansas nach Missouri und richtete dort fünf von ihnen hin. Insgesamt spricht man heute von 56 Toten im Rahmen von Bleeding Kansas.


Kansas im Bürgerkrieg

Das sensible Gleichgewicht zwischen sklavenhaltenden und freien Gebieten der USA kippte schließlich im Jahr 1861 endgültig. Als Abraham Lincoln zum Präsidenten gewählt wurde, verließen mehrere südliche Bundesstaaten die Union und bildeten die Konföderation. Kansas wurde daraufhin vom Kongress als neuer Bundesstaat aufgenommen. Im Gegensatz zu der von viel Gewalt geprägten „Bleeding Kansas“-Zeit vor dem Bürgerkrieg, blieb das Gebiet während des Bürgerkriegs von allzu viel Blutvergießen verschont. So gab es etwa keine ernsthaften Versuche der Konföderierten, Kansas einzunehmen. Es kam lediglich zu einigen kleineren Schlachten und Guerilla-Vorstößen in das Gebiet. In dem jungen Bundesstaat wurden aber einige Regimenter gegründet, darunter auch zwei nur mit schwarzen Soldaten, die an anderen Schauplätzen am Krieg teilnahmen


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