Obwohl Kansas und das gesamte Herzland Amerikas heute im Alltagsgeschehen weit weniger bedeutsam zu sein scheinen als die Regionen an beiden Küsten und international wenig im Blickpunkt steht, trugen sich auf dem Gebiet des heutigen Bundesstaats im Laufe der Zeit mehrere wichtige Ereignisse zu, die den Lauf der amerikanischen Geschichte nachhaltig beeinflussten. So war Kansas beispielsweise einer der letztlich entscheidenden Funken, an denen sich der amerikanische Bürgerkrieg entzündete. Der Historiker Carl Becker schrieb Anfang des 20. Jahrhunderts, Kansas sei “Amerika im Mikrokosmos” und ein Blick in die Geschichte scheint ihn zu bestätigen.

Das Gebiet des heutigen Kansas ist ursprüngliches Indianerland; die erste Erwähnung erfolgte erst im 16. Jahrhundert in Landkarten, die von spanischen Entdeckern erstellt wurden. Zur damaligen Zeit gab es hier riesige Bisonherden, denen die größtenteils nomadischen Indianervölker folgten. Für die Europäer dagegen blieb das Land lange Zeit uninteressant, erst 1724 ließ der Kommandant eines französischen Postens am Mississippi einen Handelsposten an der Mündung des Kansas River errichten. 1803 kam das gesamte Gebiet westlich des Mississippi im Louisiana Purchase an die USA und im folgenden Jahr erhielten Lewis und Clark den Auftrag, das bis dahin unorganisierte Territorium zu erschließen. Die Erkenntnisse aus dieser und einer folgenden Expedition jedoch waren eher ernüchternd – der amerikanische Entdecker Zebulon Pike zum Beispiel bezeichnete Kansas als die “große Wüste” – und das führte in Washington DC dazu, das noch immer wenig bekannte Land als künftiges Siedlungsgebiet für Indianer zurückzustellen und für die Besiedelung durch Neuankömmlinge zu sperren. Um Platz für die aus dem Osten des Landes vertriebenen Stämme zu schaffen, wurden den ursprünglich in Kansas lebenden Völker der Kansa und Osage Reservate zugewiesen.

Einige Jahre später jedoch, im Zuge der Anbindung der weiter westlich gelegenen Siedlungsgebiete an die Ballungszentren des Landes, rückte Kansas wieder in den Blickpunkt. Zum Schutz der Reisenden auf dem Santa Fe Trail wurde 1827 das Fort Leavenworth im Nordosten von Kansas erbaut, weitere Posten folgten. Trotz der Reservierung des Landes für die Ureinwohner blieben immer wieder weiße Siedler im Territorium und begannen, Ansprüche auf das Land zu erheben.

1852 begannen in Washington die Bemühungen, Kansas als Territorium zu organisieren und damit war mehr oder weniger auch klar, dass das Gebiet für die Besiedlung durch Weiße freigegeben werden würde. Zur gleichen Zeit jedoch war im Land der Streit um die Sklavenfrage entbrannt und die Abgeordneten der Südstaaten in Washington verweigerten ihre Zustimmung zur Gründung des Territoriums, wenn dieses sklavenfrei bleiben sollte, auf der anderen Seite verweigerten die Vertreter des Nordens ihre Zustimmung zu einem neuen Gebiet mit Sklavenhaltung. Bald strömten militante Vertreter beider Seiten nach Kansas und versuchten, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Zahlreiche Versammlungen, Protestmärsche und auch Handgreiflichkeiten fanden statt. 1854 wurde der Kansas-Nebraska-Act erlassen; ein Gesetz, das vorsah, dass die Bewohner eines Territoriums selbst in demokratischer Form entscheiden sollten, ob Sklavenhaltung erlaubt sein solle oder nicht. Das Gesetz jedoch bewirkte nur noch mehr Zustrom nach Kansas und bald weiteten sich die Auseinandersetzungen vor allem entlang der Grenze zu Missouri zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen aus. In den Jahren zwischen 1856 und 1859 kam es immer wieder zu guerilla-artigen Kämpfen zwischen den Lagern. Insgesamt sollten in dieser Zeit, die als “Bleeding Kansas” (blutendes Kansas) in die Geschichte einging, 56 Menschen ihr Leben lassen. Im Bürgerkrieg ab 1861 – Kansas war zuvor zum 34. Bundesstaat der USA geworden – kam es dann auch in Kansas zu weiteren Opfern. Unter anderem kam es mehrfach zu Überfällen konföderierter Truppen. 1863 suchte eine Guerilla-Einheit unter Führung von William Quantrill die Stadt Lawrence heim, tötete mehr als 150 Menschen und brannte fast die ganze Stadt nieder (Foto).

Nach dem Civil War erlebte der junge Bundesstaat einen Aufschwung. Inzwischen waren die Bahnlinien bis hierher weitergebaut worden und so wurde Kansas zum Ziel der riesigen Viehtriebe aus Texas. Zudem wurde Kansas das Ziel vieler nach dem Krieg befreiter Sklaven aus den Südstaaten, die sich hier, mit guten Böden und fairen Bedingungen, eine bessere Zukunft versprachen. Tatsächlich war das Land hier geeignet zum Anbau von Getreide, doch die Farmer unterschätzten das Wetter. Zum einen gab es immer wieder Stürme oder Blizzards, die eine Ernte zerstören konnten, zum anderen reichte der Regen nicht aus, um den hart beanspruchten Boden regenerieren zu lassen. In den 1930er Jahren kam es hier daher, wie überall in den Great Plains, über mehr als zehn Jahre zum sogenannten Dust Bowl, bei dem sich große Bodenflächen durch den Wind lösten und in teilweise riesigen Staubwolken über das Land zogen und über Tage das Licht verdunkelten. All dies geschah nur kurz nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 und die zusätzlich fehlenden Einnahmen zwangen nun viele Farmer dazu, andernorts ihr Glück zu suchen. Kansas verlor einen bedeutenden Teil seiner Landbevölkerung; zugleich jedoch entwickelte sich Wichita zum Zentrum des Flugzeugbaus und bot viele neue Arbeitsplätze an. Dies galt umso mehr nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg, als in Kansas im großen Stil Kampfflugzeuge gebaut wurden.

Im Jahr 1954 rückte Kansas dann erneut über die Rassenfrage in den Blickpunkt des Interesses. In einer Entscheidung des Supreme Court der USA im Fall “Brown vs. Board of Education” wurde die bis dahin bestehende Möglichkeit der Trennung der Rassen in segregierten Schulen aufgehoben. Die Klage war von Eltern aus Topeka angestrengt worden, deren Kinder auf separate Schulen gehen mussten. Die Stadt- und Schulverwaltung setzte den Richterspruch ohne Zwischenfälle um.

Kansas liegt in der sogenannten Tornado Alley, also in dem Teil der USA, in dem es jährlich zu mehreren Tornados kommt. In der Regel haben diese nur regionale Auswirkungen, selten kommt es zu schweren Zerstörungen oder gar Todesfällen. Im Juni 1966 war es allerdings zu einer Serie von 59 Tornados innerhalb weniger Tage gekommen, bei denen insgesamt 18 Menschen ums Leben kamen und die Stadt Topeka in weiten Teilen verwüstet wurde.