Ganz im Süden streckt Louisiana noch einmal einen Finger heraus in den Golf von Mexiko. Grand Isle ist, trotz der vielen tausend Touristen, die hier im Sommer Meer und Strand genießen, ein recht authentisches Stück dieses ganz besonderen Bundesstaats; einer, der in alten Fischertraditionen verwurzelt ist und wo man noch wunderbar Natur erleben kann. Aber es ist voraussichtlich auch der Teil des Landes, der den Amerikanern auf besonders deutliche Art zeigen wird, welche Folgen der Klimawandel hat, denn die flache Insel droht durch den steigenden Meeresspiegel unterzugehen.

Die exponierte Lage draußen im Meer ist der Grand Isle schon öfter mal zum Verhängnis geworden. Kaum ein Ort in Amerika ist in der Vergangenheit häufiger von Hurrikans getroffen worden. Auch diese immer wiederkehrende Gefahr ist ein Grund dafür, dass auf der langgezogenen, aber eben im Durchschnitt nur zwei Meter hoch gelegenen Insel nicht mehr als 1400 Menschen leben. Noch immer leben viele davon vom kommerziellen Fischfang, doch auch der Tourismus ist von großer Bedeutung. Die guten Möglichkeiten zum Fischen und Angeln sind dabei eine der Attraktionen, ebenso wie die Lage der Insel auf der Strecke der Zugvögel.

Für die Vögel, die den Winter in wärmeren Gefilden in Mittel- und Südamerika verbracht haben, ist Grand Isle das erste Stück Land nach der Überquerung des Golfs von Mexiko und die meisten davon nutzen diese Gelegenheit, um endlich eine Pause einzulegen. Jedes Jahr Mitte April findet das Migratory Bird Festival auf Grand Isle statt, zu dem Tausende von Naturfreunden, bewaffnet mit Kamera und Fernglas, in den Süden Louisianas reisen. Aber auch den Rest des Jahres kommen diese hier auf ihre Kosten, denn in der relativen Abgeschiedenheit der Insel fühlen sich zahlreiche Vogelarten wohl, zum Beispiel Pelikane, und in den warmen Gewässern kann man recht gut Delfine beobachten. Eine gute Gelegenheit dazu bietet der Grand Isle State Park, wo man auch campen, wandern und am Strand entspannen kann.



Um die Insel buchstäblich vor dem Untergang zu retten, startete 1998 ein aus mehr als 70 einzelnen Projekten bestehendes Programm namens „Toward a sustainable coast“, in das insgesamt mehr als $14 Milliarden fließen. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehrere Hektar Feuchtgebiete auf der Insel unwiederbringlich verloren. Nun soll unter anderem die Entnahme von Sedimenten aus dem Mississippi River im oberen Flusslauf reduziert werden, so dass sich mehr davon im Delta des Flusses ansammeln und dort Marschgebiete schaffen kann. In einem anderen Projekt sollen Austernriffe angelegt werden, um die Erosion weiterer Teile der Küste zu verhindern. Alle diese Projekte werden allerdings immer wieder von Hurrikanen beeinflusst und könnten von neuen Prognosen zum steigenden Meeresspiegel zur Makulatur werden.


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Bildquelle Foto oben: Town of Grand Isle Mediafoto