Die Großen Seen (Great Lakes) sind formal gesehen fünf miteinander verbundene Süßwasserseen im Grenzgebiet zwischen den USA und Kanada, die zusammen das größte Seengebiet der Welt bilden. Die Great Lakes sind aber auch der Oberbegriff für die Region im Norden der USA, die aus Teilen mehrerer US-Bundesstaaten besteht. Die Seen haben große wirtschaftliche Bedeutung – über den St. Lorenz-Strom sind sie mit dem Atlantik verbunden -, daneben aber auch einen hohen Freizeitwert und bilden eine beliebte Ferienregion. In der Region befinden sich mehrere bedeutende Ballungsräume und Großstädte, darunter Toronto, Detroit, Cleveland und Chicago.

Zusammen stellen die Großen Seen rund 21% des weltweiten Frischwasservorrats an der Oberfläche. Sie bedecken eine Gesamtfläche von rund 244.000 km², das entspricht etwa der Fläche Großbritanniens. Der Obere See (Lake Superior) ist dabei der zweitgrößte See der Welt, der Michigansee (Lake Michigan) ist der weltweit größte See innerhalb nur eines Landes. Die Gewässer entstanden am Ende der Eiszeit. Während dieser hatten sich Eisschichten gebildet und mit ihrem Gewicht Senken geschaffen, die sich durch das schmelzende Eis mit Wasser füllten. Wenn von den Great Lakes die Rede ist, sind in aller Regel die fünf größten Gewässer gemeint, tatsächlich aber gibt es außer diesen noch tausende weitere, kleinere Seen in dem auf diese Art geschaffenen Becken.

Great Lakes aus dem Weltall gesehen

Lake Ontario
Der Ontariosee ist der mit rund 19.000 km² Oberfläche kleinste der Großen Seen und der am weitesten östlich liegende. Er grenzt an die kanadische Provinz Ontario und an den US-Bundesstaat New York; die Grenze zwischen beiden Ländern verläuft in der Mitte des Sees. Der wichtigste Zufluss ist der Niagara River einige Meilen nach den berühmten Niagarafällen, der Fluss kommt aus dem benachbarten Eriesee. Der Abfluss aus dem Ontariosee ist der Sankt-Lorenz-Strom, der von hier aus zum Atlantik fließt und somit die Großen Seen mit dem Meer verbindet. Nennenswerte Orte am Seeufer sind vor allem Toronto und Hamilton auf der kanadischen Seite sowie Rochester in den USA, das vor allem für die zahlreichen Obstplantagen in der Umgebung bekannt ist. Durch das besondere, von den Seen beeinflusste Klima kommt es zu ungewöhnlich großen Schneefallmengen östlich des Sees, wodurch im Norden New Yorks das beliebte Wintersportgebiet Tug Hill entstanden ist. Beliebte Badestrände befinden sich unter anderem im Southwick Beach State Park bei Henderson und im Sandy Island Beach State Park bei Pulaski.

Lake Erie
Der Eriesee ist über seinen Abfluss, den Niagara River, mit dem Ontariosee verbunden. Er ist der elftgrößte See der Welt und der am weitesten südlich liegende der Great Lakes. Der Lake Erie, benannt nach einem in der Region heimischen Ureinwohnervolk, ist rund 25.700 km² groß und erstreckt sich an seiner längsten Stelle über 388 Kilometer. Mit einer maximalen Tiefe von 64 Metern ist der flachste und damit auch der wärmste der Großen Seen. Auch durch den Eriesee verläuft die kanadisch-amerikanische Grenze, am südlichen Seeufer liegen die Bundesstaaten Michigan, Ohio, Pennsylvania und New York. Die wichtigsten Orte am See sind Cleveland und Toledo in Ohio sowie Buffalo in New York. Zu den beliebten Ausflugszielen gehören darüber hinaus die Inseln Kelleys Island in Ohio, die zu Kanada gehörende Pelee Island, der Sterling State Park in Michigan und der Presque Isle State Park, wo es jeweils Sandstrände gibt. Der Eriesee ist ein beliebtes Ziel für Taucher, die hier mehrere Schiffswracks erkunden können. Im Winter ist Eisfischen ein weit verbreiteter Zeitvertreib.

Lake Michigan
Der Michigansee ist der einzige der fünf Großen Seen, der vollständig auf dem Staatsgebiet der USA liegt. Mit einer Oberfläche von 58.000 km² und einer maximalen Länge von 494 Kilometern ist er der drittgrößte der Greal Lakes und über die Mackinacstraße mit dem Lake Huron verbunden. An den See grenzen die US-Bundesstaaten Michigan, Indiana, Illinois und Wisconsin an, der wichtigste Ballungsraum am Ufer ist der von Chicago. Daneben befinden sich unter anderem auch die Städte Milwaukee und Green Bay in Wisconsin sowie Gary, Indiana am See; insgesamt leben rund 12 Millionen Menschen an dem Gewässer. Der Michigansee spielt für die angrenzenden Bundesstaaten eine herausragende Rolle, nicht zuletzt was den Tourismus angeht. In allen Regionen am See gibt es beliebte Strände, insgesamt sind es so viele, dass die Uferlinie des Lake Michigan manchmal als „dritte Küste der USA“ bezeichnet wird. Besonders sehenswert sind die zahlreichen Dünenlandschaften, beispielsweise an der Sleeping Bear Dunes National Lakeshore in Michigan, an der Indiana Dunes National Lakeshore oder im Whitefish Dunes State Park in Wisconsin. Die zahlreichen State Parks entlang des Seeufers bieten viele Freizeitmöglichkeiten, außerdem gibt es mehrere Anbieter für Bootstouren und Fähren zu den Inseln im See.

Lake Huron
Der Huronsee, der über eine Wasserstraße mit dem Michigansee verbunden ist, bildet aus hydrologischer Sicht mit diesem eine Einheit, da sich das Wasser zwischen beiden Seen hin und her bewegt. Mit einer Oberfläche von 60.000 km² ist er nur unwesentlich größer als der Lake Michigan, mit bis zu 228 Metern aber nicht so tief wie dieser. Im Gegensatz zum Michigansee ist der Huronsee auch von wesentlich weniger Städten und Ballungsräumen umgeben. Er grenzt an die kanadische Provinz Ontario im Norden und Osten und an Michigan im Süden und Westen, wobei die 70.000-Einwohner-Stadt Sarnia in Kanada die größte Ansiedlung an seinem Ufer ist. Ähnlich wie der Eriesee ist auch der Lake Huron bekannt für seine zahlreichen Schiffswracks. Mehr als hundert historisch bedeutsame liegen im Bereich der Thunder Bay National Marine Sanctuary bei Alpena im Nordosten Michigans. Lake Huron ist zwar aus touristischer Sicht etwas weniger erschlossen als die anderen der Großen Seen, entlang von Michigans sogenannter Sunrise Side gibt es aber zahlreiche schöne Sandstrände, beispielsweise im Tawas Point State Park oder im Hoeft State Park nahe des Ortes Rogers City.

Lake Superior
Der Obere See ist mit 82.000 km² Oberfläche der größte Süßwasserseee der Welt und der mit Abstand größte der Great Lakes. Seine Fläche entspricht etwa der von Österreich. Mit einer maximalen Länge von 560 Kilometern und einer maximalen Breite von 260 Kilometern grenzt er an Kanada im Norden und an die US-Bundesstaaten Michigan, Minnesota und Wisconsin. Der Obere See liegt auf einer Höhe von über 180 Metern über dem Meeresspiegel und damit höher als alle anderen Seen. Er speist sich aus rund 200 Zuflüssen und ergießt sich an der Whitefish Bay in den St. Mary’s River, der von hier aus zum Lake Huron fließt. Beliebte Ziele in der Region sind unter anderem die Isle Royale in Michigan, die wegen ihrer Tier- und Pflanzenwelt als Nationalpark unter Schutz steht und die ebenfalls unter Schutz stehende Apostle Islands National Lakeshore in Wisconsin. Auch die sehenswerten Felsformationen der Pictured Rocks National Lakeshore in Michigan sind beliebte Ausflugsziele. Die größten Städte am Seeufer sind Duluth in Minnesota, Superior in Wisconsin und Marquette auf der Upper Peninsula von Michigan.


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