Der Rio Grande, der große Fluss des amerikanischen Westens, ist für die Entstehung der Großen Sanddünen im Süden von Colorado verantwortlich. Er und seine Zuflüsse lagern in ihrem Verlauf Sand ab, der dann vom Wind davongetragen wird. An der natürlichen Barriere der Sangre de Cristo-Bergkette bleiben die Sandkörner dann hängen und haben so über einen Zeitraum von mehr als 12.000 Jahren die gewaltigen Sanddünen geformt, die heute eines der faszinierendsten Landschaftsbilder des ganzen Landes ergeben. Der im Jahr 2004 eingerichtete Nationalpark und die sich anschließende National Preserve erstrecken sich über eine Gesamtfläche von mehr als 600 km² .

Fast 230 Meter hoch reichen die höchsten der Sanddünen im Nationalpark, es sind die höchsten Dünen in Nordamerika. Ihr Entstehungsprozess reicht zehntausende Jahre zurück. Im Laufe der Zeit haben sich im Tal mehrfach Seen gebildet, die dann wieder verschwanden und Sediment zurückließen, der dann als Sand vom Wind erfasst wurde. An der Stelle, an der der Sand dann abgelagert wird, nimmt er von unten Feuchtigkeit auf und wird dadurch so schwer, dass er nicht erneut weggetragen wird.

Die Spuren von Menschen im Tal gehen etwa 11.000 Jahre zurück, wobei frühe Ureinwohner das Gebiet wohl nur zur Jagd durchstreiften, aber nicht siedelten. Vom Volk der Ute ist etwa bekannt, dass sie die Gegend als “Sand, der sich bewegt” bezeichneten. Aus dem Jahr 1807 stammt eine Aufzeichnung des Entdeckers Zebulon Pike, der von “sandigen Hügeln” berichtet, die sich über mehrere Meilen erstreckten. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts zogen dann einige wenige Siedler in die Gegend, dazu kamen Goldsucher, die von Funden in der Umgebung angelockt worden waren. Tatsächlich gab es auch in den umgebenden Bergen einige Fundstellen, doch als sich Bergbaugesellschaften verstärkt für das San Luis Valley zu interessieren begannen, wandten sich Einwohner nahegelegener Orte an den Kongress, um einen Schutz der Dünen zu erreichen. Präsident Hoover unterzeichnete 1932 die Verordnung, die aus den Great Sand Dunes ein National Monument machte.

Der Nationalpark bietet neben der landschaftlichen Schönheit einen hohen Freizeitwert, den jährlich rund 380.000 Besucher zu schätzen wissen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht das Rutschen, Surfen und Schlittenfahren auf den Sandhügeln, das notwendige Equipment kann bei Anbietern außerhalb des Parkgeländes erworben werden. Doch auch abseits der Dünen lohnt sich ein Besuch des Nationalparks jederzeit. Zu den Anziehungspunkten gehört vor allem der Medano Creek, ein flacher Fluss, den man auf dem Weg zu den Sanddünen ohnehin durchqueren muss. Das Gewässer ist ein beliebter Ort für Abkühlung und ein regelrechter Wasserspielplatz für Kinder an heißen Tagen. In anderen Bächen innerhalb des Parkgeländes ist Fischen erlaubt.

Der Nationalpark bietet darüber hinaus hervorragende Bedingungen für Wanderer. In den Dünen darf man nach Herzenslust kreuz und quer laufen, in den restlichen Abschnitten gibt es ausgewiesene Wanderwege mit unterschiedlichen Längen. Einige Pfade führen sogar bis auf die Gipfel der umliegenden Berge wie dem Mount Herard, diese alpinen Wege sind aber für Anfänger nicht unbedingt zu empfehlen. Entspannter geht es an den Seen und in den Feuchtgebieten zu, die sich am Fuß der Berge finden und von denen manche nur saisonal bestehen. Die Seen sind für Besucher auch deshalb interessante Ziele, weil sie für viele der im Park lebenden Tierarten eine Oase bilden, an denen man sie mit etwas Glück gut fotografieren kann. Zu den in der Gegend lebenden Tieren gehören unter anderem Dickhornschafe, Schwarzbären, Dachse, Salamander, Schlangen und über 200 verschiedene Vogelarten. Bison leben ebenfalls innerhalb der Parkgrenzen, aber nur innerhalb eines eingezäunten Gebiets im Besitz einer Umweltorganisation, die geführte Touren in den Bereich anbietet. Bei der Flora reicht die Artenvielfalt von Alpen-Vergissmeinnicht bis hin zu Kakteengewächsen. Eine gute Methode, um diese zu entdecken, sind die Angebote der Park Rangers. Informationen darüber gibt es im Besucherzentrum, das täglich von 9-16:30 Uhr geöffnet ist; der Nationalpark selbst ist rund um die Uhr zugänglich.

Ein besonderes Erlebnis ist ein Besuch des Great Sand Dunes Nationalparks nach Einbruch der Dunkelheit. Die Parkverwaltung bemüht sich nachhaltig um den Erhalt eines klaren Nachthimmels ohne unnötige künstliche Beleuchtung und schafft so eine Umgebung, die für Sternenbeobachtung optimal ist. In Vollmondnächten kann man sogar ganz ohne Licht in den Dünen herumlaufen. Wer über Nacht bleiben möchte, findet etwa 1,5 Kilometer vom Besucherzentrum entfernt einen Campingplatz, der allerdings nur von April bis Oktober geöffnet ist. Mit einer von den Park Rangers ausgestellten Erlaubnis darf auch außerhalb des Platzes gezeltet werden. Außerhalb der Parkgrenzen gibt es darüber hinaus zahlreiche weitere Campingplätze. Abgesehen von einer Lodge gleich beim Eingang befinden sich Hotels und Motels ansonsten mindestens 30 Meilen entfernt, etwa in Fort Garland, Alamosa und Monte Vista.