Als Indian Summer bezeichnet man in den USA eigentlich ungewöhnlich warme Herbsttage, häufig eine kurzzeitige Wiederkehr warmen Wetters nach vorheriger Abkühlung. Solche Tage sind gekennzeichnet durch wolkenlosen, blauen Himmel, der einen schönen Kontrast zu bereits eingesetzten Färbung der Blätter an den Bäumen bildet. Diese Blätterfärbung, in Amerika als fall foliage bezeichnet, gibt das Bild des Indian Summer im weiteren Sprachgebrauch wieder, der Jahr für Jahr eine große Zahl von Touristen vor allem in die Neuenglandstaaten lockt, die sich an der farbenprächtigen Erscheinung der ausgedehnten Laubwälder erfreuen.

Die Verfärbung der Blätter nimmt dabei einen geographischen Verlauf von Norden nach Süden, beginnend in Kanada und Alaska, wo schon im August rote bis gelbe Wälder zu sehen sind. Obwohl die Annahme einer rötlichen Farbe, ein biochemisches Phänomen, auch bei Laubbäumen in Europa zu beobachten ist, ist die Intensität der Farben in den Wäldern Nordamerikas aus ungeklärter Ursache deutlich höher. Ihren Höhepunkt – und das Zentrum des Besucherstroms im Frühherbst – erreicht die fall foliage zumeist im Oktober in New England, wobei der Verlauf von den klimatischen Bedingungen abhängig ist.

Die US-Bundesstaaten Vermont, Connecticut, New Hampshire, Rhode Island, Maine und Massachusetts verbuchen einen großen Teil ihrer jährlichen Einnahmen aus dem Tourismus im Spätsommer und Frühherbst. Tägliche Statusberichte informieren dann die Besucher über den Fortschritt der Laubfärbung. Der Grund für das in dieser Gegend besonders intensive Tourismusgeschehen zu Zeiten des Indian Summer liegt in den hier zu findenden ausgedehnten Waldflächen mit einer vergleichsweise hohen Arten- und damit Farbenvielfalt sowie im häufigen Vorkommen von Baumarten mit besonders intensiver Blattfärbung, vor allem des Zuckerahorns. In dieser Jahreszeit sind die Unterkunftsmöglichkeiten Neuenglands, in der Regel kleinere Inns oder Bed & Breakfasts, häufig sehr gut gebucht, weshalb sich eine Vorabreservierung empfiehlt. Gleichzeitig bietet der Aufenthalt in familiären Unterkünften die Möglichkeit, von nicht so bekannten Nebenstrecken und Aussichtspunkten zu erfahren, da die bekannten Straßen mit Blick auf das Farbenspiel oft stark belastet sind.

Auch außerhalb der nordöstlichen US-Bundesstaaten ist das Naturphänomen zu beobachten, zum Beispiel im Mittleren Westen, dort jedoch hat die foliage season deutlich weniger touristisches Gewicht.

Der Namensursprung der Bezeichnung Indian Summer ist nicht ganz geklärt, aber es gibt verschiedene Erklärungsansätze. Am geläufigsten ist heute die Erklärung, dass der späte Sommer und frühe Herbst die bedeutendste Jagdzeit und die Erntezeit der amerikanischen Ureinwohner darstellte, als diese noch an der Ostküste der USA lebten. Ein mythologische Erklärung findet sich bei den Namensgebern selbst – einer Indianerlegende zufolge fließt das Blut erlegter Bären in die Erde und wird dort von den Bäumen wieder aufgenommen und in die Blätter getrieben.