Der Lake Havasu im Nordwesten Arizonas, teilweise bereits auf dem Boden Californias liegend, wurde in den 1930er Jahren künstlich durch die Aufstauung des Colorado River angelegt und sollte eigentlich vor allem zur Wasserversorgung der trockenen Regionen von Arizona und California dienen. Bis heute wird das Wasser aus dem 7800 Hektar großen See über Aquädukte abgeführt, doch neben dieser rein funktionalen Aufgabe ist der Lake Havasu heute vor allem ein beliebtes Freizeitgebiet mit zahlreichen Möglichkeiten. Die größte Ansiedlung am Ufer des Sees ist die Stadt Lake Havasu City auf der Seite Arizonas mit rund 56.000 Einwohnern. Der Ort ist beliebtes Ziel für ältere Urlauber im Winter und für Studenten während des Spring Break.

Aus dem durchschnittlich elf Meter tiefen Gewässer wird mit Hilfe von Pumpanlagen Wasser in zwei verschiedene Aquädukte geführt. Das Colorado River Aquädukt leitet Wasser über insgesamt 389 Kilometer durch die Mojave-Wüste bis zum Lake Mathews im südlichen Zentral-Kalifornien, wo es eine der wichtigsten Quellen für Trinkwasser ist. Das andere Aquädukt gehört zum Central Arizona Project, dem größten Wasserprojekt der USA. Über eine Länge von mehr als 540 Kilometern wird hier Wasser in den Süden und die Mitte Arizonas geführt und so wird sowohl Landwirtschaft als auch die ständig wachsenden Bevölkerungen von Tucson und Phoenix versorgt. Beide Aquädukte werden zu den Meisterwerken des Ingenieurwesens gezählt. Als solches kann man auch den Parker-Damm ansehen, der das Wasser im See staut. Von den 98 Metern Höhe des Damms, der zwischen 1934 und 1938 errichtet wurde, liegen 72 Meter unterhalb des Wasserspiegels.
Lake Havasu ist Heimat mehrerer Fischarten, darunter Barsche, Welse und Karpfen und Angeln gehört daher zu den am weitesten verbreiteten Freizeitaktivitäten am See. Mehrere Anbieter verleihen Ausrüstungen oder organisieren Angeltouren. Auch Wettkämpfe im Fischen finden regelmäßig auf dem See statt. Tatsächlich sind die Möglichkeiten zum Angeln einer der wichtigsten Anziehungspunkte für die jährlich mehr als 3,5 Millionen Besucher.

Die meisten dieser Besucher finden Unterkunft, touristische Infrastruktur und weitere Freizeitangebote in Lake Havasu City, dem größten Ort am Ufer des Sees. Die Stadt wurde in den 60er Jahren vom Reißbrett an der Stelle eines alten, unscheinbaren Minenorts entwickelt, als der Industrielle Robert P. McCulloch ein riesiges Areal kaufte, aus dem er ursprünglich einen Wohnsitz für Rentner machen wollte. McCulloch zeichnete außerdem für die Entwicklung dreier weiterer Städte im Westen der USA verantwortlich. Für sein Projekt Lake Havasu City suchte er nach einer einzigartigen Touristenattraktion und wurde schließlich in Großbritannien fündig. Dort stand eine Brücke über die Themse zum Verkauf, die 1831 errichtet worden war und den neuen Anforderungen des Verkehrs nicht mehr gewachsen war. McCulloch ließ die heute als London Bridge bekannte Brücke 1968 Stein für Stein abtragen, jedes Teil nummerieren und die Einzelteile nach Amerika verschicken, wo sie in mühevoller Arbeit originalgetreu wieder aufgebaut wurde. Die tragenden Strukturen wurden dabei ausgetauscht und durch modernere Bauweisen ersetzt. 1971 wurden die Arbeiten abgeschlossen und die Brücke verbindet seitdem Lake Havasu City mit einer künstlichen Insel im See (Foto). Die versetzte Brücke erfüllte von Beginn an ihren Zweck und ließ das Interesse an der neugegründeten Stadt schnell steigen, so dass sich McCullochs Wohnsiedlungen vom Start weg gut verkauften.

Die Stadt ist inzwischen nicht mehr nur ein Ferienort für ältere Winterflüchtlinge, sondern ist auch alljährlich im Frühjahr eine der Destinationen für amerikanische College-Studenten während des Spring Break. Da diese Tradition in der Regel mit viel Alkohol, lauter Musik und ausgelassener Stimmung verbunden ist, meiden andere Touristen der Ort zu jener Zeit. Die Sommermonate in dieser Region werden häufig zu heiß, daher ist vor allem im Herbst und Winter mit den größten Besucherströmen zu rechnen – der Rekord für die tiefste jemals gemessene Temperatur liegt in Lake Havasu City bei -4° C. In dieser Zeit, genauer im Februar, findet jedes Jahr ein großes Festival für Pyrotechnik und Feuerwerk, der Western Winter Blast, hier statt, zu dem natürlich auch eine ausgedehnte Präsentation der Feuerwerkskunst gehört. Weitere erwähnenswerte Veranstaltungen sind das Festival of Lights von Ende November bis Neujahr, wenn die Stadt und die London Bridge von einer Million Lichter erleuchtet werden, sowie mehrere regelmäßig stattfindende Rennveranstaltungen sowohl für Boote, Powerboats oder Jetskis auf dem See als auch für Autos oder Motorräder auf dem Havasu Speedway. Im Oktober steht die Brücke bei den London Bridge Days im Mittelpunkt, einem Volksfest, zu dem immer auch eine Parade über die Brücke dazu gehört.

Ganz besondere Sehenswürdigkeiten erwarten Besucher, die sich auch außerhalb der Stadtgrenzen entlang der Uferlinie des Sees bewegen. In einer sich noch weiter entwickelnden Sammlung sind bereits an zahlreichen Stellen Nachbauten von echten, andernorts in den USA befindlichen Leuchttürmen. Die Leuchttürme am Lake Havasu sind auf jeweils etwa ein Drittel der Originalgröße beschränkt, funktionieren aber ebenso wie die Originale. Im Besucherzentrum ist ein Lageplan der inzwischen bereits 15 Leuchttürme erhältlich. Wer sich einmal etwas abseits der Touristenströme bewegen möchte, findet dazu im Hinterland Gesellschaft, wo es unter anderem ausgewiesene Wanderwege, Gelände zum Offroad-Fahren, Möglichkeiten zum Klettern und sogar – beim Ort Parker etwas außerhalb – ein Wildnisschutzgebiet mit ebenfalls guten Wandermöglichkeiten gibt.