Lage Südwesten von Florida
Einwohner 21.700
Gründungsjahr  1886

 

Es sind gerade einmal knapp 22.000 Einwohner, die als ständige Einwohner von Naples erfasst sind, doch diese Zahl spricht natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn in der Region im Südwesten Floridas zwischen den Everglades und dem Golf von Mexiko leben insgesamt mehr als 300.000 Menschen und von den mehr als 1,5 Millionen Besuchern, die jährlich in der Gegend Station machen, bleiben viele so lange, dass man sie auch schon zu den Einheimischen zählen kann. Naples, Marco Island und das Collier County sind beliebte und bekannte Urlaubsziele – allein eine knappe Viertelmillion Touristen aus Europa werden Jahr für Jahr gezählt – und haben sich selbst nicht ganz zu Unrecht den Beinamen Paradise Coast (Paradiesküste) gegeben.

Die Gründer der Stadt, ein Politiker und ein Geschäftsmann aus Kentucky, hatten schon gleich den touristischen Wert dieser Region am Meer mit dem angenehmen Klima erkannt und als es darum ging, Besucher und neue Einwohner für den Ort anzuwerben, da bemühte ein findiger Verkäufer den Vergleich mit der Bucht von Neapel in Italien – und schon war ein Name für die junge Stadt gefunden. Trotzdem verlief die Entwicklung zunächst eher langsam, dafür aber stetig. 1927 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz, im Jahr darauf wurde die Highway-Verbindung nach Miami fertiggestellt. Nach Schäden durch einen schweren Hurrikan veränderte sich das Stadtbild nachhaltig, denn im Rahmen der erforderlichen Arbeiten wurden unter anderem Seen und Wasserstraßen angelegt. Naples zeigt sich bis heute zwar als Ort mit weit auseinander gefächerten Teilen, aber mit einem ansprechenden, teilweise elegant wirkendem Gesamtbild.

Die im Landesvergleich recht wohlhabende Bevölkerung verteilt sich auf rund 9700 Haushalte und ist im Durchschnitt stolze 61 Jahre alt. Die Wirtschaft der Stadt dreht sich in erster Linie um den Tourismus und um den Einzelhandel, der in Naples in zahllosen Formen zu finden ist. Alle großen Handelsketten sind selbstverständlich vertreten, daneben aber gibt es auch viele kleine Spezialgeschäfte und Boutiquen. So gibt es zahllose Antiquitätengeschäfte, Kunstgalerien und mit den landschaftlich sehr ansprechend gestalteten Waterside Shops ein Shoppingcenter der gehobenen Art. Die Angebote von Hotels und Restaurants richten sich ebenfalls oft an den besser gefüllten Geldbeutel, insgesamt aber sind bei den Unterkünften alle Preisklassen für Touristen zu finden.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Naples gehört das Baker Museum (5833 Pelican Bay Boulevard, geöffnet Dienstag-Samstag 12-16 Uhr, Sonntag 10-16 Uhr, Juli-September geschlossen), das auf drei Stockwerken und in 15 Galerien Kunstwerke zeigt. Ausgestellt werden unter anderem Gemälde und Skulpturen, darüber hinaus finden in dem Kunstmuseum, das auch als Naples Museum of Art bezeichnet wird, immer wieder auch kunstbezogene Veranstaltungen statt.

Bei Besuchern nicht weniger beliebt ist der Naples Zoo (1590 Goodlette Road, geöffnet täglich 9-17 Uhr), der ursprünglich einmal eine private Tiersammlung war und heute auf einem hübschen Gelände untergebracht ist, das man auf einem etwa eine Meile langen Rundweg erschließen kann. Zu sehen gibt es unter anderem Tiger, Löwen Hyänen, Affen und Alligatoren. Besucher können zum Beispiel Giraffen von Hand füttern oder sich zwischen den schönen alten Bäumen auf dem Gelände entspannen. Wer auf diese Weise auf den Geschmack gekommen ist, interessiert sich vielleicht auch für den Naples Botanical Garden (4820 Bayshore Drive, geöffnet täglich 9-17 Uhr). Dieser weist diverse thematisch unterschiedliche Pflanzenwelten auf, es gibt unter anderem einen asiatischen, einen brasilianischen und einen karibischen Garten, dazu einen Abschnitt, der sich mit in Florida heimischen Arten beschäftigt. In einem Gartencafé können Besucher eine Pause einlegen und einige kleine Snacks zu sich nehmen.

Eine weitere Sehenswürdigkeit im Stadtgebiet ist das Naples Railroad Depot im alten Stadtkern, in dem heute ein Museum betrieben wird (1051 Fifth Avenue, geöffnet Montag-Freitag 9-17 Uhr, Samstag 9-16 Uhr). Das kleine Gebäude, das 1926 errichtet wurde, ist ein wichtiger Zeitzeuge der Geschichte dieser Region, denn sein Bau markierte einst die Ankunft der Eisenbahn in Naples, was äußerst bedeutsam für die weitere Entwicklung des Ortes war. Zwischenzeitlich diente das Waggondepot als Bühne zur Unterhaltung in der Region stationierter Soldaten, heute zeigt das Museum hier Exponate zur Geschichte des Transportwesens in Südwest-Florida.

Viele Touristen kommen allerdings in erster Linie wegen der Umgebung nach Naples. Neben den zahlreichen Stränden hat die Gegend vor allem einzigartige Natur zu bieten. Das Gulf Coast Visitor Center des Everglades Nationalparks befindet sich in Everglades City, etwa 40 Autominuten südöstlich von Naples. Von diesem Besucherzentrum aus werden unter anderem auch Bootstouren in die Ten Thousand Island angeboten. Diese Inselgruppe besteht trotz ihres Namens “nur” aus einigen hundert Inseln (von denen viele aber winzig klein sind und z.B. nur aus Mangroven bestehen) und gehört mit ihrer südlichen Hälfte zum Everglades Nationalpark, während der nördliche Teil als Wildnisgebiet ausgewiesen ist. Zwar fehlt hier eine touristische Infrastruktur fast vollständig, dennoch kommen viele Urlauber hierher, etwa um die zahlreichen Wasservögel vom Kanu aus zu beobachten. Im Besucherzentrum in Everglades City sind Navigationskarten erhältlich. Von hier aus ebenfalls leicht erreichbar ist die Big Cypress Preserve, ein weiteres Naturschutzgebiet, das zwar zum Lebensraum der Everglades, nicht aber zum gleichnamigen National Park gehört. Hier befinden sich einige Campingplätze und es gibt Gelegenheiten zum Wandern und natürlich zur Naturbeobachtung. Ähnliches gilt auch für das Landschaftsschutzgebiet des Corkscrew Swamp Sanctuary (375 Sanctuary Road West), die 1954 eingerichtet worden ist, um die letzten Zypressenbestände der Region vor dem Abholzen zu schützen. Hier gibt es einen mehr als drei Kilometer langen Boardwalk durch die Landschaft, von dem aus man vor allem zahlreiche hier vorkommende Vogelarten, aber auch Alligatoren und Schlangen beobachten kann. Im Besucherzentrum gibt es zudem Informationen darüber, wann geführte Touren angeboten werden.

 

Marco Island
Naples selbst hat schon mehr als 16 Kilometer weißen Sandstrand zu bieten – beliebt ist zum Beispiel Vanderbilt Beach – , doch mit Marco Island liegt ein weiteres Strandparadies gleich vor den Toren der Stadt. Die Insel, die geographisch zu den Ten Thousand Islands gehört, ist Heimat von 16.000 festen Einwohnern und Tausenden von Touristen, die in einem der zahlreichen Hotels unterkommen und zwischen verschiedenen Standabschnitten wählen können.

Marco Island hat mehrere Strände, zum Teil sind diese allerdings privat und zum Beispiel für Gäste der am Strand gelegenen Hotels reserviert. Öffentlich zugänglich und sowohl bei Einheimischen als auch bei Touristen beliebt (aber dennoch in der Regel nicht überlaufen) ist der Tigertail Beach, dessen Parkplatz mit ausreichenden Stellplätzen man über den Hernando Drive erreicht (ganztägig $8). Nach dem Parkplatz kommt man zuerst zu einer Lagune, die man – etwa bis zur Hüfte durch Wasser watend – durchqueren muss. Es gibt zwar alternativ auch einen Fußweg außen herum, der aber viel länger dauert und nicht halb so viel Erinnerungswert hat. Für die ungewöhnliche Anreise belohnt wird man mit einem schneeweißen Strand, mit Millionen von Muscheln in allen Größen, gelegentlichen Ausblicken auf draußen vorbei schwimmende Delfine und vor allem mit warmen Wasser, das über hundert Meter so flach ist, dass man auch die Kleinen unbesorgt spielen lassen kann. Wer möchte, kann auf der anderen Seite der Lagune Kanus und Sonnenschirme leihen, dort gibt es auch eine Snackstation, Toiletten und Umkleideräume. Nicht vergessen darf man auf jeden Fall Sonnenschutz und Badeschuhe, denn die unzähligen Muscheln am Strand sind zwar eine Einladung zu endlosen Strandspaziergängen, ärgern aber auch Barfußläufer.