Mit Natchez, einer gerade einmal knapp 16.000 Einwohner zählenden Kleinstadt auf einer Anhöhe am Ufer des Mississippi liegt eine echte Perle der Südstaaten im Südwesten des Bundesstaats. Die nach dem einst in der Region heimischen Volk der Natchez benannte Stadt feierte im Jahr 2016 schon ihr 300. Jubiläum und ist damit einer der traditionsreichsten Orte des amerikanischen Südens. Sie erlebte ihre Blütezeit bereits vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs und kann bis heute viele architektonische Highlights aus dieser Zeit vorweisen. Die herrschaftlichen Gebäude und die Lage am Fluss machen Natchez zu einem beliebten und sehenswerten Ausflugsziel.

Natchez wurde von französischen Kolonialisten gegründet, die Anfang des 18. Jahrhunderts den unteren Abschnitt des Mississippi erforschten. Der Ort trug zunächst den Namen des Forts Rosalie. Nach einer Zeit unter spanischer Herrschaft kam die Region an die USA und Natchez wurde zur Hauptstadt des Mississippi-Territoriums. Zu jener Zeit hatte sich Natchez bereits als Handelsort etabliert, sie war einer der Endpunkte der Handelsroute namens Natchez Trace, die von hier bis nach Nashville in Tennessee führte. Die Bedeutung des Orts ließ auch nicht nach, als Jackson als neue Hauptstadt Mississippis angelegt worden war, sie war der Mittelpunkt eines reichhaltigen und fruchtbaren Gebiets, in dem vor allem Baumwolle und Zuckerrohr auf großen Plantagen angebaut wurden. Die Residenzen der Plantagenbesitzer aus dieser Zeit sind heute einige der prächtigen Baudenkmäler in der Stadt.

Der Natchez Trace Parkway, der die Route der alten, schon von den Ureinwohnern genutzten Handelsroute nachempfindet, ist heute eine vom National Park Service unterhaltene Straßenverbindung nach Nashville, die über weite Strecken den Charakter einer Parkstraße hat. Eine Fahrt über die elegante Straße, die zum großen Teil in den 1930er Jahren errichtet wurde, vermag den Reisenden zumindest zeitweise in eine frühere Zeit zu versetzen. Das liegt einerseits daran, dass die Verkehrslage eher ruhig ist – für den schnellen Durchgangsverkehr ist der Parkway nicht geeignet -, zum anderen daran, dass sich entlang der Strecke etliche historische Sehenswürdigkeiten befinden, die einen Halt lohnen. Die Straße wird von Autos, Radfahrern und Wanderern gleichermaßen benutzt. In der Umgebung von Natchez ist der Parkway die bedeutendste Attraktion von Touristen. Lohnende Ausflugsziele sind zum Beispiel das Mount Locust Inn, eine historische Unterkunft für Reisende bei Milepost 15,5 oder die Geisterstadt Rocky Springs bei Milepost 54,8.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Natchez gehören in erster Linie das ansprechende Stadtbild und die zahlreichen gut erhaltenen Gebäude aus den alten Zeiten. Der Natchez National Historical Park umfasst drei dieser Sehenswürdigkeiten. Zum Park gehört die Stelle des ehemaligen Fort Rosalie aus dem 18. Jahrhundert. Ebenfalls dazu gehört das William Johnson House, das Mitte des 19. Jahrhunderts von Hand aufgebaut wurde und das elegante Anwesen Melrose, einst die Heimat eines wohlhabenden Plantagenbesitzers. Für Melrose und das Johnson House werden geführte Besichtigungstouren angeboten.

Für Freunde prächtiger alter Bauwerke empfiehlt sich daneben ein Besuch des Stadtviertels On-Top-of-the-Hill. Hier befinden sich mehrere Wohnhäuser in verschiedenen Stilrichtungen, zum Beispiel die Magnolia Hall von 1858 (215 S. Pearl Street), in dessen Inneren Antiquitäten zu sehen sind oder das achteckige Wohnhaus Longwood (140 Lower Woodville Road), das von einer zwiebelförmigen Kuppel gekrönt wird. Sehenswert sind darüber hinaus das Adams County Courthouse (201 S. Wall Street) und das ungewöhnlich gestaltete ehemalige Bankgebäude der Commercial Bank (206 Main Street).

Ein weiterer sehenswerter Punkt in der Stadt ist das United States Courthouse (111 S. Pearl Street), das im Laufe der Zeit verschiedenen Zwecken gedient hat, unter anderem als Rollschuhbahn, Schule und Opernhaus. Der Natchez National Cemetery (41 Cemetery Road) ist die letzte Ruhestätte von mehr als 7000 Soldaten aus der Zeit des Bürgerkriegs. Natchez ist außerdem seit 1991 Standort des Museum of African American History and Culture (301 Main Street, geöffnet Montag-Freitag 10-16:30 Uhr), das im ehemaligen Postamt untergebracht ist. Das Museum zeigt zahlreiche Ausstellungsstücke, von afrikanischer Kunst bis hin zum Kampf gegen die Sklaverei und der Bürgerrechtsbewegung. Ebenfalls einen Besuch wert ist die St. Mary Basilica (105 S. Union Street). Die Kirche, deren Bau 1842 begonnen worden war, beeindruckt mit ihren Buntglasfenstern und dem aufwändig gestalteten Altarbereich.