Lage Süden von Connecticut, am Atlantik
Einwohner 130.700
Gründungsjahr 1638

 

Eine mittelgroße Stadt mit oft kleinstädtischem Charme und der Position einer Universitätsstadt von Weltrang: New Haven, die zweitgrößte Stadt des Bundesstaats Connecticut nach Einwohnern, muss sich in vielen Rollen zurechtfinden. Der von den Puritanern bereits 1638 gegründete Ort ist daneben einer der ältesten des Landes und ist ganz nebenbei auch ein sehr lohnendes Reise- und Ausflugsziel.

Der erste Besuch eines Europäers in der Gegend erfolgte schon 1614, als niederländische Entdecker kurzfristig einen Posten errichteten und Handel mit den einheimischen Quinnipiac betrieben. 1637 trafen die ersten Puritaner ein, gefolgt von rund 500 weiteren, die die Massachusetts Bay Colony wegen unterschiedlicher theologischer Ansichten verlassen hatten. Die Puritaner versprachen den Quinnipiac Schutz gegen die Attacken der benachbarten Pequot und erhielten so Land, auf dem sie bis 1640 eine Siedlung in neun Straßenblocks errichteten. Dieses Areal ist bis heute das Zentrum der Stadt. 1664 wurde New Haven mit der Connecticut Colony zusammengelegt. Die erste höhere Bildungseinrichtung wurde schon 1716 hier errichtet, diese änderte zwei Jahre später ihren Namen in Yale College. Nach dem Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten erlangte New Haven 1784 das Stadtrecht.

Die Präsenz der Universität, heute größter Arbeitgeber der Stadt, machte sich für New Haven schnell bezahlt. Yale-Absolvent Eli Whitney erfand hier 1793 die “Cotton Gin”, eine Maschine, mit der die Baumwollernte in den Südstaaten revolutioniert wurde. Anschließend gründete er eine Waffenfabrik, die sich als Goldgrube erweisen sollte. Samuel Colt erfand hier 1836 den automatischen Revolver. Weil Whitneys Waffenfabrik so erfolgreich war, siedelten sich bald weitere Unternehmen der Branche in der Stadt an, die bald den inoffiziellen Spitznamen “Arsenal of America” erhielt. Die Winchester Repeating Arms Company entstand hier 1866 und produzierte an diesem Standort bis 2006 Waffen, die sowohl im amerikanischen Bürgerkrieg als auch in den folgenden Weltkriegen gut verkauft wurden. In Whitneys ehemaliger Waffenfabrik befindet sich heute das dem Erfinder und seinen Produkten gewidmete Eli Whitney Museum (915 Whitney Avenue, geöffnet Montag-Freitag 9-17 Uhr). Hier ist unter anderem die Original- Cotton Gin ausgestellt, zudem veranstaltet das Museum Workshops für Tüftler und Erfinder.

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Zeit des deutlichen Aufschwungs für New Haven. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich in dieser Zeit, vor allem dank des Zuzugs von Einwanderern aus Europa, in erster Linie aus Italien. Auch danach wuchs die Stadt beständig weiter, was aber auch Probleme mit sich brachte. Schon in den 1950er Jahren wurde das erste Erneuerungsprogramm für die Innenstadt aufgelegt, viele Gebäude wurden abgerissen und durch neue ersetzt. In der Folge wurden auch einige Stadtteile renoviert und wiederbelebt, dennoch durchlitt New Haven eine Krise, die sich in sozialem Niedergang und einer zwischenzeitlich hohen Kriminalitätsrate ausdrückte. Seit der Jahrtausendwende aber hat die Stadt eine bemerkenswerte und international beachtete Erneuerung durchgemacht, zu der neue Wohn- und Geschäftsgebäude ebenso gehörten wie neue Verkehrsanbindungen.

Die meisten Besucher von New Haven kommen wegen der Universität und auch wer aus anderen Gründen in der Stadt ist, wird an der Yale University nicht vorbeikommen. Die hochangesehene Hochschule hat gut 12.000 Studenten, die zurecht darauf hoffen, mit dem Yale-Schriftzug auf dem Diplom besonders gute Karrierechancen zu haben. Die Tatsache, dass fünf US-Präsidenten und mehr als 50 Nobelpreisträger eine Yale-Vergangenheit haben, bestätigt diese Hoffnung. Die Universität erstreckt sich über viele Straßen und zahlreiche Gebäude. Es werden verschiedene, von Studenten geführte Touren über den Campus angeboten. Mehr Informationen bietet die Universität in einem eigenen Besucherzentrum (149 Elm Street, täglich geöffnet). Auf dem Gelände befinden sich mehrere sehenswerte Gebäude, zum Teil von berühmten Architekten gestaltet. Das älteste Bauwerk ist das Studentenwohnheim Connecticut Hall (1017 Chapel Street), das 1750 erbaut und einst Teil eines ganzen Gebäudeensembles war. Die meisten anderen Wohngebäude der Universität sind im in den USA weit verbreiteten Collegiate Gothic-Baustil gehalten. Das herausragende Gebäude auf dem Campus ist der 66 Meter hohe Glockenturm Harkness Tower, der 1921 fertiggestellt wurde. Die 66 Meter entsprechen 216 Fuß – bei der Eröffnung damals ein Fuß für jedes Jahr des Bestehens. Im Inneren des Turms befindet sich das Yale Memorial-Glockenspiel mit 54 Glocken. Weitere Türme befinden sich an dem Gebäude, in dem sich die rechtswissenschaftliche Fakultät befindet, dem Sterling Law Building (127 Wall Street). An der Fassade des Bauwerks sind mehrere interessante Skulpturen zu finden. Gleich nebenan liegt die Beinecke Rare Book & Manuscript Library, eine der weltweit größten und bedeutendsten Sammlungen seltener Bücher. Hier ist auch eine der 48 erhaltenen Gutenberg-Bibeln ausgestellt. Die Haupt-Bibliothek der Universität aber ist die Sterling Memorial Library (120 High Street), ein 1930 fertiggestelltes Gebäude, hinter dessen massiver Fassade nicht weniger als 4 Millionen Bücher auf 16 Stockwerken archiviert sind; zum gesamten Büchereisystem der Uni zählen 15 Millionen Bände.

Auch weitere sehenswerte Gebäude im Stadtbild von New Haven stehen im Zusammenhang mit der Yale University. Dazu gehört zum Beispiel das 3500 Zuschauer fassende Eishockeystadion David S. Ingalls Rink (73 Sachem Street), das von Yale-Absolvent Eero Saarinen 1958 erbaut wurde und die für den Architekten typische geschwungene Form aufweist. Daneben finden sich in der Stadt mehrere sehenswerte Museen, die von der Universität betrieben werden. In erster Linie zu nennen ist die Yale University Art Gallery (1111 Chapel Street, geöffnet Dienstag-Sonntag 10-17 Uhr, am Wochenende ab 11 Uhr), ein seit 1832 bestehendes Kunstmuseum, das Schwerpunkte bei alter italienischer Malerei und moderner Kunst hat. Insgesamt werden aber alle Perioden mit der Ausstellung abgedeckt, zu der insgesamt rund 185.000 Exponate gehören. Der Eintritt in das Museum ist ebenso frei wie im spezialisierten Yale Center for British Art (1080 Chapel Street), das Gemälde und Skulpturen britischer Künstler und solcher, die in Großbritannien gearbeitet haben, sammelt. Auch eine Sammlung von Archivmaterialien und Büchern gehört zu dem Museum, dessen Gebäude 2015 einer umfangreichen Renovierung unterzogen wurde.

Das ebenfalls an der Yale University zu findende naturwissenschaftliche Peabody Museum of Natural History (170 Whitney Avenue, geöffnet Montag-Samstag 10-17 Uhr, Sonntag 12-17 Uhr) gehört zu den bestangesehenen Museen seiner Art weltweit. Das Museum verfügt über mehrere Spezialsammlungen, die jeweils zu den wichtigsten ihrer Fachrichtung zählen. Dazu gehören die ornithologische Sammlung und die Fossiliensammlung. Besucher erwartet gleich am Eingang die Rekonstruktion eines Torosaurus in Originalgröße, weitere Exponate zum Thema Dinosaurier folgen im Inneren. Interessant ist auch der Teil der Ausstellung, der alle in Connecticut vorkommenden Vogelarten vorstellt.

Weitere Sehenswürdigkeiten von New Haven befinden sich außerhalb des Geländes der Universität. Der Stadtteil Fair Haven gehört dazu, wo sich der Quinnipac River Distrikt mit historischen Gebäuden am Flussufer befindet. In der Innenstadt dagegen findet man Louis’ Lunch (263 Crown Street), ein 1895 eröffneter Restaurantbetrieb, der von sich behauptet, den Hamburger erfunden zu haben – was allerdings von einigen anderen Restaurants im Land vehement bestritten wird. Davon einmal abgesehen gilt New Haven aber als Stadt mit großer kulinarischer Vielfalt und Restaurants aller Arten und Richtungen, dazu kommen die typisch amerikanischen Food Trucks, die ganz selbstverständlich zum Stadtbild gehören. Feinschmecker werden vor allem in den Straßen rund um New Haven Green fündig, einer 1638 eröffneten, großen Grünanlage genau in der Mitte der ursprünglichen Bebauung der Stadt, die häufig für große Veranstaltungen genutzt wird. Gleich nebenan liegt der Old Campus, der älteste Teil der Yale-Universität. Ebenfalls einen Besuch wert ist der exakte Nachbau des Freedom Schooner Amistad, der an der Long Wharf festgemacht ist. Das Original der Amistad war als Ort des Aufstands afrikanischer Sklaven 1839 bekannt geworden, der Nachbau dient als Bildungsstätte zu diesem Ereignis.

Wer sich etwas außerhalb des Stadtzentrums bewegt, findet mit dem East Rock Park ein lohnendes und beliebtes Ausflugsziel. Zwar ist der namengebende Fels nur etwas mehr als 100 Meter hoch, dennoch ist er ein markanter Landschaftspunkt. In dem Park finden sich zahlreiche Freizeitmöglichkeiten, im Winter ist hier auch Langlauf möglich. Die auf den Berg führende Autostraße ist nur tagsüber geöffnet. Auf dem Gipfel befindet sich ein 112 Meter hohes Denkmal für gefallene Soldaten aus vier Kriegen bis hin zum Bürgerkrieg. Im Sommer lohnt sich aber auch der Ausflug zum Lighthouse Point Park am Übergang des Long Island Sound zum Hafen. Hier gibt es einen historischen Leuchtturm zu sehen, der bereits seit 1877 außer Betrieb ist. Der Park beinhaltet daneben einen Badestrand, an dem sich in den Goldenen Zwanzigern Prominente tummelten.