Das Stadtviertel, das heute fast alle Touristen anzieht, die nach New Orleans kommen, ist dasjenige, das die Keimzelle der Stadt war. Als New Orleans 1718 von französischen Kolonialisten gegründet wurde, waren die Straßenzüge des French Quarter diejenigen, die zuerst angelegt wurden. Das Viertel wird außer als French Quarter daher auch mitunter als “Vieux Carré” bezeichnet, was soviel wie “altes Viertel” bedeutet. Das gesamte Stadtviertel, dessen heute sichtbare Bebauung übrigens zum großen Teil keineswegs aus der französischen, sondern aus der spanischen Kolonialzeit stammt, steht auf der nationalen Denkmalschutzliste. Trotz seiner Höhenlage von nur rund einem Meter über dem Meeresspiegel kam das French Quarter bei den Überschwemmungen nach Hurrikan Katrina relativ glimpflich davon.

Die Gesamtfläche des French Quarter umfasst nur etwa einen Quadratkilometer und erstreckt sich vom Ufer des Mississippi bis zur Rampart Street. Rund 4000 Menschen leben in dem Viertel. Ursprünglich angelegt zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde ein Großteil der historischen Bausubstanz bei zwei großen Feuern in den Jahren 1788 und 1794 zerstört. Anschließend wurde das Viertel neu aufgebaut, nun aber in dem Baustil, den die inzwischen spanischen Herrscher bevorzugten. Von nun an beherrschten viele Farben und schmiedeeiserne Balkongeländer das Bild. Ende des 19. Jahrhunderts verlagerte sich das Stadtgeschehen weg vom alten Viertel und viele Immigranten, vor allem aus Italien und Irland, siedelten sich hier an. Die Kreolen, die den Stadtteil zuvor geprägt hatten, zogen fort. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde das French Quarter gezielt zur Touristenattraktion ausgebaut und um Restaurants und Hotels erweitert. Zu dieser Zeit verließen die meisten Einwohner das Viertel angesichts der ständig steigenden Miet- und Grundstückspreise.

Das French Quarter bietet eine breite Auswahl von Unterkünften in verschiedenen Preiskategorien. Neben den bekannten Ketten gibt es auch eine Auswahl an unabhängigen, kleineren Hotels. Für gewöhnlich sind die Unterkünfte in der Stadt vor allem während des Mardi Gras und in den Frühjahrs- und Herbstmonaten weitgehend ausgebucht, leerer ist es im Sommer und im Dezember und Januar. Bei der Planung einer Reise nach New Orleans sollten Besucher berücksichtigen, dass das French Quarter nicht nur enge und überfüllte Strassen, sondern auch so gut wie keine freien Parkplätze – jedenfalls nicht zu erschwinglichen Preisen – aufweist. Zwar kann man das Viertel mit dem Streetcar (Straßenbahn) gut erreichen, wer ein Hotel direkt im Vieux Carré wählt, muss sich über Transport und Parken aber am wenigsten Gedanken machen; Möglichkeiten zum Einkaufen von Dingen des täglichen Bedarfs gibt es hier ebenfalls und ansonsten stehen rund 200 Restaurants verschiedener Kategorien zur Verfügung.

Es mag so scheinen, aber ganz so tolerant wie es oft den Anschein hat, ist New Orleans’ städtische Polizei nicht. Generell ist das, was in anderen amerikanischen Städten verboten ist, hier auch nicht erlaubt; dazu zählen zum Beispiel die Verbote öffentlicher Nacktheit und öffentlicher Trunkenheit. Eine Ausnahme ist das Trinken alkoholischer Getränke auf der Straße, dies ist im French Quarter gestattet. Gäste, die mit ihrem Bier oder Cocktail von einer Bar zur nächsten wechseln wollen, fragen dafür nach einem “go-cup” aus Plastik – nicht die Gläser mitnehmen. Wer es insgesamt etwas ruhiger mag, hält sich von der Bourbon Street fern und frequentiert stattdessen eine der vielen anderen Straßen des Quartiers.

 

Bourbon Street
Hinter der Fassade der Bars und bisweilen zwielichtigen Etablissements, die Bourbon Street zu einer weltbekannten Amüsiermeile gemacht haben, versteckt sich ein gutes Stück Geschichte von New Orleans. Ihren Namen trägt die Straße übrigens nicht in Anlehnung an eine Whiskey-Sorte, sondern zu Ehren des Hauses Bourbon, das zur Zeit der Kolonialisierung Louisianas die französische Königsfamilie stellte. Bis etwa um das Jahr 1900 war die Bourbon Street in erster Linie eine Wohnstraße mit von den Kreolen geprägter Atmosphäre, doch dann wurde im unmittelbar angrenzenden Gebiet das Stadtviertel “Storyville” gegründet; eine Zone, in der legal Prostitution betrieben werden durfte. Mit dem Einzug entsprechender Etablissements wandelte sich der Ruf des gesamten Stadtteils und die Bourbon Street wurde mehr und mehr mit Vergnügungen aller Art, mit Jazz-Musik, dem Ausschank von Alkohol und mit Glücksspiel assoziiert – eine Mischung, die zunehmend Touristen anzog. Auch höherwertigere Einrichtungen etablierten sich in dieser Zeit, zum Beispiel Musikclubs und Restaurants, in denen die typische Küche New Orleans’ angeboten wurde. Trotzdem blieb die Straße fortan in erster Linie ein Synonym für leichte, ausgelassene Unterhaltung für Erwachsene; Mitte des 20. Jahrhunderts warteten mehr als 50 Strip- und Burlesqueshows auf Kunden. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Angebot dann deutlich entschärft. Zwar ist Bourbon Street, vor allem in den Abendstunden, noch immer kein wirklich familienfreundliches Ausflugsziel, doch heute wird die Straße deutlich mehr von Bars, Musikclubs und Souvenirshops geprägt.

Während man tagsüber die alten Gebäude am Rand der Straße relativ ungestört betrachten kann, verwandelt sich Bourbon Street am Abend in die Partymeile, die man erwartet. Es gibt überall Live-Musik, Straßenkünstler treten auf und die Menschen lassen sich von einer Bar zur nächsten treiben. Findet eines der Festivals statt, insbesondere zu Mardi Gras, wird die Straße ebenso wie die umliegenden allerdings schnell zu überfüllt, um sich noch wohl fühlen zu können. Einige der Bars, vor allem jene in der Nähe der Kreuzung mit der St. Anne Street, haben sich auf die stetig wachsende Gay-Kundschaft spezialisiert und im oberen Abschnitt der Bourbon Street, Richtung Canal Street, befinden sich die Lokale mit Peepshows, Table Dance und ähnlichem Angebot.

 

Jackson Square
Der Mittelpunkt des French Quarter ist dieser Stadtpark, der nach dem Vorbild eines Platzes in Paris gestaltet und nach der Schlacht von New Orleans 1815 nach dem amerikanischen General Andrew Jackson umbenannt wurde, nachdem er zuvor den Namen “Place d’Armes” getragen hatte. Eine Reiterstatue Jacksons steht in der Mitte des Platzes. Dieser wird gesäumt von mehreren historischen Gebäuden, die zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten von New Orleans zählen. Dies ist zum einen die 1794 fertiggestellte St. Louis Cathedral, die 1964 von Papst Paul VI in den Status einer Basilika erhoben wurde. Sie ist die Nachfolgerin eines Kirchengebäudes, das beim Großbrand 1788 zerstört worden war. 1819 waren der Turm und die Glocken hinzugefügt worden; dies ist der einzige Gebäudeteil, der nach weiteren umfangreichen Umbauten im Laufe der Zeit noch erhalten geblieben ist. Direkt daneben befindet sich die Cabildo. Dieses 1795 errichtete Gebäude diente ursprünglich als Sitz der spanischen Kolonialverwaltung und war Schauplatz der offiziellen Übergabe Louisianas an die US-Regierung im Jahr 1803. Nach der Verwendung in diversen anderen Funktionen wurde das Gebäude 1911 zum Louisiana State Museum, für das es heute einen Teil der gesamten Ausstellungsfläche stellt. Schließlich befindet sich auf der anderen Seite der Kathedrale noch The Presbytere, dessen Baustil dem des Cabildo nachempfunden wurde und das 1813 – mehr als 20 Jahre nach Baubeginn – fertiggestellt wurde. Errichtet auf dem Gelände, auf dem einst die Kapuzinermönche untergebracht waren, diente The Prebytere nie in kirchlicher Funktion, sondern war vorübergehend in Nutzung durch das oberste Gericht des Bundesstaats. Seit 1911 ist auch dieses Gebäude ein Teil des Louisiana State Museums.

Jackson Square entwickelte sich ab etwa 1925 zum Platz der Künste, auf dem Porträtmaler und Karikaturisten ihre Talente anboten. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts wurden diese zwar mehr und mehr von Handlesern, Orakeln und Hellsehern verdrängt, doch bis heute finden Besucher auf dem Platz ein breites Angebot zwischen Kunst und Hokuspokus; dazwischen treten für gewöhnlich Straßenkünstler auf. Darüber hinaus ist der Platz mitunter Schauplatz von Konzerten.

 

Jax Brewery
Die Ende des 19. Jahrhunderts von einem deutschen Einwanderer gegründete Brauerei etwas oberhalb des Jackson Square war einst eine der größten im amerikanischen Süden und stellte Jax Beer her, ein Bier, das vor allem in der Region großen Anklang fand. 1970 jedoch ging die Brauerei bankrott und stand für eine Zeit leer, bis sie 1980 in ein Einkaufszentrum mit zahlreichen Läden und Restaurants umgewandelt wurde. Im zweiten Stockwerk befindet sich eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Brauereigebäudes.

 

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