Lage Aquidneck Island, Süden von Rhode Island
Beiname City by the Sea
Einwohner 24.700
Gründungsjahr 1639

 

Wenn man sich einmal betrachtet, welche Spitznamen und Bezeichnungen die Stadt Newport erhalten hat, dann kann man schon viel davon erkennen, wofür der Ort steht. Mal wird Newport die “Segelhauptstadt der Welt” genannt oder als “Königin der Sommerresorts” bezeichnet, ein anderes Mal sogar als “Amerikas gesellschaftliche Hauptstadt”. Tatsächlich ist an allen diesen Bezeichnungen etwas dran – nicht umsonst machten mit Eisenhower und Kennedy gleich zwei US-Präsidenten regelmäßig Urlaub hier. Newport ist Rhode Islands wichtigstes Tourismusziel und die Stadt hat einiges zu bieten.

Newport wurde gegründet, als es in der ursprünglichen Kolonie Rhode Island 1639 zu Streitigkeiten kam und einige Männer unter der Führung von William Coddington siedelten hier, nachdem sie Portsmouth verlassen mussten. In den nächsten Jahrzehnten waren es vor allem neu hinzukommende Immigranten – unter anderem viele Juden aus Südeuropa -, die dem Ort zu Wohlstand verhalfen, indem sie Wissen und Fertigkeiten mitbrachten, die in Newport erfolgreich angewendet werden konnten. So wurden zum Beispiel aus dem Spermöl gefangener Wale Kerzen hergestellt, später wurde Rhode Island zum Zentrum der Produktion von Rum. Daneben wurde Newport ein Ort, an dem viel Handel betrieben wurde und insbesondere mit dem Handel von Sklaven erarbeiteten sich die Einwohner im 18. Jahrhundert bedeutenden Reichtum. Andere verdienten sich ihr Geld mit Piraterie; Newport war berüchtigt als Standort zahlreicher Seeräuberbanden. Allerdings sollte Newport fast diesen gesamten Wohlstand – egal ob redlich oder unredlich erworben – im Unabhängigkeitskrieg, als die Briten die Stadt drei Jahre lang besetzt hielten, wieder verlieren. Am Ende des Krieges hatte Newport rund die Hälfte seiner Einwohner verloren. 1791 trat Rhode Island den USA als Bundesstaat bei, doch es dauerte noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, bis Newport an den Wohlstand vergangener Tage anknüpfen konnte. Diesmal war es der Tourismus, der dies schaffte. Erst kamen reiche Plantagenbesitzer aus dem Süden, später dann auch die angesehensten Familien des Nordostens, die sich prachtvolle Sommerresidenzen bauen ließen, die jeweils für ein paar Sommerwochen das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens des ganzen Landes wurden.

Von diesem Erbe zehrt die Stadt bis heute, die eleganten Residenzen der ehemaligen Gäste sind bei den Touristen die beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Zu nennen ist zum Beispiel die 1887 erbaute Hammersmith Farm im viktorianischen Stil, in der die spätere Präsidentengattin Jacqueline Bouvier Kennedy einen Teil ihrer Kindheit verbrachte und wo auch der Empfang bei der Kennedy-Hochzeit stattfand. George D. Widener, erfolgreicher Geschäftsmann aus Philadelphia, ließ sich das Miramar (Bellevue Avenue) mit 27 Schlafzimmern erbauen, starb aber während der Bauzeit beim Untergang der Titanic. Das stolze Anwesen, dessen Fertigstellung von seiner Witwe beaufsichtigt wurde, erzielte bei einer Versteigerung im Jahr 2006 mit 17,15 Millionen Dollar den höchsten Preis, den je ein Wohnhaus in Rhode Island erreichte. Entlang der Bellevue Avenue befinden sich zahlreiche weitere Beispiele für die elegante viktorianische Architektur der Sommerresidenzen.

Die größte Touristenattraktion nach Besucherzahlen nicht nur von Newport, sondern von ganz Rhode Island ist The Breakers, ein 1895 fertiggestelltes Feriendomizil der Familie des Eisenbahnmagnaten Vanderbilt (Ochre Point Avenue, täglich geöffnet). Mit einer Wohnfläche von mehr als 6000 Quadratmetern und 70 Räumen ist das herrschaftliche Gebäude das elftgrößte der USA. Es steht auf einer Klippe mit Blick auf den Atlantik, verfügt über fünf Stockwerke und gilt als Musterbeispiel der Architektur des Gilded Age. Im dritten Stock des Gebäudes leben bis heute Nachfahren des Bauherrn, die anderen Etagen sind in weiten Teilen für Besichtigungen geöffnet.

Ebenfalls an der Bellevue Avenue zu finden, untergebracht im Gebäude eines ehemaligen Clubs der gehobenen Gesellschaft, dem Newport Casino, ist die International Tennis Hall of Fame (194 Bellevue Avenue, täglich 9:30-17 Uhr geöffnet). Zu den rund 20.000 Ausstellungsstücken im Museum gehören nicht nur etliche Exponate zur Geschichte des Sports und Memorabilien von bekannten Spielern, sondern auch die Originaltrophäe der US Open, sofern diese nicht gerade in Flushing Meadows gebraucht wird. Übrigens kann man auf dem historischen Gelände sogar selbst den Schläger schwingen. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten von Newport gehören die St. Mary’s Church (14 William Street), eine 1848 erbaute römisch-katholische Kirche, in der Kennedy und Jacqueline Bouvier heirateten und die Touro Synagoge (Spring Street, geführte Touren möglich), die mit ihrer Fertigstellung 1763 nicht nur die älteste noch bestehende Synagoge in Nordamerika ist, sondern auch ein Zeitzeugnis der bedeutsamen jüdischen Migration nach Newport in den vergangenen Jahrhunderten. Nicht weit entfernt befindet sich der Newport Tower, vermutlich die Überreste einer Windmühle aus dem 17. Jahrhundert, doch Historiker haben immer wieder auch alternative Hypothesen über die Herkunft und das Alter des Gebäudes aufgestellt.

Rhode Island, vor allem aber Newport, ist untrennbar mit dem Wasser und allen Varianten der Nautik verbunden. Dazu beigetragen hat sicherlich die Tatsache, dass die Stadt über viele Jahre der Heimathafen eines Teils der amerikanischen Atlantikflotte und Standort einer Division der Marineflieger war und dass sich bis heute das Naval War College hier befindet, das strategische Zentrum der US-Marine. Vor allem aber ist der Segelsport in Newport allgegenwärtig. Der Ort ist die Basis des traditionsreichen New York Yacht Clubs, der bereits 25mal den berühmten America’s Cup gewann und damit das Recht erhielt, das Rennen jeweils im Folgejahr auszurichten, was zwölfmal in den Gewässern vor Newport geschah.
Newport hat mehrere Strandabschnitte, die allerdings zum Teil privat und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Touristen orientieren sich am besten an den Stränden Easton’s Beach (auch First Beach genannt) und Sachuest Beach (Second Beach). Schöne Blicke auf das Wasser bekommt man, wenn man den Newport Cliff Walk nutzt, ein Wanderweg, der am First Beach beginnt und auf der Rückseite vieler der historischen Gebäude und dabei über rund 5,6 Kilometer immer entlang der Küste verläuft.