Lage Südosten Virginias an der Chesapeake Bay
Einwohner 245.400
Gründungsjahr 1736

 

Die zweitgrößte Stadt Virginias liegt nur wenige Meilen von Virginia Beach entfernt. Mit dem Nachbarn zusammen bildet die Stadt den Kern des Ballungsraums Hampton Roads, der wesentlich von der Lage an der Chesapeake Bay und deren natürlichem Hafen bestimmt wird. Norfolk ist über die amerikanischen Grenzen hinaus bekannt als Militär-Standort. Die Naval Station Norfolk ist die größte Marinebasis der Welt, dazu kommt das ACT-Hauptquartier der NATO, das in der Stadt einen seiner beiden Sitze hat.

Dementsprechend ist das US-Verteidigungsministerium der mit Abstand wichtigste Arbeitgeber in Norfolk. Als Heimat der Atlantikflotte mit 75 Schiffen beschäftigt die Marine mehr als 60.000 Menschen am Standort. Daneben spielt der zivile Hafenbetrieb die wichtigste wirtschaftliche Rolle für Norfolk; die Stadt ist einer der wichtigsten Häfen an der Ostküste. Neben dem Transportwesen spielt aber auch der Tourismus eine große Rolle für die gesamte Region, wozu insbesondere auch ein neues Kreuzfahrtterminal in Norfolk beigetragen hat.

Norfolks Einwohnerzahl ist zuletzt wieder gestiegen, liegt aber immer noch deutlich unter dem historischen Höchststand von über 300.000, der in den 1970er Jahren erreicht wurde. 1705 war Norfolk das Stadtrecht verliehen worden, doch die Geschichte geht noch länger zurück. 1619 legt der Gouverneur der Kolonie Virginia vier Verwaltungsbezirke an, darunter auch “Elizabeth City”, die später aufgeteilt wurde und aus der heraus unter anderem Norfolk entstand. In den Anfangsjahren lebte die Gegend in erster Linie vom Tabakanbau und vom Handel mit England über den Hafen und dies so erfolgreich, dass Norfolk Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der wohlhabendsten Orte der Kolonie wurde. Die Beziehungen zu den Kolonialherren waren sogar so gut, dass diese hier Zuflucht suchten, als die Revolutionäre den Kampf um die amerikanische Unabhängigkeit ausgerufen hatten. Die letzte Schlacht, mit der der königliche Gouverneur aus Virginia vertrieben wurde, verursachte viele Schäden in Norfolk. Anfang des 19. Jahrhunderts rächte sich dann die jahrzehntelange Monokultur mit Tabakpflanzen; die Erde trug nicht mehr. Diese Tatsache sorgte, zusammen mit einer allgemeinen Rezession, dafür dass viele Menschen die Region um Norfolk verließen. Kurz darauf folgte der nächste Rückschlag: Mit einem Frachtschiff, das aus der Karibik kam, wurde 1855 Gelbfieber eingeschleppt, mehr als 3000 Menschen starben in Norfolk, das vorübergehend von der Außenwelt abgeriegelt wurde. Wenig später folgte der Bürgerkrieg. Norfolk wurde schon im Mai 1862 von den Truppen des Nordens eingenommen und blieb unter dieser Besatzung bis zum Ende des Krieges. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte Norfolk dann, wie die meisten anderen Städte in den USA, eine Zeit des Niedergangs. Einwohner verließen die Stadt, die Innenstadt verwaiste, Kriminalität nahm zu und Gebäude standen leer und verfielen. Für den couragierten, kostenintensiven Plan zur Wiederbelebung hat Norfolk viel Beifall bekommen; besonders die Bereiche am Wasser wurden deutlich aufgewertet, nicht mehr genutzte Lagerhäuser abgerissen und die Stadt erhielt die Skyline, die bis heute Bestand hat.

Diese hohen Gebäude der Skyline sind hauptsächlich entlang der neu angelegten Straße Waterside Drive. Das höchste Bauwerk von Norfolk ist derzeit das Bürogebäude Dominion Tower mit 100 Metern. An der Straße befinden sich auch zahlreiche Hotels, Restaurants und Harbor Park, das 1993 eröffnete Baseball-Stadion, Heimat der Norfolk Tides. Das Stadion legt direkt am Elizabeth River, einem Arm des natürlichen Hafens von Hampton Roads. Der Fluss ist der Hauptverkehrsweg für die Häfen von Norfolk; die vielen Schiffe, die hier unterwegs sind, prägen das Bild der Stadt. Ebenfalls direkt am Fluss liegt der Town Point Park, ein städtischer Park, der oft für Konzerte und Festivals genutzt wird und in dem zwei sehenswerte Denkmäler stehen. Gleich neben dem Park befindet sich Nauticus, auch bekannt als National Maritime Center (One Waterside Drive, täglich geöffnet 10-17 Uhr). Nauticus ist ein interaktives Wissenschaftscenter und Museum, das sich mit verschiedenen Themen rund um das Meer beschäftigt. Zu der Institution gehört auch das Museumsschiff USS Wisconsin. 1943 vom Stapel gelaufen, nahm die Wisconsin am Zweiten Weltkrieg, am Koreakrieg und an der Operation Desert Storm teil. Das Schlachtschiff kann auf eigene Faust oder in geführten Touren besichtigt werden.

Der historische Kern von Downtown ist das Gebiet rund um die Granby Street. Diese Straße hat schwere Zeiten des Verfalls hinter sich, hat sich in den letzten Jahren aber wieder zu einer der wichtigsten Adressen Norfolks entwickelt. Hier gibt es zahlreiche Restaurants und Geschäfte, auch Bars und Theater liegen an der Granby Street. Sie reicht vom Ufer des Elizabeth River bis ins Stadtviertel Ocean View. Der wahrscheinlich wichtigste Anziehungspunkt hier ist das Einkaufszentrum MacArthur Center mit 140 Läden und einer Eislaufbahn. Die Eröffnung des Shoppingcenters 1999 führte zu einer deutlichen Aufwertung der Gebäude und Straßenzüge in der Nachbarschaft. Dem Namensgeber, General Douglas MacArthur, US-Oberbefehlshaber im Pazifik während des Zweiten Weltkriegs, ist neben dem Center ein Denkmal gewidmet. Dies ist jedoch nicht die einzige Stelle in Norfolk, an der man MacArthur begegnet. Der Fünf-Sterne-General liegt im ehemaligen Rathaus City Hall begraben (421 East City Hall Avenue). Das Gebäude von 1847 wurde komplett umgestaltet und dient als Museum und Gedenkstätte (Eintritt frei, montags geschlossen).

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten von Norfolk zählt unter anderem das Chrysler Museum of Art, eines der bedeutendsten Kunstmuseen Virginias (One Memorial Place, geöffnet Dienstag-Samstag 10-17 Uhr, Sonntag 12-17 Uhr). Das Museum wurde 1933 gegründet, erlangte aber erst überregionale Bedeutung, als es 1971 die bedeutende Kunstsammlung des Automobilerben Walter P. Chrysler Jr. geschenkt bekam. Die Sammlung umfasst Gemälde und Skulpturen aus allen Epochen, insgesamt gehören mehr als 5000 Werke zur Ausstellung. Ein besonderes Highlight ist die Abteilung für Glaskunst. In der gleichen Nachbarschaft, dem Stadtteil Ghent, liegt auch das Harrison Opera House (160 Virginia Beach Boulevard), Heimat der Virginia Opera. Die Operngesellschaft führt vier Stücke pro Saison auf. In Downtown, genauer an der Tazewell Street, liegt dagegen das Wells Theatre, ein 1913 eröffnetes Theatergebäude, in dem die Virginia Stage Company ihre Aufführungen zeigt. Ein weiterer wichtiger Veranstaltungsort in der Stadt ist Norfolk Scope (201 East Brambleton Avenue), die vor allem für Sport genutzt wird.
Abseits von Kunst und Kultur zählt auch der Norfolk Botanical Garden (6700 Azalea Garden Road, geöffnet täglich 9-19 Uhr, Oktober bis Mai bis 17 Uhr) zu den Attraktionen. Der botanische Garten kann zu Fuß, per Boots- oder Bahnfahrt erkundet werden. Er besteht seit 1938 und verfügt heute über zahlreiche Bereiche mit verschiedenen Themen, darunter ein Kräutergarten, ein japanischer Garten und ein Rosengarten. Ebenfalls einen Besuch wert ist der Virginia Zoological Park (3500 Granby Street, täglich geöffnet 10-17 Uhr). Der kleine Zoo beherbergt rund 500 Tiere, darunter Elefanten, Tiger und Löwen.