Als 1877 ein kleiner Ort am östlichen Ufer des Utah Lake gegründet wurde, da wurde er als “Sharon” bezeichnet – das ist die biblische Bezeichnung für ein Stück Land zwischen Bergen und dem Meer. Bald darauf jedoch erschien es den Einwohnern wichtiger, ihren Heimatort wirtschaftlich voranzubringen und das funktionierte damals am besten, wenn man an einer Bahnstrecke positioniert war. So war es wohl eher kein Zufall, dass aus “Sharon” im Jahr 1914 “Orem” wurde, denn das war der Nachname des damaligen Präsidenten der Salt Lake and Utah Railroad. 1919 erhielt Orem, das inzwischen über 1000 Einwohner zählte, das Stadtrecht.

Heute leben 90.000 Menschen in Orem, das damit die fünftgrößte Stadt Utahs ist. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zu Provo und in etwa 70 Kilometern Entfernung zu Salt Lake City und damit ebenfalls in dem schmalen Korridor entlang der Cascade Mountains, in dem die überwältigende Mehrheit der Einwohner des Bundesstaats zu Hause ist.

Orem ist eine vergleichsweise unauffällige Stadt, die sich jedoch einen Namen als besonders familienfreundlicher Ort zum Leben gemacht hat und sich selbst mit dem Beinamen “Family City” schmückt. Die Bevölkerung ist überwiegend weiß, nur knapp 2% sind Schwarze. Dank einer recht großen Gemeinschaft mexikanischstämmiger Menschen liegt der Bevölkerungsanteil der Hispanics bei über 16%. Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt bei gerade einmal 24 Jahren. Dazu trägt vor allem die in Orem ansässige, 1941 gegründete Utah Valley University bei, an der mehr als 33.000 Studenten eingeschrieben sind. Die Universität sorgt mit ihren zahlreichen Programmen nicht nur für einen großen Teil des kulturellen Angebots der Stadt, sondern stellt mit seinen Sportteams, vor allem in Baseball und Basketball, auch für Sportveranstaltungen in Orem. Viele davon finden im UCCU Center statt (800 West University Parkway), einer multifunktionalen Arena mit bis zu 8500 Plätzen. Das Center wird daneben auch für Konzerte, Ausstellungen und andere Veranstaltungen genutzt.

Die Sehenswürdigkeiten von Orem liegen vor allem im Umland der Stadt. Dazu zählt der Utah Lake, ein rund 380 km² großer See mit zahlreichen Freizeitmöglichkeiten. Vor allem zum Angeln und zum Eislaufen im Winter kommen viele Menschen an den See. Die weithin sichtbare, größte Attraktion Orems ist aber der knapp 3600 Meter hohe Mount Timpanogos, der zweithöchste Gipfel des Wasatch-Gebirgszugs, der das Stadtbild überragt. Der zum Teil vergletscherte Berg erhält große Mengen Niederschlags, vor allem in Form von Schnee, was hin und wieder zu Lawinenabgängen führt. Im Sommer jedoch klettern zahlreiche Menschen auf den Gipfel des Mount Timpanogos, der dank eines gut 20 Kilometer langen Wander- und Kletterwegs zu den vergleichsweise leicht zu besteigenden Bergen zählt. Wer die Wanderung in Angriff nimmt, entdeckt alpin wirkende Landschaften mit Wasserfällen, Nadelbäumen und Bergziegen. Etwa 500 Meter unterhalb des Gipfels liegt der kleine See Emerald Lake.

Im Stadtgebiet selbst ist der Christeele Acres Historic District erwähnenswert. In diesem Stadtviertel befinden sich rund 60 winzige Häuser, die 1943 in kürzester Bauzeit errichtet worden waren, um die Arbeiter eines neu angelegten Stahlwerks zu beherbergen. Die Wohnhäuser stehen zugleich sinnbildlich für den Umbruch Orems von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde hin zu einer modernen Stadt mit Industrieanlagen, der in dieser Zeit erfolgte.