Die amerikanische Verfassung, die Constitution, wurde am 17. September 1787 von der Constitutional Convention, der unter anderem George Washington angehörte, im Juni 1788 in Philadelphia verabschiedet und anschließend von allen Bundesstaaten zum jeweiligen Datum des Beitritts zur Union ratifiziert. Sie ist die älteste noch gültige Verfassung eines Landes. In den mehr als 200 Jahren ihres Bestehens wurde die Constitution nur um 27 Punkte, die Amendments, ergänzt und gilt ansonsten noch in der ursprünglichen Version. Sie regelt die Gewaltenteilung und gibt das Regelwerk vor, nach dem die Regierung des Landes mit den einzelnen Bundesstaaten und mit den Bürgern des Landes in Beziehung steht. In dem aus vielen Einflüssen und Hintergründen entstandenem Land ist die Constitution von einer besonderen, verbindenden Bedeutung und in der politischen Diskussion häufig präsent.

Grundlage für die Verfassung waren die zuvor in den 13 Kolonien gesammelten Erfahrungen sowie in Teilen die britische Verfassung. Darüber hinaus lassen sich die Ideen des französischen Politikphilosophen Baron de Montesquieu, insbesondere in Bezug auf den Ausgleich der Kräfte und englischen Philosophen John Locke. Nach der Verabschiedung musste die Constitution von neun der 13 Kolonien ratifiziert werden, um Gültigkeit zu erlangen. New Hampshire stimmte dem Verfassungsentwurf im Juni 1788 zu, Rhode Island als letzte der Originalkolonien ratifizierte ihn im Mai 1790.

Die eigentliche Constitution besteht aus nur sieben Artikeln und vier Seiten, wovon der siebte die Bestimmungen zur Ratifizierung durch die Kolonien vorgibt. Die Artikel 1 bis 3 definieren und reglementieren die Legislative, Exekutive und Judikative, Artikel 4 beschreibt die Beziehungen zwischen den Bundesstaaten und der föderalen Regierung. In Artikel 5 ist festgehalten, unter welchen Umständen und mit welchem Prozess Zusätze zur Verfassung entstehen können und Artikel 6 gibt vor, dass Bundesrecht immer das oberste Recht im Land ist und dass Kirche und Staat voneinander zu trennen sind.

Nachdem die Constitution die Ratifizierungen in allen 13 Bundesstaaten durchlaufen hatte, war einiges an Anmerkungen und Kritikpunkten zusammengetragen worden, so dass beschlossen wurde, die Verfassung durch Zusatzartikel, Amendments genannt, zu ergänzen. Die ersten zehn Zusätze zur Verfassung bilden die Bill of Rights. Diese zehn Artikel wurden gemeinsam verabschiedet, die folgenden 17 jeweils einzeln. Die Amendments sind Bestandteil der Verfassung und heute in der Regel die Abschnitte der Constitution, die häufig zum Mittelpunkt und Ausgangspunkt juristischer Diskussionen und Verhandlungen vor dem Supreme Court werden. Diese Zusatzartikel können nicht mehr verändert werden, sondern müssen gegebenenfalls von einem weiteren Zusatzartikel wieder aufgehoben werden.

 

Bill of Rights und weitere Zusatzartikel zur Verfassung

1 gibt die Religions-, Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit vor 1791
2 gibt den Bürgern das Recht zum Besitz von Waffen 1791
3 verbietet der Regierung, Privateigentum zur Unterbringung von Soldaten zu nutzen 1791
4 verbietet Verhaftungen, Durchsuchungen und Beschlagnahmungen ohne richterliche Anordnungen 1791
5 reguliert die Rechte von Beschuldigten einer Straftat, enthält Zeugnisverweigerungsrecht 1791
6 enthält das Recht auf einen zügigen Prozess und das Recht auf einen Strafverteidiger 1791
7 bestimmt, dass Zivilprozesse von einer Jury zu entscheiden sind 1791
8 verbietet übermäßig hohe Kautionen und grausame und ungewöhnliche Strafen 1791
9 erklärt allgemein, dass es weitere Bürgerrechte außer denen in der Bill of Rights gibt 1791
10 erklärt Kompetenzen zwischen den Bundesstaaten und der Bundesregierung 1791
11 klärt das Recht zur Anklage gegenüber Angehörigen anderer Nationen 1795
12 verändert das Wahlrecht in Bezug auf die separate Wahl von Präsident und Vizepräsident 1804
13 beendet die Sklaverei im ganzen Land 1865
14 definiert die amerikanische Staatsangehörigkeit und begrenzt einige Rechte der Bundesstaaten 1868
15 gibt farbigen Mitbürgern und ehemaligen Sklaven das Wahlrecht 1870
16 erlaubt die Erhebung von Einkommenssteuern 1913
17 verändert das Wahlrecht in Bezug auf die Direktwahl von Senatoren 1913
18 verbietet die Herstellung und den Handel mit alkoholischen Getränken (Prohibition) 1919
19 gibt Frauen das Wahlrecht 1920
20 verändert einige Bestimmungen für Exekutive und Legislative 1933
21 widerruft die Prohibition und das Amendment 18 1933
22 gibt vor, dass ein Präsident nur bis zu zwei aufeinander folgende Amtszeiten im Amt bleiben darf 1951
23 gibt dem District of Columbia das Recht zur Teilnahme in Präsidentschaftswahlen 1961
24 ändert das Wahlrecht in einigen Details 1964
25 verändert einige Regulierungen zum Ablauf der Amtseinführung eines neuen Präsidenten 1967
26 verbietet den Entzug des Wahlrechts aus Gründen hohen Alters 1971
27 begrenzt die Möglichkeiten des Congress zur Erhöhung der Diäten 1992