Das FBI dient dem amerikanischen Staat als Nachrichtendienst, Polizei- und Ermittlungsbehörde zugleich. Seit seiner Gründung hat sich das Aufgabengebiet der Behörde mehrfach verändert. Im Laufe der Geschichte des FBI kam es immer wieder zu Kontroversen und Diskussionen über die Vorgehensweise und operative Ausrichtung.
1908-1924
Die Geschichte des FBI beginnt offiziell mit dem Auftrag von Präsident Theodore Roosevelt an seinen Justizminister Charles Bonaparte, eine unabhängige Ermittlungseinheit zu gründen. Im 19. Jahrhundert waren Verbrechen und Straftaten fast ausschließlich lokale Vorkommnisse gewesen, doch nun begannen sich die Zeiten zu ändern. Amerika war von einer Küste zur anderen erschlossen, das Auto wurde langsam zum Massenprodukt und so erweiterten sich die Perspektiven. Die Ermordung seines Vorgängers McKinley war für Roosevelt ein Beleg für eine landesweite Entstehung extremistischer Gruppierungen. Zudem schuf er selbst eine Vielzahl neuer, landesweit gültiger Gesetze, deren Einhaltung er gewährleisten wollte. Das Justizministerium hatte für solche Aufgaben zuvor Beamte anderer Ministerien eingesetzt, was der Kongress aber im Mai 1908 verboten hatte. Am 26. Juli 1908 gründete Bonaparte das Bureau of Investigation (BOI) mit zunächst 34 Mitarbeitern.
Obwohl die Behörde in den folgenden Jahren beständig wuchs und in einer wachsenden Zahl an Kriminalfällen aktiv wurde, darunter etwa Prostitution und Betrugsfälle, fehlte ihr zunächst noch ein klares Profil und ein fester rechtlicher Rahmen, in dem sie agieren durfte. Das änderte sich mit dem Ersten Weltkrieg. So lange es ging, hielten sich die USA aus dem Krieg heraus, doch ständige Attacken der Deutschen führten schließlich 1917 zum Kriegseintritt. Das traf das Land unvorbereitet: Es gab keine Strukturen, die sich mit der Vereitelung von Spionage oder Sabotage beschäftigten und so bekam das BOI diese Aufgaben übertragen.
Nach dem Krieg griff in den USA erneut die Angst vor einem Umsturz um sich. Die Machtübernahme der Bolschewiken in Russland, zunehmend aggressiver werdende Arbeiteraufstände und Bombenanschläge von Anarchisten befeuerten eine immer weiter um sich greifende Angst vor einer kommunistischen Revolution in Amerika. Justizminister Palmer veranlasste eine Welle von Ermittlungen und Durchsuchungen gegen vermeintliche Staatsfeinde. Dabei tat sich ein junger Beamter hervor, der eine gewaltige Datensammlung über radikale Kräfte angelegt hatte: J. Edgar Hoover.

1924-1945
Die „Red Scare“, die Angst vor kommunistischer Unterwanderung, sollte in den kommenden Jahrzehnten eines der wichtigsten Themen der amerikanischen Innenpolitik werden, mit teilweise absurden Ausmaßen. Sie wurde auch zu einem zentralen Teil der Arbeit von J. Edgar Hoover, der 1924 neuer Direktor des BOI wurde und es bis 1972 bleiben sollte. Er begann sofort nach der Amtsübernahme mit einer gründlichen Reform der Behörde, führte feste Strukturen und ein einheitliches Training für neue Mitarbeiter ein. Er war es auch, der damit begann, Fingerabdrücke von Kriminalfällen aus dem ganzen Land in einer zentralen Datenbank zu sammeln und der für den Aufbau eines Kriminallabors sorgte. Und er veranlasste ab den 1920er Jahren das Abhören von Telefonen, wofür allerdings die rechtliche Grundlage fehlte.
Die Modernisierung der Ermittlungs- und Polizeibehörden war zu diesem Zeitpunkt überfällig. In Chicago und vielen anderen Städten hatte sich das organisierte Verbrechen in einem wenig kontrollierten Raum eingenistet und herrschte mit Gewalt und Korruption und wenig Gegenwehr. Vor allem ab dem Jahr 1932 war das BOI zunehmend in die Kriminalitätsbekämpfung eingebunden. In relativ kurzer Zeit gelang es so, berüchtigte Gangster wie John Dillinger oder George Kelly aus dem Verkehr zu ziehen, was den Ruf und die Bekanntheit der Behörde in der Öffentlichkeit deutlich verbesserte. Im Jahr 1935 erfolgte die Umbenennung in Federal Bureau of Investigation, FBI.
Nur wenig später verschob sich der Fokus des FBI erneut. Mit dem Erstarken der Nazis in Deutschland bildeten sich auch in Amerika Gruppen mit einer faschistischen Ideologie während zeitgleich auch kommunistische Gruppierungen stärker wurden. Das FBI war spätestens mit dem deutschen Überfall auf Polen und der japanischen Invasion in China nicht mehr nur mit Umsturzplänen aus der eigenen Bevölkerung beschäftigt, sondern auch mit der Sorge vor Sabotageakten und der Infiltration durch feindliche Agenten. Hoovers Behörde schaffte es, rund 50 Spione der deutschen Nazi-Regierung in den USA aufzudecken. Auch die von den Nazis an der US-Ostküste angelandeten Saboteure konnten unschädlich gemacht werden. Zudem erweiterte sich der Arbeitsbereich des FBI erstmals offiziell auch über die amerikanischen Grenzen hinaus: Da es noch keine CIA oder eine ähnliche Behörde gab, beauftragte Präsident Roosevelt das FBI mit Geheimdienstaufgaben in Mittel- und Südamerika.
Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor machte sich J. Edgar Hoovers Datensammelwut bezahlt. In kürzester Zeit konnte das FBI dem Präsidenten eine Liste mit Deutschen, Italienern und Japanern in den USA vorlegen, die als potenzielle Bedrohung erfasst worden waren. Das FBI war an der Festnahme und nachfolgenden Deportation von rund 3800 dieser Ausländer beteiligt und – obwohl Hoover sich dem anfangs versperrte – auch an der Internierung von rund 140.000 japanischstämmigen Menschen in den USA im Jahr 1942.
1945-1972
Während sich das FBI im Kampf gegen ausländische Einflussnahme und Spionage auf die von Deutschland, Japan und Italien ausgehenden Gefahren fokussiert hatte, sahen sich die USA gleich nach dem Kriegsende einem neuen Gegner gegenüber. Die Sowjetunion hatte im Krieg weite Teile Osteuropas unter ihre Kontrolle gebracht und hatte unbemerkt zahlreiche Spione in Amerika installiert. Dank erhöhter Investitionen in die Spionageabwehr konnte das FBI bald wirksame Methoden und Instrumente entwickeln, um die Kommunikation dieser Spione mit Moskau zu infiltrieren und abgefangene Nachrichten zu dechiffrieren. So konnten nach und nach zahlreiche Agenten enttarnt werden – allerdings war es den Sowjets zuvor schon gelungen, Informationen über das streng geheime Atomwaffenprogramm abzugreifen.
In den USA wurde nach dem Zweiten Weltkrieg die Bürgerrechtsbewegung stärker, was zu neuen Aufgaben für das FBI führte. Die Behörde hatte sich schon seit 1920 mit dem Thema beschäftigt und war etwa gegen den Ku-Klux Klan vorgegangen. Mit der Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen durch den Supreme Court und Aufsehen erregende Vorfälle wie dem Bus-Boykott in Montgomery rückte das Thema der Segregation ab den 1950er Jahren in den Fokus. Bei der Ermittlungsarbeit, etwa im Fall von Lynchmorden, wurde das FBI aber immer wieder dadurch aufgehalten, dass die meisten Taten nicht als Bundesverbrechen gewertet wurden, so dass sie in den Händen der Bundesstaaten blieben – die vor allem im Süden gegen eine Gleichstellung der schwarzen mit der weißen Bevölkerung arbeiteten. So hatte die Behörde nur wenige Möglichkeiten, die immer weiter ausufernde Gewalt gegen Schwarze einzudämmen. Erst nach zahlreichen Morden kam es 1964 zur rechtlichen Gleichstellung im Civil Rights Act und damit auch zu einer Erweiterung der Zuständigkeiten des FBI.
Die sozialen Spannungen im Land vermochte das Gesetz allerdings kaum zu beruhigen. An vielen Orten im Land kam es im Laufe der 1960er Jahre zu Unruhen, bei denen auch Menschen ums Leben kamen. Hinzu kamen die Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg und eine generelle Proteststimmung vor allem unter jüngeren Leuten. Einige davon radikalisierten sich zunehmend und es kam immer öfter zu Anschlägen. Das FBI war in dieser Zeit mit der Aufklärung solcher Taten beschäftigt – aber auch mit den Mordanschlägen gegen Präsident Kennedy und Martin Luther King Junior. Um solche und ähnliche Taten schon im Vorfeld zu verhindern, bediente sich das FBI schon seit 1956 des geheimen Programms COINTELPRO. Im Rahmen dieses Programms wurden Gruppen vom FBI unterwandert, überwacht und aktiv sabotiert. Betroffen waren Organisationen wie der Ku-Klux-Klan, aber auch Parteien und die Bürgerrechtsbewegung. Viele dieser Maßnahmen waren, wie später durch einen Untersuchungsausschuss des Senats bestätigt wurde, illegal, weil sie auf puren Verdacht hin gestartet wurden und weil ihnen jegliche Kontrolle fehlte.
1972-2001
J. Edgar Hoover starb im Mai 1972. Die Geschichte des FBI im 20. Jahrhundert und damit auch ein wichtiger Teil der Geschichte der USA hängt eng mit dem ewigen Direktor zusammen, der sein Amt 1924 eingenommen hatte. Hoover lenkte das FBI in geordnete Strukturen und erweiterte die Fähigkeiten der Behörde konsequent, so dass sowohl in der Bekämpfung der Kriminalität als auch im Heimatschutz wertvolle Beiträge leisten konnte. Auf der anderen Seite fallen aber auch klare Grenzüberschreitungen und die Anwendung nicht rechtsstaatlicher Methoden in Hoovers Amtszeit. Sein Nachfolger Clarence Kelly gab sich Mühe, solche Verfehlungen offen zu thematisieren, einen rechtlichen Rahmen zu kreieren und öffentliches Vertrauen zurückzugewinnen.
Nur einen Monat nach Hoovers Tod wurde die Nation in eine tiefe Krise gestürzt, als der Einbruch ins Hauptquartier der Demokratischen Partei im Watergate-Komplex aufflog. Das FBI wurde mit der Aufklärung beauftragt, sah sich dabei intensiven Drucks aus der Öffentlichkeit und dem Weißen Haus gleichermaßen ausgesetzt – und hatte mit Mark Felt den Ermittler in den eigenen Reihen, der heimlich Informationen an die Presse gab und so maßgeblich zur Amtsenthebung von Präsident Nixon beitrug.
Auch in den 1970er Jahren bestand die Gefahr durch radikale Gruppierungen fort. So verübte etwa die marxistische Gruppe „Weatherman“ (bzw. später „Weather Underground“) zahlreiche Bombenanschläge, unter anderem auf Polizeireviere, das Pentagon und Unternehmen. Parallel dazu legte das FBI nun verstärkt einen Fokus auf die Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Auf diesem Gebiet arbeitete die Behörde nun erfolgreich mit eingeschleusten Informanten. In den 1980er Jahren konnten so mehr als 1000 Mafia-Angehörige festgenommen und verurteilt werden. Dieselbe Vorgehensweise führte auch zur Aufdeckung von mehreren Korruptionsfällen, die bis in höchste Kreise reichte. Dank der Arbeit des FBI konnten unter anderem korrupte Richter und Kongressabgeordnete verurteilt werden. Ab 1982 war das FBI zudem gemeinsam mit der Drug Enforcement Agency DEA für die Bekämpfung der Drogenkriminalität zuständig.

In der Zwischenzeit aber braute sich über den USA eine ganz andere Gefahr zusammen, die bald zur Priorität für das FBI werden sollte: die Bedrohung durch den Terrorismus. 1983 forderten Bombenanschläge auf US-Truppen und auf die amerikanische Botschaft im Libanon mehr als 350 Todesopfer. 1988 zerriss eine Bombe eine amerikanische Passagiermaschine über Lockerbie, wobei 270 Menschen starben. Noch während sich das FBI mit viel Aufwand den Ermittlungsarbeiten widmete, gründeten sich im Mittleren Osten dschihadistische Gruppen wie Al-Kaida mit dem Ziel, die USA und die westliche Welt anzugreifen. 1993 wurde ein Bombenanschlag auf das World Trade Center verübt, doch auch dank der verstärkten Aktivitäten des FBI im Ausland konnten zahlreiche folgende Terrorpläne vereitelt werden. Doch nicht immer konnte die Behörde rechtzeitig aktiv werden: Bei gleichzeitigen Anschlägen auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia 1998 kamen mehr als 220 Menschen ums Leben. Bei den nachfolgenden Ermittlungsarbeiten werden über 900 FBI-Beamte eingesetzt.
Seit 2001
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 veränderten das Land und auch die Arbeit des FBI nachhaltig. Etwa ein Viertel der gesamten FBI-Belegschaft war in die Ermittlungen nach dem Attentat eingebunden. Der gewaltige Aufwand lohnte sich, denn alle 19 Beteiligten wurden schnell ermittelt und Sicherheitslücken wurden geschlossen. Dennoch musste der neue FBI-Direktor Robert Mueller auch einräumen, dass seine Leute Hinweise im Vorfeld nicht richtig bewertet hatten. Mueller wandelte die Behörde daher in den Monaten nach 9/11 in eine Einheit um, die einen stärkeren Fokus auf nachrichtendienstliche Arbeit legte, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und abwenden zu können, statt nach einer Tat Ermittlungsarbeit leisten zu müssen.
Das politische Umfeld war bereit dafür. Der Schock des 11. September hatte sowohl beim Kongress als auch bei Präsident George W. Bush für Bereitschaft zu einem massiven Upgrade der Sicherheitsstrukturen ausgelöst. Mit dem Patriot Act bekam das FBI stark erweiterte Erlaubnisse zum Überwachen von Personen, Abhören von Telefonen und vorsorglichem Speichern von Daten. Es bekam zudem eine deutliche Aufstockung des Budgets, mit dem Mueller unter anderem ein lange überfälliges IT-System zur Vernetzung aller Einheiten finanzierte. Im Jahr 2005 wurden Terrorismusbekämpfung, geheimdienstliche Tätigkeit und Gegenspionage zu einer neuen Einheit „Nationale Sicherheit“ zusammengefasst. Schließlich wurde auch die zuvor oft mangelhafte Koordination unter den Nachrichtendiensten der USA verfeinert. Das FBI arbeitet heute eng mit dem Militär, der CIA und anderen Behörden zusammen. Solche Kooperationen waren mit dafür verantwortlich, dass zahlreiche Terrorpläne vereitelt werden konnten. Zu dieser Arbeit gehörte auch ein neues Themengebiet, das kurz nach 9/11 aufkam. Damals wurden Briefe mit Milzbranderreger (Anthrax) verschickt, die den Tod von fünf Menschen verursachten. Das FBI sah sich gezwungen, seine Fähigkeiten in der Verteidigung gegen Massenvernichtungswaffen auszubauen.
Trotz der klaren neuen Positionierung auf Terrorbekämpfung blieben natürlich noch die anderen Aufgabengebiete des FBI. Der Behörde gelangen einige Schläge gegen Korruption und war in die Aufarbeitung von Buchhaltungsskandalen wie die Bilanzfälschungen bei Enron eingebunden. In Bezug auf das Aufgabengebiet Kriminalität fokussiert sich das FBI heute auf große, weitreichende Fälle, etwa auf Betrug, Korruption und Cyberkriminalität.
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