Die Rocky Mountains, Nordamerikas mächtigste Bergkette, sind zugleich Ski- und Wanderrevier, Abenteuerspielplatz, Naturwunder und vielseitiger Lebensraum für Flora und Fauna. Die Rockies erstrecken sich über mehr als 4800 Kilometer vom kanadischen British Columbia bis in den Südwesten der USA und durchziehen oder berühren dabei die Bundesstaaten Idaho, Wyoming, Montana, Colorado, Utah und New Mexico, die zusammen mitunter als Mountain States bezeichnet werden. Ihren höchsten Punkt erreicht die Bergkette mit dem 4400 Meter hohen Mount Elbert in Colorado. Insgesamt gibt es mehr als 60 Berggipfel, die 4000 Meter über dem Meeresspiegel liegen, davon allein 56 in Colorado, wo auch die 30 höchsten Gipfel der Rockies zu finden sind. Eine Vielzahl beliebter Wintersportzentren, Nationalparks und State Parks findet sich in den Rocky Mountains, die damit insgesamt gesehen zu den beliebtesten amerikanischen Ferienregionen zählen. Die Gebirgskette begann sich vor etwa 70 Millionen Jahren zu entwickeln, wobei die Gipfel zunächst wesentlich höher lagen, die Felsen sich dann aber in ihre heutige Form streckten.

Die Rocky Mountains haben vielfältige Bedeutung für die USA. Bei der Besiedelung des amerikanischen Westens stellten sie das letzte große Hindernis vor der Pazifikküste dar und wurden für manch abenteuerlustigen Siedler zur unüberwindlichen Grenze. Erst später entdeckte man auch die wirtschaftliche Bedeutung der Region, wo sich verschiedene Bodenschätze, unter anderem Kupfer, Gold und Silber abbauen lassen sowie Gasvorräte zu erschöpfen sind. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass man mit dem, was in den Rocky Mountains gefunden wird, reich werden kann, brachte viele Menschen in die Gegend, die zu den am dünnsten besiedelten des Kontinents zählt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebten die Rocky Mountains einen starken Bevölkerungszuwachs, jedoch leben hier nach wie vor im Schnitt nur vier Menschen auf einem Quadratkilometer.

Von besonderer Bedeutung aber sind die Rocky Mountains für das Wetter und die Wasserläufe Nordamerikas. Die Gebirgskette ist Teil der Continental Divide, der kontinentalen Wasserscheide. Obwohl es eine Vielzahl weiterer, feinerer Unterscheidungen gibt, kann man im Groben sagen, dass die von den Rockies beschriebene Linie die Trennung zwischen den Wasserläufen ist, die in Richtung des Atlantischen Ozeans fließen und jenen, die in Richtung Pazifik fließen. Unter anderem entspringen Columbia River, Missouri, Colorado River und der Rio Grande in den Rocky Mountains. Von hier stammt, in Form von Schneeschmelze und Regen, das Wasser, mit dem etwa ein Drittel des ganzen Landes versorgt wird.

Weiterhin bestimmen die Rockies das Wetter in weiten Teilen der USA. Sie dienen als Staupunkt für die vom Pazifischen Ozean kommenden Wolkenfelder, die sich daraufhin westlich des Gebirges entleeren und für viele Niederschläge an der nördlichen Pazifikküste sorgen. Östlich der Rockies dagegen, in den Great Plains, die unter anderem North und South Dakota, Nebraska, Oklahoma und Kansas umfassen, herrscht dagegen ein eher trockenes Klima. Im Gebirge selbst gibt es eher trockene, warme Sommer, oft auch von Gewittern hervorgerufene Waldbrände. Die Winter sind eher feucht und kalt und bringen zum Teil große Schneemengen. Ein hier auftretendes Wetterphänomen ist der Chinook, ein im Winter vom Pazifik kommender warmer Wind, der plötzliche Temperaturanstiege um bis zu 25°C bewirken kann.


Rocky Mountains Nationalpark

Die Millionen von Touristen, die jährlich in die Rocky Mountains kommen, zieht es vor allem in die Nationalparks und in die Wintersportgebiete, von denen es in allen angrenzenden Bundesstaaten zahlreiche gibt. Besonders bekannt sind die Ski Areas von Aspen, Breckenridge und Vail in Colorado, Park City in Utah und Jackson Hole in Wyoming. Zu den Nationalparks zählen der Yellowstone, der Grand Teton National Park in Wyoming und Glacier National Park an der Grenze zwischen Canada und Montana. Der Rocky Mountains National Park ist ganzjährig geöffnet, wobei es wetterbedingt zu Schließungen von Straßen oder ganzen Abschnitten des Parks kommen kann.

Der bereits 1915 errichtete Nationalpark liegt in der Nähe von Estes Park im nordöstlichen Colorado und bildet gewissermaßen einen Querschnitt des vielseitigen Gebirgslebensraums der Rocky Mountains. In der Umgebung liegen gleich drei National Forests.

Der Park nimmt mehr als 1000 Quadratkilometer ein, umfasst einen Teil der Continental Divide und weist daher klimatisch unterschiedliche Zonen auf. Während der östliche Teil durch ein trockenes Klima und einige Gletscher bestimmt wird, herrscht im West eher feuchtes Klima, resultierend in dichter Bewaldung. Die den Park durchziehende Trail Ridge Road, im Sommer eine gute Möglichkeit, um den Park vom Auto aus zu erkunden, ist im Winter wegen der Schneemengen gesperrt.
Besucher nutzen den Park zum Wandern, Skifahren, Klettern, Reiten und Fischen an einem der Seen und Wasserläufe. Insgesamt stehen mehr als 560 km Wanderwege und 150 Seen für verschiedene Freizeitaktivitäten zur Verfügung; an mehreren Stellen ist auch Camping erlaubt. Es gibt fünf Campingplätze, für die zum Teil Reservierungen erforderlich sind. Keiner der Campingplätze verfügt über Wasser, Strom oder Entsorgungsanschlüsse für Wohnmobile. Informationen über die Möglichkeiten, über Wanderwege, Sehenswürdigkeiten und die Angebote der Park Rangers erhält man in einem der insgesamt sieben Besucher- und Informationszentren. Besonders beliebt ist der Bear Lake, von dem aus mehrere ausgeschilderte Wanderwege starten. Am schon von weitem sichtbaren Longs Peak versuchen sich regelmäßig die Kletterer und Hobby-Bergsteiger.