Die Insel in der Bucht von San Francisco erhielt ihren Spitznamen The Rock aus ihrer Nutzung als Gefängnis – der Felsen, von dem niemand entkommen konnte. Zweifellos verdankt sie dieser Zeit auch ihren weltweiten Bekanntheitsgrad und die vielen Geschichten, die sich um die Felseninsel drehen, doch Alcatraz war in seiner Historie mehr als nur ein Gefängnis. Die Insel ist über Fähren von der Fisherman’s Wharf in San Francisco aus erreichbar, vor Ort werden dann Audio- Touren angeboten, mit denen jeder Besucher die Insel, das ehemalige Gefängnis und die Außenanlagen im eigenen Tempo erkunden kann. Der Eintritt ist frei, es ist aber nötig, bei einer der Fährgesellschaften ein Ticket zur Überfahrt zu kaufen.

Die knapp 9 Hektar große Insel erhielt ihren Namen vom spanischen Entdecker Juan Manuel de Ayala, der 1775 die San Francisco Bay erkundete und den Felsen als La Isla de los Alcatraces (Insel der Pelikane) bezeichnete. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges zwischen Mexiko und den USA im Jahr 1848 begann die US Army damit, Alcatraz zu einer Verteidigungsanlage für die Bucht von San Francisco auszubauen. Während des amerikanischen Bürgerkriegs wurden aus Alcatraz dann ein Militärgefängnis. Zunächst wurden die Gefangenen – Sympathisanten der Konföderierten aus dem Westen des Landes – im Keller des Gebäudetrakts untergebracht, bis 1867 ein Gefängnisgebäude errichtet wurde. Die Army erkannte die isolierte Lage der Insel als ideal für diesen Zweck. Während des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 erhöhte sich die Zahl der Gefangenen, nach dem Erdbeben von 1906 kamen dann zivile Gefangene aus den zerstörten Gefängnissen San Franciscos hier unter. Immer neue Gebäudeteile wurden errichtet, 1912 wurde das Hauptgefängnis fertiggestellt, das heute die auffallendste Struktur auf der Insel ist. Alcatraz bestand als Militärgefängnis bis 1933 fort, als es an die zivile Gefängnisverwaltung der USA übergeben wurde.

Ab dem 01. Januar 1934 wurde Alcatraz als Gefängnis unter Bundesverwaltung genutzt. Zu den Insassen gehörten unter anderem Mafiaboss Al Capone, der Entführer George Kelly, der Mörder Robert Franklin Stroud und der Gewalttäter Alvin Karpis, der von allen Insassen mit insgesamt 26 Jahren die längste Zeit auf der Insel verbrachte. Berühmt wurden jedoch vor allem die Ausbruchsversuche von der als vollkommen ausbruchssicheren bezeichneten Insel. In den 29 Jahren ihrer Nutzung als Gefängnis erlebte Alcatraz 14 Ausbruchsversuche, bei denen sechs Gefangene erschossen wurden und drei im kalten Wasser des Pazifik ertranken. Bei der so genannten Battle of Alcatraz im Mai 1946 brachten Gefangene mehrere Gefängniswärter unter ihre Kontrolle und verschanzten sich anschließend im Gebäude, als sie feststellten, dass sie die Insel nicht verlassen konnten. Es kam zu schweren Gefechten, unter anderem auch unter Beteiligung von Soldaten, bis schließlich drei Insassen getötet wurden. Zuvor hatten zwei Wärter ihr Leben verloren. Ebenso viele Schlagzeilen machte der Ausbruchsversuch von drei Insassen am 11. Juni 1962. Diese hatten mit Hilfe von Löffeln ein Loch in den Beton gegraben, Puppen aus Pappmaché an ihrer Stelle in die Betten gesteckt und hatten mit einem aus Regenmänteln gebauten Floss zur benachbarten Insel Angel Island übergesetzt. Beim Versuch, über die Bay nach San Francisco zu erlangen, waren sie dann ertrunken. Am 21. März 1963 wurde das Gefängnis von Alcatraz geschlossen, denn die Unterhaltskosten lagen um ein Vielfaches höher als die anderer Gefängnisse.

Am 20. November 1969, sechseinhalb Jahre nach der Schließung, begann die Besetzung der Insel durch eine Gruppe amerikanischer Ureinwohner. Die Indianer beriefen sich sich auf eine Klausel des Vertrags von Fort Laramie von 1868, die vorsah, dass alles Land, das ehemals den Ureinwohnern gehört hatte und von der Bundesregierung genutzt worden war, nach Auslaufen dieser Nutzung an die indianischen Völker zurückzugeben sei. Unter diese Klausel fiel auch Alcatraz. Die Besetzung begann mit 79 Personen von verschiedenen Völkern. Sie warfen der amerikanischen Regierung vor, mehrere Verträge mit den Indianern gebrochen zu haben und forderten über ihren Sprecher, den Mohawk Richard Oakes, die Errichtung eines indianischen Kulturzentrums und eines Museums auf der Insel. Nach und nach bekamen die Besetzer mehr Unterstützung, auch von zahlreichen Prominenten wie Marlon Brando oder Anthony Quinn, die durch Besuche auf Alcatraz ihren Support dokumentierten. Bald jedoch begann die Front zu bröckeln. Es gab Unglücksfälle auf der Insel, einige nachgezogene Besetzer, darunter auch Hippies aus San Francisco ohne indianische Herkunft, erwiesen sich als drogenabhängig und im Mai 1970 waren die Telefon- und Stromleitungen gekappt worden. Ein Feuer, dessen Ursache ungeklärt blieb, zerstörte im Juni mehrere Gebäude. Am 11. Juni 1971 schließlich zwangen Ordnungskräfte die 15 verbliebenen Besetzer von der Insel. Trotz des unrühmlichen Endes wird die Aktion von den Ureinwohnern als Erfolg gefeiert. Jährlich an Thanksgiving treffen sich mehrere Tausend Indianer auf der Insel. um der Besetzung zu gedenken.

1976 wurde Alcatraz auf die nationale Denkmalschutzliste gesetzt. Im Anschluss wurden Pläne entwickelt, wie man die Geschichte und Bedeutung der Insel für Besucher zugänglich machen könnte. Heute können Touristen sowohl die historischen Gebäude als auch Ausstellungsstücke zur Erinnerung an die verschiedenen Abschnitte in der Geschichte des Insel besichtigen. Daneben gibt es auf der Felseninsel viele interessante Pflanzen zu sehen, die zu einem großen Teil von ehemaligen Bewohnern, zum Beispiel den Familien der Gefängniswärter, hier angepflanzt wurden. Einige Tierarten, allen voran mehrere Arten von Wasservögeln und eine Salamanderart, haben außerdem auf Alcatraz ihr Zuhause gefunden.