Im Nordwesten des Bundesstaats New York befindet sich die Grenze zum Nachbarland Kanada, die mit den Niagarafällen nördlich von Buffalo eine weltberühmte Sehenswürdigkeit aufzuweisen hat. Ein wenig östlich davon allerdings, wo der St. Lawrence-Strom die internationale Grenze zwischen den beiden Ländern bildet, liegt eine kaum bekannte Inselwelt, die nicht nur aus tausend, sondern sogar aus 1864 Inseln und vor allem Inselchen besteht und die jeweils zur Hälfte zum kanadischen und zum US-Staatsgebiet gehören. Die Thousand Islands bilden ein rund 80 Kilometer langes Archipel, das man auf US-Seite am besten über den Interstate I-81 und die kleine Stadt Watertown erreicht und auf kanadischer Seite über die Stadt Kingston im Osten von Ontario.

Die Definition dessen, was noch als Insel durchgeht und daher zu den Thousand Islands zählen darf, wurde dabei von offizieller Seite festgelegt. Jede als solche anerkannte Insel muss eine Fläche von 1 Square Foot (0,093 m²) haben, ganzjährig über Wasser liegen und mindestens einen lebenden Baum aufweisen können. Tatsächlich haben es einige der Inseln nur knapp über diese Hürde geschafft und wer sich zum Beispiel mit einem Paddelboot durch diese Gewässer begibt, entdeckt zahlreiche winzige Inseln, die man für einen Tag ganz für sich allein haben darf. Andere erheben einen längerfristigen Anspruch auf eines der Eilande, wie die Insel mit dem treffenden Namen Just Room Enough beweist, auf der gerade so genug Platz für ein schmuckes Eigenheim war (Foto).

Die Thousand Islands sind der Namenspate für das gleichnamige Salatdressing, dessen Rezept vom Anfang des 20. Jahrhunderts stammt und auf eine kreative Hausfrau aus dem Ort Clayton am Ufer des St.-Lorenz-Stroms zurückgeht. Zu jener Zeit hatte sich die Region im Norden New Yorks als Ort der Sommerfrische etabliert, vor allem wohlhabende Familien aus New York City und anderen Großstädten verbrachten einen Teil des Jahres hier. Diese Gäste errichteten zahlreiche Ferienhäuser in der Gegend, teilweise großzügig als Sommerresidenz ausgelegt, von denen viele bis heute erhalten geblieben sind. Die Besucher verbrachten ihre Zeit gerne auf dem Wasser, wofür zahlreiche Boote aller Art hierher gebracht wurden. Einige Exemplare kann man heute im Antique Boat Museum in Clayton (750 Mary Street, geöffnet während der Sommermonate) bewundern.

Ein Teil der Inseln auf der kanadischen Seite ist im dortigen St. Lawrence Islands National Park organisiert, auf der New York-Seite gibt es mehrere State Parks. Dazu gehören der Robert Moses State Park – Thousand Islands (bei Massena), der teilweise auf dem Festland und teilweise auf der Barnhart Island liegt und der Wellesley Island State Park (bei Fineview) auf der gleichnamigen Insel, wo es einen großen und sehr beliebten Campingplatz gibt. Ebenfalls auf Wellesley Island liegt der von Mai bis September geöffnete Dewolf Point State Park und am östlichen Ende der Insel befindet sich darüber hinaus der Mary Island State Park, der nur per Boot erreichbar ist. Der Canoe-Picnic Point State Park mit seiner großzügigen Picknickanlage befindet sich auf der Insel Grindstone Island.

Wellesley Island ist zugleich die letzte zu den USA gehörende Insel vor der kanadischen Grenze. Diese überschreitet man, wenn man die 27 Meter lange Brücke hinüber zur Hill Island überquert. Die Hauptverkehrsader durch die Region aber ist die Thousand Islands Bridge, die eigentlich aus fünf aufeinander folgenden Brücken besteht und sowohl Interstate I-81 von den USA nach Kanada führt, als auch Fußgängerwege aufweist. Mit einer Gesamtlänge von 13,7 Kilometern überquert die Thousand Islands Bridge den Saint Lawrence River komplett.

Eine besonders beliebte Sehenswürdigkeit innerhalb der Inselgruppe ist Heart Island mit der darauf befindlichen Burg, dem Boldt Castle. Die Insel hat ihre herzförmigen Umrisse nicht etwa von Natur aus, sondern sie wurde von Menschenhand so gestaltet. Der auf Rügen geborene George Boldt war als 13jähriger in die USA emigriert und hatte sich tatsächlich vom Tellerwäscher bis zum Direktor des renommierten Hotels Waldorf-Astoria hochgearbeitet. Boldt verbrachte viele Sommer in den Thousand Islands und ließ ab 1900 eine der Inseln zu Ehren seiner Frau Louise in Herzform gestalten sowie eine Burg auf der Insel errichten. Diese sollte nicht weniger als sechs Stockwerke und 120 Zimmer umfassen und um einen Turm ergänzt werden. Nach vier Jahren Bauzeit erreichte dann ein Telegramm die Bauarbeiter: Boldts Frau war gestorben und er ordnete den sofortigen Stopp aller Arbeiten an. Boldt betrat die Insel nie mehr, dafür tun das heute viele Touristen, die sich die Burg und den Alster Tower anschauen. 1977 waren die Insel und die Burg von der Betreibergesellschaft der Thousand Islands Bridge gekauft und für viele Millionen Dollar restauriert worden. Die Insel dient dank ihrer Form und der romantischen Entstehungsgeschichte auch gelegentlich als Kulisse für Hochzeiten.