Der obere Teil des Bundesstaats Michigan, die Upper Peninsula – kurz U.P. genannt – nimmt insgesamt knapp ein Drittel der gesamten Fläche Michigans ein, aber mit weniger als 300.000 Menschen leben gerade einmal 3% der Einwohner hier. Es gibt nur 21 Orte mit mehr als 2000 Einwohnern, drei davon haben eine Bevölkerung von über 10.000. Statt Städten und urbanen Zentren gibt es auf der Upper Peninsula dagegen viel Natur mit mehreren geschützten Gebieten. Die Halbinsel erstreckt sich über mehr als 42.000 km² und wird im Norden vom Lake Superior, im Südosten von Lake Michigan und Lake Huron und im Südwesten vom benachbarten Wisconsin begrenzt. Die Verbindung zum unteren Abschnitt von Michigan stellt die 8000 Meter lange Mackinac Bridge dar, eine der längsten Hängebrücken der Welt.

Die U.P. war schon seit Jahrhunderten von den Ureinwohnern bewohnt, bevor 1620 die ersten Europäer ihren Weg hier fanden. Französische Kolonialisten beanspruchten die Halbinsel in der Folge für ihr Land und erleichterten den Handel mit Pelzen, der für lange Zeit der wichtigste Wirtschaftsfaktor bleiben sollte, durch den Bau von Handelsposten. 1763 ging das Land dann an die Briten, doch nur für zwanzig Jahre, dann kam das Gebiet offiziell unter die Verwaltung der USA. Die Amerikaner jedoch kümmerten sich zunächst wenig um die Halbinsel, die sie für eine unwirtliche Wildnis hielten.

Das änderte sich schnell, als die Kunde von gefundenen Rohstoffen die Runde machte. Der Abbau von Bodenschätzen, vor allem Kupfer und Eisen, begann Mitte des 19. Jahrhunderts und brachte Erträge in ungeahnter Menge. Dies beförderte den Zuzug vieler neuer Siedler in den Norden Michigans, vor allem aus Skandinavien, aber auch aus Deutschland und England kamen viele Immigranten – die Gewichtungen lassen sich noch heute an Ortsnamen und Familiengeschichten ablesen. Später nahm die Holzwirtschaft die wichtigste Position im Wirtschaftsleben der Upper Peninsula ein und heute ist es der Tourismus, der die herausragende Rolle einnimmt.

Die Sehenswürdigkeiten von Michigans Upper Peninsula beruhen dabei fast ausschließlich auf einigen wunderbaren Landschaften. Als ein guter Ausgangspunkt hat sich dabei der gut 2300 Einwohner zählende Ort Munising entwickelt. Von hier aus lassen sich nicht nur einige schöne Wasserfälle erkunden, darunter die Wagner Falls im gleichnamigen State Park, sondern hier legen auch die Fähren sowohl zur Pictured Rocks National Lakeshore als auch zur Insel Grand Island ab. Auf dieser Insel im Lake Superior leben gerade einmal rund 50 Menschen, das lässt viel Platz für Natur und die gesamte Insel ist als Grand Island National Recreation Area organisiert. In diesem großen, waldreichen Gebiet finden Besucher unzählige Möglichkeiten vom Wandern, Radfahren, Schwimmen, Angeln oder Jagen. Der private Autoverkehr ist während der Sommermonate nicht gestattet, es gibt aber einen Tourbus, mit dem man die Insel erkunden kann. Die Fähre verkehrt mehrmals täglich, doch wer länger bleiben möchte, findet einige ausgewiesene Campingplätze für die Übernachtung.

Von Munising aus sind es knapp zwei Autostunden in westlicher Richtung, bis man zum Brimley State Park gelangt, einem schon seit 1923 bestehenden Freizeitgebiet mit großem Angebot für Besucher. Der Park ist offiziell nur im Sommer geöffnet. Zwar steigen die Temperaturen auch dann selten höher als 25°C, dennoch findet sich hier ein schöner Strand am Ufer des Lake Superior, der zum Schwimmen und zu Picknicks am Wasser einlädt, entsprechende Einrichtungen sind vorhanden. Für Camper stehen mehr als 200 Plätze zur Verfügung, zusätzlich besteht die Möglichkeit, eine Hütte für Übernachtungen zu mieten; zudem gibt es Spielplätze und Wanderwege. Dieser Abschnitt des Lake Superior wird als Whitefish Bay bezeichnet, hier gibt es durchschnittlich die wärmsten Wassertemperaturen des Sees. Um die Natur rund um diese Bucht zu entdecken, entscheiden sich viele Besucher für eine Fahrt über den Whitefish Bay National Scenic Byway, eine schmale Straße, die über rund 43 Kilometer von der Bay Mills Township im Osten bis zur Whitefish Township im Westen führt und dabei nicht nur den Nationalwald erschließt, sondern auch die Seeküste und damit Zugang verschafft zu einigen der sehenswerten Leuchttürme. Interessant ist zum Beispiel der Leuchtturm des Point Iroquois Light, der 1870 errichtet wurde und heute ein maritimes Museum beherbergt, das von Mai bis Oktober geöffnet ist. In der Nähe liegen die Doppelschleusen Soo Locks, die den Schiffsverkehr zwischen dem Lake Superior und den anderen der Großen Seen ermöglichen. Rund 10.000 Schiffe passieren die 1837 erbauten Schleusen jährlich. Als Ausgangspunkt für einen Besuch dieses Meisterwerks der Ingenieurskunst bietet sich die Stadt Sault Ste. Marie an, ein Ort mit rund 14.000 Einwohnern an der kanadischen Grenze. Ein Ort gleichen Namens liegt am gegenüber liegenden Ufer des St. Marys River in der kanadischen Provinz Ontario. Die 1962 erbaute, 4,5 Kilometer lange International Bridge verbindet beide Orte und damit beide Länder miteinander. Sault Ste. Marie ist der schneereichste Ort Michigans mit durchschnittlich mehr als drei Metern Schnee pro Jahr. Während der wärmeren Monate lebt die Kleinstadt vom Tourismus, die sowohl von den umliegenden Wäldern und Seen als auch vom interessanten Blick auf die Soo Locks und einem von indianischen Ureinwohnern betriebenen Casino angezogen werden. Im Winter dagegen findet hier das International 500 statt, das längste Schneemobilrennen der Welt. Ein weiteres beliebtes Ausflugsziel ist Mackinac Island, eine knapp 10 km² große Insel im Lake Huron zwischen Upper und Lower Peninsula.

Sault Ste. Marie ist die zweitgrößte Ortschaft der Upper Peninsula, die größte ist das 21.400 Einwohner zählende Marquette. Der Ort ist gleich für mehrere Dinge bekannt; zum einen für seine hohe jährliche Schneefallmenge, zum anderen für seinen bedeutenden Hafen und schließlich als Standort der Northern Michigan University. Im Ort Ishpeming rund 25 Kilometer entfernt befindet sich die National Ski and Snowboard Hall of Fame mit angeschlossenem Museum. Marquette verfügt über mehrere städtische Parks, Strände und Freizeitanlagen und über ein Netz aus Rad- und Wanderwegen. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen auch hier zwei historische Leuchttürme, das äußerst pittoreske Marquette Harbor Light, das 1865 erbaut wurde und in Touren besichtigt werden kann und das Big Bay Point Light in gut 30 Kilometern Entfernung, das als Bed and Breakfast genutzt wird. Die Gewässer in dieser Region waren allerdings nicht immer so sicher. Sowohl in der Whitefish Bay als auch vor Marquette liegen zahlreiche Schiffe auf Grund und dienen als faszinierendes Ausflugsziel für Taucher; insbesondere da viele nicht allzu tief liegen. Inzwischen gibt es an beiden Stellen Unterwasser-Schutzgebiete, um die Wracks zu erhalten. In der Nähe des kleinen Ortes Paradise, am Whitefish Point, befindet sich das Great Lakes Shipwreck Museum, das in einem weiteren historischen Leuchtturmkomplex untergebracht ist und in dem sich einige Artefakte befinden, die von den gesunkenen Schiffen geborgen worden sind.

Zurück an Land bietet sich ein Ausflug in die mehr als 7400 Hektar große Sylvania Wilderness an. Die ausgedehnten Laubwälder dieses Gebiets werden von 34 Seen ergänzt, die nicht aus Flüssen gespeist werden und daher außergewöhnlich klar sind. Dieses wunderbare Landschaftsbild lässt sich auch in mehrtägigen Ausflügen erschließen, es stehen mehr als 80 Campingstellen zur Verfügung.

Der oberste, nördlichste Abschnitt der Halbinsel und Michigans insgesamt ist die Keweenaw Peninsula, eine Halbinsel, die in den Lake Superior hinein ragt und die mitunter auch als Copper Island bezeichnet wird. Hier wird es auch im Sommer selten wärmer als 20°C, allerdings sind auch die Winter milder – wenn auch mit hohen Schneefallmengen . als in anderen Orten der UP. Hier oben waren schon im 19. Jahrhundert im industriellen Umfang Kupfer abgebaut worden. Vom Ort Houghton aus gehen nicht nur Fähren hinüber zum Isle Royale Nationalpark, der 7700 Einwohner zählende Ort ist auch Mittelpunkt einer Region, die unzählige Freizeitmöglichkeiten bietet: Wo im Sommer gewandert, radgefahren und Kanu gefahren werden kann, beschäftigt man sich im Winter mit Skifahren oder Touren mit dem Schneemobil. Über die Portage Lake Lift Bridge, eine 1959 eröffnete Hubbrücke, ist Houghton mit dem Ort Hancock verbunden; ein Ort, an dem viele Immigranten aus Finnland gesiedelt haben. Die finnischen Traditionen werden jährlich bei einem im Winter stattfindenden Festival namens Heikinpäivä gefeiert. Ebenfalls interessant ist der kleine Ort Calumet mit nur rund 800 Einwohnern, der beinahe komplett als Historic District unter Denkmalschutz steht; sehenswert ist zum Beispiel das historische Theatergebäude, erbaut im Jahr 1900, als die Region dank des Kupferbooms viel Geld für Kultur ausgeben konnte. Im Norden der Keweenaw Peninsula befindet sich das Skigebiet am Mount Bohemia, das mehr als 80 Strecken aufweisen kann, die allerdings alle nicht für Anfänger zu empfehlen sind.

Folgt man der Küstenlinie des Lake Superior von hier aus noch weiter Richtung Westen, so kommt man zu den Porcupine Mountains, deren höchster Gipfel allerdings nur auf 595 Meter kommt. Weite Teile des Mittelgebirges fallen in den Rahmen des Porcupine Mountains Wilderness State Park, mit dem der Bestand der vielen hier vorkommenden Laubbaumarten – unter anderem auch der Zuckerahorn – geschützt wird. Im Schutz der Wälder leben unter anderem Wölfe, Elche, Kojoten und natürlich Stachelschweine.