Die Botschaft der USA in Berlin ist eine von 169 Botschaften, die die USA in fremden Ländern betreiben. Sitz der diplomatischen Mission ist ein 2008 neu eröffnetes Gebäude am Pariser Platz in Berlin, direkt am Brandenburger Tor. Die USA unterhalten schon seit 1797 eine diplomatische Repräsentanz in Deutschland (damals Preußen), deren Standort im Laufe der Zeit mehrfach wechselte. Das Gelände am Pariser Platz hatten die USA zwar schon 1931 gekauft, doch zunächst war das dortige Palais Bühler nach einem Feuer nicht nutzbar und nach dem Krieg lag es im Sperrgebiet, so dass die DDR-Behörden es 1957 abrissen. Von 1955 bis 2008 war die Botschaft der USA in der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und die in der DDR an der Neustädtischen Kirchstraße in Ost-Berlin, während auch in der Clayallee in Wet-Berlin eine Repräsentanz unterhalten wurde.

Zur diplomatischen Mission der USA in Deutschland gehören außer der Botschaft in Berlin auch Generalkonsulate in Hamburg, Leipzig, Frankfurt, Düsseldorf und München, wobei das Generalkonsulat in Frankfurt das größte Konsulat der USA weltweit ist. Sowohl in der Botschaft als auch in den Konsulaten sind neben aus den USA entsendeten Diplomaten und anderen Mitarbeitern auch zahlreiche deutsche Staatsangehörige beschäftigt.


Aufgaben und Tätigkeitsgebiete der US-Botschaft

Viele Menschen glauben, dass die Aufgabe einer Botschaft in erster Linie die Ausgabe von Pässen und Einreisegenehmigungen ist. Tatsächlich wird diese Arbeit von den Konsulaten und der konsularischen Abteilung der Botschaft erledigt. Diese sind auch die Anlaufstellen für in Deutschland lebende Amerikaner für zahlreiche Angelegenheiten, zum Beispiel für die Teilnahme an Wahlen in der Heimat. Daneben nimmt die Botschaft aber auch noch viele andere Aufgaben wahr. So gibt es beispielsweise eine Abteilung, die sich um den kulturellen Austausch zwischen den USA und Deutschland bemüht und Veranstaltungen in ganz Deutschland organisiert. Zu diesem Zweck werden auch Institutionen wie die Deutsch-Amerikanischen Institute von der Botschaft gefördert. Eine andere Abteilung kümmert sich darum, amerikanischen Unternehmen die Expansion in den deutschen Markt zu erleichtern, unterstützt aber auch deutsche Investoren, die in den USA tätig werden wollen. Darüber hinaus kümmern sich Mitarbeiter der Botschaft um den deutsch-amerikanischen Austausch auf allen Ebenen, vom Schüleraustausch bis hin zu politischer Abstimmung zwischen den Staaten. Zudem ist die Botschaft natürlich immer einer der ersten Ansprechpartner für die heimische Regierung, um über die Vorgänge und Entwicklungen im jeweiligen Gastland auf dem Laufenden zu bleiben.

Daneben haben auch andere staatliche Behörden ein Standbein in der Botschaft ihres Heimatlands. Im Falle der USA gehören dazu unter anderem die Steuerbehörde IRS, die Zoll- und Grenzschutzbehörde CBP und Strafverfolgungsbehörden. Es ist darüber hinaus bekannt, dass sich unter den akkreditierten Botschaftsmitarbeitern auch Mitarbeiter der Geheimdienste wie der CIA befinden; eine solche Vorgehensweise ist bei den meisten Ländern international üblich.


Der US-Botschafter in Deutschland

Genauso wie im Auswärtigen Amt in Deutschland oder in den Außenministerien anderer Staaten gibt es auch im Außenministerium der USA, dem Department of State, eine Vielzahl von Karrieremöglichkeiten für Angestellte des diplomatischen Dienstes. Eine der obersten Karrierestufen ist die Funktion eines Botschafters und in den meisten Auslandsvertretungen der USA wird dieser Posten von solchen Karrierediplomaten bekleidet. Es gibt jedoch Ausnahmen. So behalten es sich die amerikanischen Präsidenten vor, einige Posten in Ländern, die als besonders wichtig angesehen werden, mit politischen Vertrauten oder Unterstützern zu besetzen. Zu diesen Ländern zählt auch Deutschland. So war der Botschafter in Deutschland von 2009 bis 2013, Phil Murphy, ein aktiver Unterstützer von Barack Obama in dessen Wahlkampf und sein Nachfolger von 2013 bis 2017, John B. Emerson, war zuvor Finanzchef der Demokratischen Partei. Der derzeitige Amtsinhaber Richard Grenell, hatte zwar bereits diplomatische Erfahrungen als Pressesprecher des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen von 2001 bis 2008, wurde von Präsident Trump aber ebenfalls als sogenannte politische Nominierung für den Posten ausgewählt. Grenell ist seit Mai 2018 im Amt.   

Botschafter Richard Grenell
(Pressefoto der US-Botschaft)

Botschafter Richard Grenell

Wie es nach einem Machtwechsel im Weißen Haus üblich ist, behielt sich der 2016 neu gewählte Präsident Trump vor, den Posten des Botschafters in Deutschland neu zu besetzen. Seine Wahl fiel auf Richard Grenell, der ihm wohl vor allem als scharfzüngiger Kommentator in rechtskonservativen Medien wie Breitbart aufgefallen sein dürfte. Er nominierte Grenell bereits am 5. September 2017, bis zur notwendigen Bestätigung durch den Senat dauerte es wegen anhaltender politischer Grabenkämpfe in Washington aber noch bis zum April 2018.

Die verloren gegangene Zeit schien Grenell sofort aufholen zu wollen. Am 8. Mai 2018 begann seine Amtszeit in Deutschland offiziell und noch am selben Tag setzte er eine Twitter-Nachricht ab, in der er deutsche Unternehmen im groben Ton zur sofortigen Einstellung aller Business-Tätigkeiten im Iran aufforderte. Die ersten Rufe nach der Ausweisung, zumindest aber einer Einbestellung des Botschafters wurden laut und diesen sollten mehrere weitere folgen. Grenell scheut vor keiner Kontroverse zurück und vertritt die in Deutschland im höchsten Maße unbeliebte Politik Trumps mit vollem Einsatz. Wie der Präsident ist auch Grenell auf Twitter sehr präsent, dazu kommen regelmäßige Auftritte bei Fox News in Amerika. Einige seiner öffentlichen Äußerungen scheinen vor allem darauf zu zielen, Trumps Aufmerksamkeit zu gewinnen und so dauerte es auch nicht lange, bis darüber spekuliert wurde, dass Grenell im sich dauerhaft drehenden Personalkarussel des Weißen Hauses bald schon eine andere Position einnehmen könnte.

An Deutschland dagegen scheint Grenell, im Gegensatz zu seinen Vorgängern, ein eher geringes Interesse zu haben. Lieber präsentiert er sich als Verfechter der Interessen Israels und als Kritiker Russlands und des Iran und pflegt auch sonst eher das Profil eines politischen Interessenvertreters als das eines Diplomaten. Schon bald nach der Übernahme der Geschäfte in Berlin hatte er zum Beispiel in einem Interview verlauten lassen, er sei um eine Stärkung der konservativen Kräfte in Europa bemüht. Später drohte er deutschen Unternehmen, die am Nordstream-Projekt arbeiteten, ebenso unverhohlen mit Sanktionen wie jenen, die mit dem Iran Geschäfte machten.

Diese Haltung, die sich auch immer wieder in Gastbeiträgen in deutschen Magazinen ausdrückte, führte nach Aussage von Mitarbeitern und Beobachtern zu einer isolierten Position Grenells in seinem Gastland. Martin Schulz, Wolfgang Kubicki und andere bekannte Politiker sprachen sich dafür aus, dass die deutsche Regierung Maßnahmen gegen den Botschafter ergreifen solle, während die meisten Regierungsmitglieder auf Distanz zu Grenell gingen. Im Februar 2020 wurde der Botschafter von Trump zugleich kommissarisch zum Director of National Intelligence, also zum Koordinator der verschiedenen US-Geheimdienste ernannt. Da Grenell diese Aufgabe nur kommissarisch übernahm, umging Trump damit die Notwendigkeit, seine Nominierung für diese wichtige Position durch den Kongress absegnen lassen zu müssen.

Richard Grenell wurde 1966 in Michigan geboren. Er studierte in Missouri und in Harvard und arbeitete in der Vergangenheit als selbständiger Berater für Öffentlichkeitsarbeit sowie in den Kampagnen mehrerer republikanischer Politiker. Im Jahr 2013 überstand er eine Krebserkrankung. Er lebt zusammen mit seinem Partner Matt Lashey in Kalifornien.